Amazon Österreich: Sendungsverfolgung überführt falsche Fahrtenbücher

Wilfried Lehner, Finanzpolizei Österreich
Im Februar 2020 kontrollierte die österreichische Finanzpolizei Subunternehmer und Zusteller der Amazon Transport Austria GmbH (Paketda berichtete). Nach knapp einem Jahr Ermittlungsarbeit und 76.605 ausgewerteten Datensätzen liegen nun die Ergebnisse vor. In einer Pressemitteilung veröffentlichte das Finanzministerium folgende Statistik:

Wilfried Lehner, Leiter Finanzpolizei, wird vom Ministerium mit folgenden Worten zitiert: "Ich kann mich an keine Kontrolle erinnern, bei der wir auf derartig viele Gesetzesübertretungen gestoßen sind. Das ist einmalig." Wie das Magazin Profil.at berichtet, waren nur 3 von insgesamt 133 kontrollierten Subunternehmen "sauber".

Bereits im Februar 2020 hatten sich die Behörden vorgenommen, die "Auftragsbücher von Amazon mit denen der Subfirmen vergleichen" zu wollen. Im gedruckten "Profil"-Magazin (auch als E-Paper) wird jetzt genauer erklärt, wie die Behörden vorgingen.

Die digitalen Daten aus der Sendungsverfolgung wurden mit den Arbeitszeitaufzeichnungen der Fahrer verglichen. Weil jedes Amazon-Paket beim Einladen ins Zustellfahrzeug und bei der Ablieferung gescannt wird, lassen sich Arbeitsbeginn (erstes gescanntes Paket) und Arbeitsende (zuletzt zugestelltes Paket) jedes Mitarbeiters exakt bestimmen.

Wilfried Lehner sagte zu Profil, dass die digitalen Sendungsdaten "überhaupt nicht mit den Arbeitszeitaufzeichnungen der Paketunternehmen zusammengepasst" haben.

Außerdem stellten die Ermittler fest, dass Zusteller, die mutmaßlich über keine Arbeitserlaubnis verfügen, unter falscher Identität arbeiteten. Die Subunternehmer-Chefs nutzten dafür die Personalien ehemaliger Mitarbeiter.

Informationen von Profil zufolge sind nach den Ermittlungen einige Subunternehmer vom Markt verschwunden. Amazon zahle für einen 8-Stunden-Tag eine pauschale Vergütung von 240 Euro. Wilfried Lehner schätzt den Betrag als zu niedrig ein; damit sei kaum eine korrekte Beschäftigung von Zustellern möglich.

Amazon teilte mit, dass zwei unzuverlässigen Subunternehmern gekündigt wurde. Außerdem werden neuerdings die Ausweise von Zustellern kontrolliert und es soll eine "neue Technologie" geben, mit der Subunternehmer die Arbeitszeiten ihrer Zusteller erfassen können.


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