Eine Undercover-Reportage von RTL Team Wallraff sorgt derzeit für Aufsehen in der Branche. Eine anonyme Insiderin erhebt schwere Vorwürfe gegen DPD Deutschland. In internen Unterlagen, die die Insiderin an RTL übergab, sollen per Stand 2024 bundesweit rund 16.000 Mängel an DPD-Standorten dokumentiert worden sein.
In der am 6. Mai 2026 ausgestrahlten Reportage blendete RTL eine Deutschlandkarte ein. Darauf sind die DPD-Standorte farblich nach ihrem technischen Zustand bewertet. Laut der Reportage reicht die Einstufung von "CE und betreibersicher" bis hin zu "Anlage mit schweren Mängeln" oder sogar "Maßnahmen bis Neubau".
Besonders auffällig: Viele Standorte sind auf der Karte orange oder rot markiert. Das deutet laut RTL auf erhebliche technische oder sicherheitsrelevante Probleme hin.
Insiderin beschreibt massive Probleme im Depot Duisburg
Als Beispiel nennt die Insiderin das DPD-Depot in Duisburg. Dort "sacke die gesamte Halle ab", behauptet sie gegenüber RTL. Die Wellblechverkleidung sei mittlerweile "mehr eine Ziehharmonika als eine normale Wellblech-Verkleidung". Die Sortieranlage verwinde sich "in alle Richtungen", wodurch Gefahren für Mitarbeiter entstehen könnten.
DPD widersprach den Vorwürfen gegenüber RTL mit einem schriftlichen Statement. Das Unternehmen erklärte:
"Unsere Anlagen werden regelmäßig kontrolliert, u.a. im Rahmen von UVV-Sicherheitsüberprüfungen, regelmäßigen Arbeitsschutz-Terminen und -begehungen, sowie Prüfungen der Berufsgenossenschaft oder der staatlichen Aufsichtsbehörden."
Die Insiderin zeichnet jedoch ein deutlich düstereres Bild. Ihrer Darstellung zufolge seien die Probleme intern bekannt. Wörtlich sagte sie: "Diese Schaubilder waren Teil des Managements-Reports. Das geht direkt an die Geschäftsführung."
Besonders brisant ist eine Passage der Reportage, in der die Insiderin einen Zusammenhang zwischen Kostendruck und dem Zustand der Anlagen herstellt. Ihrer Aussage zufolge habe ein früherer COO von DPD Deutschland intern massive Investitionen gefordert. Zitat der Insiderin:
"Der alte COO hat es erkannt, ist nach Paris gegangen und hat gesagt, er braucht ungefähr 100 Millionen, um die nötigsten Sachen in Deutschland zu machen. Ein paar Monate später war er weg."
RTL-Investigativ-Reporter Alexander Römer fragte nach, ob die Insiderin da einen Zusammenhang sehe. Antwort: "Ja, die Vorgaben [bei DPD] waren Sparen. Und er kommt und sagt, er braucht 100 Millionen und einige Neubauten."
RTL konnte diese Aussagen nicht unabhängig belegen. Dennoch wirkt die Schilderung bemerkenswert, wenn man sie mit den turbulenten Führungswechseln bei DPD Deutschland in den vergangenen Jahren vergleicht.
Häufige Führungswechsel bei DPD Deutschland
DPD Deutschland hatte zuletzt mehrere personelle Umbrüche an der Spitze. Nachdem Langzeit-CEO Boris Winkelmann 2020 zur DPD-Zentrale nach Paris gewechselt war und Ende 2021 überraschend verstarb, übernahm Eric Malitzke die Führung von DPD Deutschland.
Anfang 2023 wechselte dann der damalige COO Björn Scheel auf den CEO-Posten. Scheel verantwortete ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm bei DPD Deutschland, inklusive Stellenabbau und Sparmaßnahmen. Bereits im Mai 2024 kündigte Scheel jedoch überraschend seinen Rückzug an - nach nur rund 17 Monaten als CEO.
Öffentlich sprach Scheel damals von einem "echten Kraftakt" durch die Restrukturierung. Gleichzeitig galt DPD Deutschland innerhalb der Geopost-Gruppe als wirtschaftliches Sorgenkind.
Ob ein Zusammenhang zu den nun von RTL geschilderten Investitionsproblemen besteht, bleibt offen. Die Aussagen der Insiderin lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Dennoch wirft die Reportage die Frage auf, wie stark der Kostendruck bei DPD Deutschland heutzutage noch ist. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete die Konzermutter Geopost ein nicht näher beziffertes Umsatzwachstum bei DPD Deutschland (Paketda berichtete).