Die Deutsche Post darf ab sofort in Eigenregie Ideen für neue Briefmarken entwickeln, die Marken drucken und verkaufen. Bis 2023 war das verboten, weil das Finanzministerium über die Gestaltung jedes Sonderpostwertzeichens wachte.
Grundsätzlich ändert sich daran nichts. Das Bundesministerium der Finanzen entscheidet weiterhin über die Briefmarken mit Aufdruck "Deutschland". Neu hinzugekommen sind jedoch Sondereditionen mit dem Aufdruck "Deutsche Post" statt Deutschland. Die Motive für solche Marken darf die Post eigenverantwortlich festlegen und verkaufen.
Dennoch gelten gewisse Grenzen. Für die ab sofort erhältlichen Roland-Kaiser-Briefmarken (deutschepost.de/kaiser) musste die Deutsche Post darauf verzichten, sein Gesicht direkt auf den Marken abzubilden. Denn in Deutschland dürfen auf offiziellen Briefmarken keine lebenden Personen abgebildet werden. Ausnahmen gibt es nur für den Bundespräsidenten und den Papst.
Großer Nachteil: Die neuen Sondereditions-Marken werden mit 95 Cent Preisaufschlag verkauft. 4 Briefmarken á 100 Cent kosten nicht wie üblich 4 Euro, sondern 4,95 Euro. Und 10 Briefmarken á 85 Cent kosten nicht 8,50 Euro, sondern 9,45 Euro.
Was hat es mit dem Lizenzvertrag auf sich?
Früher durfte die Deutsche Post nicht selbst entscheiden, welche Themen und Motive auf Briefmarken abgebildet werden. Herausgeber der Marken war gemäß § 43 Postgesetz allein das Bundesministerium der Finanzen. Dort wachen ein Programmbeirat und Kunstbeirat darüber, wie deutsche Briefmarken aussehen.
Das Ministerium hat mit der Deutschen Post einen Lizenzvertrag abgeschlossen. Darin ist geregelt, dass die Deutsche Post Briefmarken mit dem Aufdruck "Deutschland" herstellen und verkaufen darf.
Der Lizenzvertrag lief Ende 2023 aus. Im Oktober 2022 berichtete die Zeitschrift "Briefmarkenspiegel" unter Berufung auf das Finanzministerium, dass eine europaweite Ausschreibung gestartet wurde. Diese Ausschreibung hat offensichtlich die Deutsche Post AG gewonnen, weil es kein anderes Unternehmen gibt, das "Deutschland"-Briefmarken verkauft. Auch private Briefdienste dürfen das nicht.
Briefmarken-Gestaltung kostet jährlich ca. 1 Million Euro
Die Süddeutsche Zeitung berichtete im September 2022, dass "jährlich rund eine Million Euro für Gestaltung und Motivauswahlprozess" von Briefmarken ausgegeben werden. Die Kosten entstehen im Finanzministerium und nicht bei der Deutschen Post, weil das Ministerium das Aussehen der Briefmarken vorgibt. Die Deutsche Post darf die Marken anschließend drucken lassen und verkaufen.
Zu den 1 Million Euro kommen noch Personalkosten der Abteilung "LB5 Postwertzeichen" des Finanzministeriums hinzu. Dort sind laut SZ acht Leute beschäftigt. Die Höhe der Personalkosten ist unbekannt.
Im Zeitungsbericht wird außerdem erwähnt, dass jährlich "beträchtliche Restbestände" ungenutzter Briefmarken vernichtet werden.
Darf die Deutsche Post bald verrückte Briefmarken verkaufen?
So berichtete Paketda 2022
Briefmarken aus Porzellan, aus Klopapier, FFP2-Maskenmaterial oder alter Postler-Bekleidung: derlei Kuriositäten verkauft die Österreichische Post seit Jahren mit Erfolg. Originelle Marken sorgen für Aufmerksamkeit in der Presse, animieren Menschen zum Briefeschreiben und erzielen teilweise hohe Wiederverkaufspreise unter Sammlern (Paketda berichtete).
Möglich ist dies nur, weil das österreichische Bundesministerium für Finanzen darauf verzichtet hat, der Österreichischen Post Vorgaben für Briefmarken zu machen. Anders als in Deutschland darf die Österreichische Post selbst entscheiden, welche Briefmarken sie verkaufen möchte.
Das deutsche Finanzministerium ist für besonders strenge Vorgaben bekannt. Die Deutsche Post konnte nicht mal eine Sondermarke zur Ukraine-Hilfe herausgeben, wie es zahlreiche andere Postgesellschaften nach Kriegsausbruch getan haben. Das Planungsverfahren für deutsche Briefmarken ist für solche Aktionen zu kompliziert und langwierig.