DPD gründet eigene Leiharbeitsfirma, um Subunternehmer zu unterstützen

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Im Stellenportal von DPD erscheinen seit einigen Wochen Jobangebote der neu gegründeten DPD Service GmbH. Dieses Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der DPD Deutschland GmbH. Aktuell werden Zusteller für die Regionen Berlin, Schleswig, Lübeck, Vlotho, Hengersberg, Wuppertal und Dinkelsbühl gesucht.

Bislang haben Paketdienste die Direktanstellung von Zustellern gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen wurden - und werden - Zusteller bei selbstständigen Subunternehmern angestellt. Die Subunternehmer tragen wiederum die Verantwortung zur Einhaltung von Arbeitsschutz- oder Arbeitszeitvorschriften ihrer Mitarbeiter. Die Paketdienst-Zentrale kann bei Verstößen in der Regel nicht haftbar gemacht werden. Ausnahme sind Stundenlöhne unter Mindestlohn - hier gilt eine Auftraggeberhaftung.

Aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen kam es im Mai 2017 zu einer Protestfahrt von DPD-Zustellern und Subunternehmern zur Zentrale nach Aschaffenburg (Paketda berichtete). Einem an der Protestfahrt teilnehmenden Subunternehmer vom Depot Obertraubling wurde von DPD später fristgerecht gekündigt.

Vor diesem Hintergrund ist die Gründung einer eigenen DPD-Leiharbeitsfirma überraschend. Der Personalmangel und damit verbundene Lieferverzögerungen haben mancherorts wohl so starke Auswirkungen, dass die DPD-Zentrale einigen Subunternehmern unter die Arme greifen muss. Laut www.online-handelsregister.de lautet der Geschäftszweck der DPD Service GmbH:

Das Vorhalten, die Bereitstellung und der Einsatz von Fahrpersonal im Rahmen einer konzerninternen Arbeitnehmerüberlassung an die DPD Deutschland GmbH, insbesondere zur kurzfristigen Uberbrückung von Kapazitätsengpässen bei Frachtführern, die im Auftrag der DPD Deutschland GmbH tätig sind. Ebenso erfolgt die kurzfristige Übernahme von Fahrpersonal von Frachtführern zur Vermittlung an andere Frachtführer in dortige Beschäftigungsverhältnisse.

In den Online-Stellenanzeigen verspricht DPD künftigen Mitarbeitern unter anderem ein "attraktives Gehalt", 25 Tage Urlaub pro Jahr und eine 5-Tage-Woche von Montag bis Freitag, wechselweise auch samstags.

Außerdem heißt es in der Ausschreibung, dass "die Zusteller der DPD Service GmbH ... bedarfsabhängig an den 78 Standorten von DPD in Deutschland im Einsatz" sind. DPD sieht die neue Leiharbeits-Tochterfirma als "eine sinnvolle Ergänzung zum erfolgreichen Systempartner-Modell".

Zur Gründung der Tochterfirma kaufte DPD offenbar eine sogenannte Vorratsgesellschaft vom Anbieter www.gmbh-kaufen.net. Vorratsgesellschaften beschleunigen die Aufnahme des Geschäftsbetriebs. Die GmbH wurde vom Verkäufer sozusagen "auf Vorrat" gegründet mit der Absicht, die Firma später an jemanden zu verkaufen, der sie schnell benötigt. In diesem Fall also DPD. Laut Handelsregister hieß die Firma früher "Vorrata SAJKA Personal GmbH" mit Sitz in Essen. Per Beschluss der Gesellschafterversammlung wurde sie Anfang August nach Aschaffenburg verlegt und in DPD Service GmbH umbenannt. Geschäftsführer sind zwei langjährige Manager von DPD.


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