Warum Amazon-Kuriere manchmal keine Unterschrift verlangen


In Berlin, München und im Ruhrgebiet werden Amazon-Bestellungen schon seit längerer Zeit von "Amazon Logistics" ausgeliefert. Unter dieser Marke sind selbstständige Kurierunternehmen unterwegs, die den etablierten Paketdiensten wie DHL, DPD und Hermes Marktanteile wegschnappen. Mit den selbstständigen Kurieren kann Amazon die Transportkosten senken und obendrein flexiblere Services anbieten wie z.B. eine Lieferung am selben Abend sowie Lebensmittel-Lieferungen mit Amazon fresh.

Seit Anfang September sind Amazon-Kuriere auch in Hamburg unterwegs. Die Hansestadt war bislang ein weißer Fleck, weil Amazon keinen verkehrsgünstigen Standort für sein Verteilzentrum gefunden hat. Die Kuriere holen sich die Pakete am Amazon-Verteilzentrum ab und fahren sie zu den jeweiligen Empfängern oder zu den Amazon-Abholstationen (Locker).

Dem Amazon-Kunden Thorsten Boersma aus Hamburg (Beruf: E-Commerce-Stratege) fiel bei seiner ersten Lieferung von Amazon-Logistics auf, dass der Kurier keine Unterschrift verlangte. Boersma sprach den Kurier an, warum er das Paket ohne Unterschrift aushändigt. Daraufhin soll der Kurier sinngemäß geantwortet haben: "Ich sehe, dass ich Ihnen das Paket so übergeben kann. Es ist keine Unterschrift notwendig."

Diesen Vorfall kommentierte Boersma kürzlich im Blog excitingcommerce.de. Daraufhin mutmaßte Claus Fahlbusch (Beruf: Versandsoftware-Unternehmer), dass Amazon den Kurieren signalisieren würde, nur bei wertvollen Paketen eine Unterschrift vom Empfänger zu verlangen. Bei geringwertigen Paketen spart Amazon diesen Arbeitsschritt wohl ein. "Wenn das Paket weg ist, wird es einfach noch mal geschickt", so Fahlbusch.

Die Erläuterungen klingen schlüssig und nachvollziehbar. Einen tatsächlichen Beweis gibt es jedoch nicht, dass Amazon die Erfordernis einer Empfängerunterschrift vom Warenwert abhängig macht. Sollte sich das System bewahrheiten, würde das sicherlich Betrüger anlocken, die bei Amazon Waren unterhalb der Unterschrifts-Grenze bestellen und dann eine Nichtlieferung reklamieren.

Wer als unbescholtener Kunde mehrfach verlorene Lieferungen reklamiert, weil der Amazon-Kurier die Pakete zum Beispiel irgendwo in Nachbarschaft abwirft, könnte mit Pech sogar unter Betrugsverdacht geraten. Der Amazon-Kundenservice müsste dann zu Gunsten einer Partei entscheiden: täuscht der Kunde verlorene Lieferungen vor, oder täuscht der Kurier korrekte Ablieferungen vor?

Deshalb bleibt abzuwarten, ob Amazon den Verzicht auf Empfängerunterschriften bei geringwertigen Produkten dauerhaft beibehält.

Quelle: excitingcommerce.de


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