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PostNL in Schwierigkeiten: Klage gegen Regierung

© Foto: PostNL
Pim Berendsen, CEO von PostNL

In den Niederlanden wird am 29. Oktober ein neues Parlament gewählt. Während der Wahlkampf an Fahrt aufnimmt, läuft hinter den Kulissen ein riskantes Spiel: Der nationale Postbetreiber PostNL steht wirtschaftlich am Abgrund, kommt nur mit einem 100-Mio-Euro-Kredit über die Runden, doch die Politik meidet das Thema. Die Angst vor unpopulären Maßnahmen wie langsamerer Zustellung, Portoerhöhungen oder Subventionen für ein Privatunternehmen ist offenbar größer als der Wille zur Problemlösung.

PostNL erbringt in den Niederlanden den sogenannten Universaldienst, also die flächendeckende Versorgung mit Briefen und Paketen. Dabei muss das Unternehmen gesetzlich vorgeschriebene Leistungen erfüllen, erwirtschaftet jedoch Verluste. Ein Antrag auf staatliche Zuschüsse in Höhe von 30 Millionen Euro (für 2025) und 38 Millionen Euro (für 2026) wurde kürzlich vom Wirtschaftsministerium abgelehnt. PostNL hat dagegen Einspruch eingelegt und eine einstweilige Verfügung beantragt inkl. Forderung einer Vorauszahlung.

Zwar schlägt der niederländische Wirtschaftsminister vor, die gesetzlich vorgeschriebene Brieflaufzeit ab 2026 auf zwei Tage und ab 2029 auf drei Tage zu strecken. Doch laut PostNL reicht das nicht aus, um den Dienst wirtschaftlich tragfähig zu machen. Auch die angestrebte Laufzeittreue von 95% sei zu hoch; das Unternehmen fordert eine Zielmarke von 90%.

PostNL-Chef Pim Berendsen kritisiert die Politik deutlich: "Von uns wird verlangt, ein Netz aufrechtzuerhalten, das nicht mehr zur heutigen Nutzung passt. Das ist untragbar." Von seinem Unternehmen könne nicht erwartet werden, weiterhin einen verlustreichen öffentlichen Dienst zu erbringen. Berendsen befürchtet, dass der Wahlkampf notwendige Entscheidungen blockiert. Offenbar will keine Partei riskieren, durch unpopuläre Vorschläge an Zustimmung zu verlieren.

Klarheit über die Zukunft des Universaldienstes in den Niederlanden dürfte es erst nach der Wahl geben. Dann muss die neue Regierung entscheiden, welchen Weg sie gehen will: Entweder weiterhin eine hohe Qualität im Briefdienst, dann aber mit finanzieller Unterstützung. Oder eine Absenkung der gesetzlichen Vorgaben, damit PostNL wirtschaftlich überleben kann.

Fahrzeug von PostNL


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Schwierige Finanzlage: PostNL nimmt Kredit über 100 Mio. Euro auf

So berichtete Paketda am 20.06.2025

Die niederländische Post PostNL kämpft mit rückläufigen Briefmengen und hohen Kosten. Jüngste Maßnahmen wie geänderte Briefkastenleerungen, ein Staatskreditgesuch sowie die Aufnahme eines 100-Millionen-Euro-Darlehens zeigen, wie angespannt die Lage ist.

Im Februar 2025 beantragte PostNL beim Wirtschaftsministerium einen Zuschuss in Höhe von 68 Millionen Euro zur Erbringung des Universaldienstes. Grundlage war der gesetzlich verankerte Anspruch auf Ausgleich, falls die Erbringung der Universaldienste zu einer unverhältnismäßigen, hohen Belastung führt.

Doch das Ministerium lehnte ab. Wirtschaftsminister Beljaarts erklärte die Anfrage für "verfrüht" und "wenig konstruktiv", wenngleich er Verständnis für den Wunsch von PostNL nach Staatshilfen zeigte (Quelle).

PostNL verweist auf strukturelle Verluste durch die tägliche Zustellpflicht, den Betrieb von über 10.000 Briefkästen sowie kostenlose Sonderleistungen wie Blindenpost.

Im März 2025 folgte eine weitere schlechte Nachricht: Die Ratingagentur S&P Global senkte das Kreditrating von PostNL auf BBB-. Gründe waren unterdurchschnittliche Geschäftszahlen, sinkende Rentabilität und keine absehbare Erholung im Brief- oder Paketgeschäft (Quelle).

Zwar ist eine Verbesserung des EBITDA zu erwarten, aber nur durch Sparmaßnahmen, Preiserhöhungen und Wachstum bei günstigen Chinapaketen. Die finanzielle Lage bleibt angespannt: Das Verhältnis von Mittelzufluss zu Schulden dürfte dauerhaft unter dem früheren Rating-Niveau bleiben.

Um kurzfristig liquide zu bleiben, gab PostNL am 19. Juni 2025 ein Schuldscheindarlehen über 100 Millionen Euro bekannt (Quelle). Die Laufzeit beträgt drei bis fünf Jahre, mit festen und variablen Zinssätzen. Die Mittel sollen zur Refinanzierung und allgemeinen Unternehmenszwecken dienen.

Beteiligt am Deal waren ABN AMRO, BayernLB und BNP Paribas. Die Maßnahme stabilisiert die Kapitalstruktur vorerst, ist jedoch kein Ersatz für strukturelle Reformen im Geschäftsmodell.

Bereits im Februar 2025 hatte PostNL eine drastische operative Maßnahme ergriffen: Rund 75% der Briefkästen werden seither tagsüber geleert statt nach 17 Uhr. Nur an stark frequentierten Standorten wie Bahnhöfen oder Einkaufszentren bleibt es bei der späteren Leerung (Quelle).

Ohne Reform des niederländischen Postgesetzes bleibt die Lage für PostNL schwierig. Denn auch in den Niederlanden sinken die Briefmengen von Jahr zu Jahr. Zum 1.1.2025 wurde die Lieferzeit für Geschäftspost von 1 auf 2 Tage verlängert. Doch eine generelle Verlängerung der Lieferzeiten für sämtliche Briefpost auf 2 bis 3 Tage, wie von PostNL gewünscht, wurde vom Parlament abgelehnt.

Chart: Google
Aktienkurs von PostNL (88 Cent am 20.06.2025)


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