Die DHL Group steigt mit einer "signifikanten Minderheitsbeteiligung" beim britischen Paketdienst Evri (ehemals Hermes UK) ein. Das gemeinsame Unternehmen wird jährlich über eine Milliarde Pakete und zusätzlich über eine Milliarde Geschäftsbriefe befördern. Für die DHL Group ist es ein strategischer Schritt in den E-Commerce-Massenmarkt, für Evri ein Aufstieg in Richtung Premium.
Die genaue Höhe der DHL-Beteiligung wurde nicht veröffentlicht. Laut Financial Times bleibt die Mehrheit der Evri-Anteile im Besitz des Finanzinvestors Apollo, der im Juli 2024 rund 2,7 Milliarden Pfund für 75% der Evri-Anteile zahlte. Im Zuge dessen verkaufte die Otto Group ihren bis dato gehaltenen 25%-Anteil an Evri ebenfalls an Apollo.
Zwei Netzwerke unter einem Dach
Zukünftig wird es zwei getrennte Netzwerke unter der Dachmarke Evri geben:
- Evri Standard: Das bestehende Netzwerk für günstige Massenmarkt-Pakete bleibt bestehen.
- Evri Premium - ein Netzwerk von DHL eCommerce: Das frühere DHL-Netzwerk wird unter neuem Namen weitergeführt. Es richtet sich an Privat- und Geschäftskunden mit schnellen, zeitkritischen Lieferungen, erweitertem Versicherungsschutz und Fokus auf hochwertige und größere Sendungen.
Zusätzlich ist der Aufbau des größten Out-of-Home-Netzwerks Großbritanniens mit 15.000 Paketshops und Paketautomaten geplant. Auch UK Mail, die frühere DHL-Tochter für Geschäftspost, wird in das neue Unternehmen integriert. Evri steigt dadurch erstmals in den britischen Briefmarkt ein.
Evri hatte in den vergangenen Jahren mit massiven Imageproblemen zu kämpfen. Auch nach der Umbenennung von Hermes UK in Evri im Jahr 2022 blieben die Zustellbewertungen schwach. Evri belegt im Ranking der Regulierungsbehörde Ofcom weiterhin den letzten Platz unter den britischen Paketdiensten (Paketda berichtete).
Die Beteiligung von DHL an Evri wirkt auf den ersten Blick untypisch. Passt ein Service mit zweifelhaftem Ruf zur Premium-Positionierung der DHL Group? Konzernchef Tobias Meyer bekräftigte erst kürzlich auf der Hauptversammlung, dass trotz Sparmaßnahmen keine Qualitätsabstriche bei DHL akzeptiert würden. Der aktuelle Deal umgeht dieses Dilemma geschickt: Das Image von DHL bleibt unangetastet, während über die Marke Evri neue Marktsegmente erschlossen werden.
Davon profitieren beide Seiten: Evri erhält Zugang zu internationalen Netzwerken, Technologien und Know-how. DHL wiederum sichert sich Reichweite, Volumen und einen Zugang zu neuen Kundengruppen. Gerade im boomenden KMU-Segment verzeichnete Evri im dritten Quartal 2024 ein Volumenwachstum von 85%, über alle Kundengruppen hinweg lag das Wachstum bei 13% gegenüber Vorjahr.
Sofern die Kartellbehörden den Einstieg von DHL bei Evri erlauben, wird Martijn de Lange (CEO von Evri) das Unternehmen führen. Stu Hill, derzeit CEO von DHL eCommerce UK, wird Geschäftsführer von Evri Premium. Die Geschäftsbereiche DHL Express, DHL Supply Chain und DHL Global Forwarding bleiben in Großbritannien unverändert.
Mehr Infos: DHL Pressemitteilung