Anwohner rund um das DHL-Paketzentrum in Bochum klagen seit Jahren über parkende Lastwagen in den umliegenden Straßen. Besonders entlang der Havkenscheider Straße und der Feldmark stehen regelmäßig Lkw, die für den Pakettransport eingesetzt werden. Für Radfahrer und Autofahrer wird die Situation dadurch teilweise unübersichtlich, berichten Anwohner.
Dabei verfügt das 2019 eröffnete DHL-Paketzentrum laut Standortleiter Thomas Riedl über 781 Stellplätze für Lkw und Anhänger. Diese seien jedoch ausschließlich für eigene Fahrzeuge und Trailer vorgesehen. Für zusätzliche Fahrzeuge gebe es auf dem Gelände keinen Platz mehr. Das Zentrum gilt laut Riedl mit rund 480.000 Paketen pro Tag als der größte DHL-Paket-Standort in Deutschland.
Viele der parkenden Lkw gehören laut DHL zu externen Speditionen, die im Auftrag des Konzerns Transporte zwischen Paketzentren durchführen. DHL kauft diese Fahrten ein, organisiert die Linienverkehre jedoch zentral über eine Steuerungsstelle in Hannover. Wo die Fahrer ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten verbringen, liege außerhalb des Einflusses von DHL.
Standortleiter Riedl sagte gegenüber waz.de: "Welche Aufträge die Fahrer im Anschluss haben, wissen wir nicht. Wenn sie Ruhezeiten einhalten müssen, parken die irgendwo."
Kritisch ist daran: Die Transporte sind zwar Teil des DHL-Netzwerks, die praktische Abwicklung liegt aber bei externen Speditionen. Dadurch entsteht eine Lücke zwischen Auftraggeber und tatsächlichem Straßenbild. DHL profitiert von den Fahrten zwischen den Paketzentren, verweist bei den parkenden Lkw aber auf die beauftragten Transportunternehmen.
Das zeigt ein grundsätzliches Problem der Paketlogistik. Paketzentren werden in erster Linie für schnellen Umschlag, kurze Standzeiten und hohe Paketmengen geplant. Flächen für Fahrerpausen, Wartezeiten oder längere Ruhezeiten spielen offenbar eine untergeordnete Rolle. Wenn externe Fahrer nach einer Tour nicht auf dem Betriebsgelände bleiben können, weichen sie zwangsläufig auf öffentliche Straßen aus.
Die Folgen tragen dann nicht nur die Fahrer, sondern auch Anwohner, Radfahrer und Kommunen. Rechtlich sind der Stadt Bochum allerdings Grenzen gesetzt. Nach der Straßenverkehrsordnung dürfen Lkw grundsätzlich am Fahrbahnrand parken, solange keine Gefährdung entsteht und ausreichend Platz für den Verkehr bleibt.
Eine dauerhafte Lösung dürfte deshalb kaum allein durch einzelne Halteverbote entstehen. Nötig wäre vielmehr, dass bei großen Logistikstandorten auch die Abstell- und Pausenflächen für beauftragte Speditionen mitgedacht werden. In Bochum hoffen Politik und Verwaltung nun auf den geplanten Umbau der Havkenscheider Straße im Zuge der künftigen Veloroute. Dann soll das Lkw-Parken in der heutigen Form dort nicht mehr möglich sein.