Ist das Briefporto in Deutschland günstig oder nicht?

Briefporto-Vergleich der Deutschen Post
Einmal jährlich veröffentlicht die Deutsche Post einen Bericht über die Briefpreise in Europa. Der Bericht wird herausgegeben vom "Zentralbereich Politik und Regulierungsmanagement" und verfolgt deshalb wohl das Ziel, Politiker und Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass Deutschland ein verhältnismäßiges günstiges Briefporto hat (Portotabelle hier).

"Deutschland ist nach Malta und der Schweiz das Land mit den erschwinglichsten Briefpreisen", teilte die Post in einer Pressemeldung mit. In dem Bericht (hier als PDF) werden detaillierte Berechnungen angestellt, um das deutsche Briefporto international zu vergleichen. Zum Beispiel inflationsbereinigt, bereinigt um Personalkosten, bereinigt um Kaufkraftunterschiede oder anhand der Minutenzahl, wie lang Europäer für das Porto eines Standardbriefs arbeiten müssen (Griechenland: 9 Minuten, Deutschland: 1,5 Minuten).

Im letzten Schritt fasst die Deutsche Post alle Faktoren zusammen und bildet ein "konsolidiertes Ergebnis" der europaweiten Briefpreise. Die nachfolgende Grafik zeigt, dass Deutschland auf Platz 26 rangiert, zwei Stellen tiefer als im Vorjahr. Die Deutsche Post attestiert sich deshalb für den inländischen Standardbrief "ein sehr günstiges Angebot mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis".

Deutsche Post: Briefporto im europaweiten Vergleich


Als Gegenstück zu den Ergebnissen der Deutschen Post veröffentlichte die Bundesnetzagentur vor wenigen Tagen ebenfalls einen Briefporto-Vergleich. Die Ergebnisse der Behörde befinden sich auf den Seiten 96 und 97 ihres Jahresberichts 2019 (hier als PDF).

Die Bundesnetzagentur kommt zum Ergebnis, dass das Inlandsporto "für den Standard- und Kompaktbrief über dem jeweiligen europäischen Durchschnittswert liegt. Die Produkte Groß- und Maxibrief werden hingegen im Vergleich zum europäischen Durchschnitt deutlich günstiger angeboten (rund 33 Prozent im Vergleich zum Mittelwert)."

Die Bundesnetzagentur hat berücksichtigt, dass in vielen Ländern zwei Geschwindigkeiten für Briefe angeboten werden: Prio mit Zustellung am Folgetag (E+1) und Standard mit undefinierter Lieferzeit (E+X).

Die Deutsche Post hat für ihre Vergleichsrechnungen oft das Prio-Porto als Vergleichswert herangezogen und nicht das preiswertere Standardporto. Beispiele:

  • Frankreich: Standardbrief 0,97 Euro / Priobrief 1,16 Euro
  • Griechenland: Standardbrief 0,90 Euro / Priobrief 1,90 Euro
  • Italien: Standardbrief 1,10 Euro / Priobrief 2,80 Euro
  • Tschechien: Standardbrief: 19 CZK (ca. 0,70 Euro) / Priobrief: 26 CZK (ca. 0,95 Euro)
  • Litauen: Standardbrief 0,46 Euro / Priobrief 0,55 Euro
  • Ungarn: Standardbrief 135 HUF (ca. 0,38 Euro) / Priobrief 185 HUF (ca. 0,52 Euro)
  • Österreich (vor Preiserhöhung): Standardbrief 0,70 Euro / Priobrief 0,80 Euro

In Deutschland kostet ein Standardbrief mit Prio-Zuschlag 1,80 Euro. Diesen Wert hat die Deutsche Post in ihren Vergleichstabellen aber nicht angesetzt sondern nur 0,80 Euro.

Der Portovergleich der Bundesnetzagentur zeigt ein detaillierteres Bild des europäischen Briefportos. Bei der Standard-Geschwindigkeit E+X ist das deutsche Porto teurer als in anderen Ländern. Bei der Prio-Geschwindigkeit E+1 schneidet das deutsche Porto vergleichsweise besser ab.

Bundesnetzagentur: Briefporto im europaweiten Vergleich, Stand 2019

Das deutsche Porto wird krumm dargestellt (z.B. 0,78 Euro), weil es inflationsbereinigt ist.

Die Doppelsternchen-Anmerkung "** ... mit Korrektur DK, IT, ES" hat folgende Bedeutung:

Dänemark, Italien und Spanien haben für die Lieferzeit E+1 ein ungewöhnliches hohes Porto im Vergleich zu anderen Ländern. Außerdem hat die Bundesnetzagentur festgestellt, dass bei den Versandarten "hinsichtlich der Einlieferung bzw. den Zieldestinationen zusätzliche Bedingungen und Einschränkungen bestehen" (z.B. Einlieferung vor 16 Uhr und nur in Metropolen). In Dänemark sind im Porto 25% Umsatzsteuer enthalten, was daraufhin hindeutet, dass die Versandart kein Universaldienstprodukt ist. Aufgrund dieser Besonderheiten wurden die Länder DK, IT, ES herausgerechnet und der **-Mittelwert von 0,74 Euro entstand.

Quelle: Seiten 13 + 14 im Intl. Briefpreisvergleich 2020, www.bundesnetzagentur.de

Abschließend eine weitere Grafik der Bundesnetzagentur. Sie stellt das Briefporto im Vergleich mit dem Verbraucherpreisindex dar. Am Verbraucherpreisindex lässt sich die Teuerung von Waren ablesen, die ein durchschnittlicher deutscher Haushalt einkauft. Die Grafik zeigt, dass das Briefporto bis 2016 mit den Verbraucherpreisen ungefähr gleich stark stieg.

Bis 2018 gab es keine Portoerhöhung, so dass sich der Abstand beider Indizes bis dahin reduzierte. Für 2019 prognostiziert die Bundesnetzagentur jedoch einen Anstieg des Briefbeförderungspreisindex auf 118,6 Punkte, weil es zum 1.7.2019 eine Portoerhöhung gab.

Briefporto im Vergleich zu den Verbraucherpreisen


Nachtrag vom 11.05.2020
Im ausführlichen Briefpreisvergleich 2020 der Bundesnetzagentur (hier als PDF) wird auf Besonderheiten in Dänemark und den Niederlanden hingewiesen.

In beiden Ländern sind die Briefmengen stark gesunken, weil Behörden auf digitale Kommunikation mit den Bürgern umgestellt haben. Bürger sind dort gesetzlich verpflichtet, digitale Post empfangen zu können. Die Systeme sind nicht kostenlos sondern kosten eine Gebühr pro verschickter Nachricht.

Aufgrund der Digitalisierung verzeichnete PostNL (Niederlande) von 2010 bis 2018 einen Mengenrückgang von 55 Prozent. In Dänemark betrug der Rückgang von 2010 bis 2019 bei Nicht-Prio-Sendungen 24,7 Prozent und bei Prio-Sendungen 95,9 Prozent.

Fazit der Bundesnetzagentur: "Die Zustellung von Sendungen am folgenden Werktag verliert mit zunehmender Digitalisierung an Bedeutung."


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