Warum fehlt die Briefcodierung auf Großbriefen und Zeitschriften?


Auf Briefen im Standardformat befindet sich am unteren Rand immer ein neon-oranger Strichcode, der sogenannte Zielcode. Darin ist die Lieferanschrift codiert. Bei Großbriefen und Zeitschriften fehlen solche Strichcodes hingegen - woran liegt das?

Man könnte denken, dass großformatige Briefe nicht zur automatischen Sortierung geeignet sind, deshalb von Hand bearbeitet werden und keinen Strichcode benötigen. Das trifft auf einige wenige Sendungen zu, die besonders dick oder unförmig sind. Die Mehrzahl der Großbriefe kann und wird jedoch automatisch sortiert.

Das Geheimnis der fehlenden Strichcodes verrät Siemens auf seiner Website zu Briefsortieranlagen. Die Maschinen vom Typ Open Mail Handling System (OMS) werden beispielsweise von der Deutschen Post und Österreichischen Post eingesetzt.

Laut Siemens sind Briefe und Zeitschriften (auch eingeschweißt) bis zu einer Dicke von 3,2 cm und einem Gewicht von 2kg automatisch sortierbar. Die maximale Sendungsgröße liegt bei 40,6 x 30,5 cm (Quelle).

Um während des Sortierprozesses jede Sendung eindeutig zu identifizieren, nutzt Siemens die sogenannte Fingerprint-Technologie. Jede Sendung wird fotografiert, und die Bilddaten werden in einen digitalen Code umgewandelt. Dieser Code ist für jede Sendung einzigartig, weil es keine zwei Briefe gibt, die zu 100% identisch sind. Somit kann jeder Brief anhand seines digitalen Abbilds identifiziert werden und ein Strichcode wird überflüssig.

Siemens schreibt zu der Technologie:

Die Erkennung von Großbriefen ist komplizierter als die von Standardbriefen. Großbriefe mit Barcodes zu versehen ist kostspielig und unzuverlässig, da hierfür Etiketten benötigt werden. Die bildbasierte Fingerprint-Technologie erkennt Briefe oder Pakete anhand ihrer optischen Eigenschaften. Der Einsatz der Fingerprint-Technologie macht Etikettierer, Barcode-Drucker und -Leser überflüssig. Das bedeutet Kosteneinsparungen bei Etiketten, Tinte und Wartung.

Als Otto Normalverbraucher fragt man sich, warum diese kostensparende Technik nicht überall eingesetzt wird, also auch für Standardbriefe. Der Grund liegt möglicherweise in der Sortiergeschwindigkeit.

Sortieranlagen für Standard- und Kompaktbriefe schaffen pro Stunde bis zu 45.000 Sendungen (vgl. Wikipedia). Die Leistung von OMS-Großbriefanlagen gibt Siemens mit 12.500 Sendungen pro Stunde je Eingabelinie an. Die Maschinen sind mit 2 oder 4 Eingabelinien lieferbar, so dass die Gesamtleistung entweder bei 25.000 oder 50.000 Sendungen pro Stunde liegt. Welche Leistungsstufe die Deusche Post einsetzt, ist unklar.

Mehr zum Thema bei Paketda: Wie werden Briefe und Pakete sortiert und transportiert?


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