Nach nur rund 1,5 Jahren verschwindet die Paketautomaten-Marke DeinFach wieder vom Markt. Die Deutsche Post hat den österreichischen Konkurrenten Myflexbox übernommen und will beide Netze künftig unter der Marke Myflexbox zusammenführen. Damit zieht DHL einen überraschend schnellen Schlussstrich unter ein Projekt, das von Anfang an mit technischen Problemen, schwachem Ausbautempo und wenigen Zustellpartnern zu kämpfen hatte.
Die Deutsche Post hat am 1. Oktober 2026 überraschend angekündigt, DeinFach und Myflexbox zusammenzuführen. Was in der offiziellen Pressemitteilung eher nach einer Kooperation klingt, ist tatsächlich eine Übernahme: Die Deutsche Post hat Myflexbox vollständig gekauft.
Der Erwerb sei bereits vollzogen, berichtet salzburg24.at unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Verkäufer war der britische Finanzinvestor Star Capital. Im Jahr 2023 hatte Star Capital 75 Millionen Euro in Myflexbox investiert (Quelle).
Laut DHL-Meldung sollen die Paketstationen beider Unternehmen unter der Marke Myflexbox gebündelt werden. Damit ist klar: DeinFach verschwindet. DeinFach-Automaten werden zu Myflexbox umlackiert.
Myflexbox soll künftig massiv wachsen. Bis 2030 sind allein in Deutschland rund 25.000 Myflexbox-Automaten geplant. Zusammen mit DHL-Packstationen und Poststationen möchte die Deutsche Post dann auf etwa 50.000 Paketautomaten kommen.
Noch vor wenigen Monaten sah die Strategie völlig anders aus. DHL plante bislang, Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten gemeinsam auf mehr als 30.000 Standorte bis 2030 auszubauen. Mit der Myflexbox-Übernahme wird dieses Ziel nun deutlich angehoben.
DeinFach hatte einen schwierigen Start
DeinFach startete Anfang 2025 mit dem Argument, dass immer mehr Standortpartner geschlossene Systeme wie DHL-Packstationen ablehnen. Um leichter Aufstellflächen zu finden, gründete DHL das Tochterunternehmen DeinFach mit anbieteroffenen System.
Allerdings wurde außer UPS kein weiterer Kooperationspartner gefunden. Vielleicht hatte es sich DHL in den Jahren zuvor mit den Wettbewerbern Hermes, DPD und GLS zu sehr verscherzt. Denn DHL verweigerte eine Belieferung von deren anbieteroffenem Automatensystem Parcellock.
Außerdem hatte DeinFach offenbar Schwierigkeiten, Standortpartner zu gewinnen. Anfangs wurde das Ziel ausgerufen, bis Ende 2025 ca. 1.000 Automaten zu betreiben. Paketda hatte Mitte Januar 2026 jedoch nur 833 DeinFach-Standorte im offiziellen Standortfinder gezählt. Ausgerechnet Konkurrent Myflexbox meldete wenige Tage zuvor seine tausendste Station in Deutschland und erreichte damit ein zuvor angekündigtes Ausbauziel (mehr dazu).
Paketda-Test mit 43% Fehlschlägen
Gravierend waren auch die technischen und operativen Probleme von DeinFach. Paketda führte im Februar 2026 einen Praxistest mit Sendungen an DeinFach-Stationen durch. Von 28 DHL-Paketen wurden lediglich 16 korrekt an die vorgesehene DeinFach-Station zugestellt. 12 Sendungen scheiterten (43%).
Pakete wurden beispielsweise an Filialen oder andere Automaten umgeleitet oder sogar direkt an den Absender zurückgeschickt. Teilweise dauerten Zustellungen mehr als eine Woche.
DeinFach bezeichnete die Ergebnisse damals gegenüber Paketda selbst als "nicht zufriedenstellend". Als mögliche Ursachen nannte das Unternehmen unter anderem Defekte einzelner Automaten, technische Anpassungen und Probleme mit der System-Performance sowie fehlende Vertrautheit von Zustellern mit neu aufgestellten Automaten.
Bemerkenswert ist außerdem ein Beitrag im internen DHL-Mitarbeitermagazin (Ausgabe 2/2026). Darin wurde DeinFach-Geschäftsführer Lukas Beckedorff mit ungewöhnlich offenen Worten zitiert: "Wir sind sehr schnell mit einem Produkt an den Markt gegangen, das noch nicht final ausgereift war."
Unter anderem habe es laut Beckedorff Abweichungen zwischen den Daten im System und dem tatsächlichen Zustand der Automaten gegeben. Dadurch hätten sich Fächer teilweise für Zusteller nicht öffnen lassen. Diese Probleme seien inzwischen behoben worden. Der Magazinbeitrag vermittelte den Eindruck, dass DHL weiterhin an DeinFach festhält und das System technisch verbessern möchte.
Nur wenige Wochen später folgt nun die deutlich radikalere Lösung: Die Marke DeinFach wird aufgegeben und in Myflexbox überführt.
Liefert DHL künftig an Myflexbox?
Die wichtigste praktische Frage beantwortet DHL in seiner Pressemitteilung allerdings nicht. Können DHL-Pakete künftig auch an Myflexbox-Stationen geliefert werden? Bislang war das nicht möglich, weil sich DHL wie gesagt allen anbieteroffenen Systemen fremder Anbieter verweigert (zumindest auf dem deutschen Markt).
Das wird sich künftig höchstwahrscheinlich ändern. Denn DHL bezeichnet die rund 25.000 geplanten Myflexbox-Automaten ausdrücklich als Teil seines eigenen Automatennetzes. Gleichzeitig gehört Myflexbox nun selbst zum DHL-Konzern. Es wäre nur logisch, wenn DHL künftig auch in Deutschland an Myflexbox-Stationen liefert.
Strategisch verfolgt DHL mit der Übernahme wohl das Ziel, einen möglichst großen Teil der Paketzustellung von der Haustürzustellung in Richtung Paketshops und Automaten zu verlagern. Noch 2025 nannte DHL für Packstationen, Poststationen und DeinFach zusammen ein Ziel von rund 30.000 Automaten bis 2030. Jetzt sollen es rund 50.000 Automaten werden.
Ein schneller Schlussstrich
Für DeinFach endet ein ungewöhnlich kurzes Kapitel. Das Unternehmen startete Anfang 2025 mit großen Ambitionen, kämpfte anschließend mit technischen Problemen, verfehlte zunächst sein Ausbauziel und konnte außer UPS keine weiteren Paketdienste außerhalb der DHL-Group gewinnen.
Dass DHL so schnell reagiert und DeinFach abschaltet, ist dennoch positiv. Kein Vergleich mit früheren Zeiten unter Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes, als DHL etliche Fehlschlag-Projekte viel zu lang am Leben hielt. Statt über Jahre das DeinFach-Automatennetz weiter auszubauen, übernimmt der Konzern mit Myflexbox einen Anbieter, der bereits über ein großes Partnernetz und Erfahrung mit offenen Paketautomaten verfügt - wenngleich auch bei Myflexbox technisch nicht alles rund läuft.