PostNL will die Zustellung an Paketautomaten und Paketshops deutlich ausbauen und stärker mit dem Bestellprozess in Onlineshops verzahnen. Bis 2031 soll das Netz von aktuell ca. 1.800 auf rund 7.500 Paketautomaten wachsen - also eine Vervierfachung. Langfristig soll nahezu jeder Einwohner der Niederlande innerhalb von etwa sieben Minuten einen PostNL-Automaten erreichen können.
Zum Ausbau der Out-of-Home-Strategie gehört auch die Integration von Lieferoptionen direkt in den Bestellprozess von Onlineshops. Kunden sollen dort möglichst einfach entscheiden können, ob sie ihr Paket nach Hause, an einen Automaten oder an einen Paketshop liefern lassen.
Gerade diese Einbindung in den Checkout dürfte jedoch eine der schwierigeren Aufgaben werden. Bereits 2025 hatte PostNL vorgeschlagen, Onlineshops stärker in die Steuerung von Paketmengen einzubeziehen und beispielsweise alternative Liefertage oder einen "Keine-Eile"-Button anzubieten (siehe unten).
Solche Funktionen lassen sich jedoch nicht allein von PostNL umsetzen. Onlineshops müssen ihre Bestellprozesse entsprechend anpassen, Schnittstellen anbinden oder zumindest geeignete Plugins installieren. Das verursacht Entwicklungs- und Wartungsaufwand. Gleichzeitig liegt der unmittelbare Nutzen vor allem bei PostNL und bei Endkunden. Für Händler ist der Anreiz auf den ersten Blick geringer.
PostNL muss deshalb nicht nur die technische Infrastruktur bereitstellen, sondern Onlinehändler davon überzeugen, die zusätzlichen Lieferoptionen tatsächlich in ihre Checkouts einzubauen. Es bleibt abzuwarten, wie gut das gelingt.
Quelle: PostNL
PostNL: Zu viele Pakete am Dienstag
So berichtete Paketda im Juli 2025
Die niederländische Post (PostNL) leidet unter dem typischen Onlineshopping-Verhalten von Verbrauchern: Bestellt wird am Wochenende, und die Lieferungen erfolgen meist am Dienstag. Das Paketvolumen sei an manchen Dienstagen doppelt so hoch wie an anderen Wochentagen. Diese Peakbelastung sorgt laut PostNL für Effizienzeinbußen, weil dienstags Straßen und Städte verstopft sind, "die Menschen außer Haus und der Personaldruck am höchsten" sind.
Stephan van den Eijnden, E-Commerce-Direktor bei PostNL, will deshalb die Gewohnheiten der Niederländer "aufbrechen" und schlägt die Einführung einer Best-Day-Lieferung vor. Kunden sollen sich einen Wochentag aussuchen, an dem sie ihre Pakete empfangen möchten. Dazu van den Eijnden:
"Denken Sie an Homeoffice-Tage oder Zeiten, in denen die Menschen häufiger zu Hause sind, wie Mittwoch oder Freitag. Oder an einen PostNL-Paketshop oder eine Paketstation in der Nähe Ihrer Arbeit oder Schule. Indem wir das Bestellverhalten entsprechend anpassen, können wir effizienter und kundenorientierter arbeiten."
Eine weitere Idee ist ein Keine-Eile-Button, den Verkäufer in ihre Onlineshops integrieren könnten. Klickt ein Kunde auf diese Schaltfläche, gibt er PostNL damit die Erlaubnis für eine langsamere Lieferung. Amazon bietet den "Versand ohne Eile" in Deutschland zu Spitzenzeiten wie Prime Days an. Kunden erhalten 1% Rabatt, wenn sie die Ware nicht sofort benötigen.
Ein anderer Vorschlag von PostNL ist, dass Onlineshops generell längere Lieferzeiten ausweisen und "morgen geliefert" nicht mehr als Standard angeboten werde. Laut PostNL hätten fast die Hälfte der Kunden Verständnis für eine langsamere Lieferung, wenn man ihnen die Hintergründe der Maßnahme erkläre.
Die Finanzlage von PostNL ist sehr angespannt (Paketda berichtete). Das Unternehmen wünscht sich deshalb, dass Onlineshops, Verkaufsplattformen, Fulfillment-Dienstleister und Paketdienste "gemeinsam Verantwortung" übernehmen, um ein zukunftssicheres E-Commerce-Modell für die Niederlande zu entwickeln. Anderenfalls bestünde die Gefahr, dass PostNL notwendige Investitionen nicht mehr tätigen könne.
Quelle: www.postnl.nl