Luftpost betroffen: Warnstreik am Airmailcenter Frankfurt

Airmailcenter am Flughafen Frankfurt Das Airmailcenter am Frankfurter Flughafen. Im Hintergrund: Internationales Postzentrum (IPZ)

Die Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Airmail Center Frankfurt GmbH sind festgefahren. Mitte Februar endete die Friedenspflicht. Am 11. März gab es den ersten Warnstreik. Andreas Jung, Verhandlungsführer bei Verdi:

"Wenn wir in diesem Tempo weitermachen ist ein konstruktiver Abschluss am Sankt Nimmerleinstag zu erwarten. Wir verhandeln zwar mit der Geschäftsführung, aber im Hintergrund stehen immer die drei großen Gesellschafter, die scheinbar für internen Lohndumping den tariflosen Zustand bei der Airmail Center Frankfurt halten wollen."

Das Airmail-Center am Frankfurter Flughafen wird von Lufthansa Cargo, Fraport und Deutscher Post DHL betrieben. Das Gebäude ist über ein Förderband mit dem benachbarten Internationalen Postzentrum (IPZ) verbunden. Das Airmailcenter ist das Bindeglied zu den Fluggesellschaften. Laut airmail-center.de werden täglich Postsendungen "von rund 90 Airlines (...) an 300 direkte Ziele in aller Welt" verteilt. Das Luftpostaufkommen beträgt ca. 400 Tonnen pro Tag.

Driton Dobraj, Verdi-Gewerkschaftssekretär, erklärt den Warnstreik so: "Wir wollen nur ein Signal setzen, die Zeit des Hinhaltens der Belegschaft ist vorbei, es müssen verbindliche Regelungen her, ein weiteres Warten ist nicht mehr hinnehmbar." Verdi fordert einen einen Entgelt- und Manteltarifvertrag für die Beschäftigten des Airmailcenters.

Nach Einschätzung von Paketda ist ein eintägiger Warnstreik verschmerzbar. Weil internationale Sendungen sowieso nicht schnell befördert werden, wird die streikbedingte Verzögerung den Kunden nicht auffallen.

Betroffen sind in erster Linie außereuropäische Sendungen, die Deutschland per Luftfracht verlassen bzw. erreichen. Innereuropäische Pakete und Briefe, die auf dem Landweg befördert werden, dürften schwächer oder gar nicht betroffen sein, weil sie oftmals nicht über Frankfurt abgewickelt werden sondern über andere Brief- und Paketzentren.


So berichtete Paketda im Februar 2021

Seit 2020 finden Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und der Airmail Center Frankfurt GmbH statt. Ziel der Gewerkschaft ist es, für die rund 200 Beschäftigten des Airmailcenters einen Tariflohn auszuhandeln. Im Dezember 2020 erklärte Verhandlungsführer Andreas Jung:

"Weder bei der Problematik Entgelt noch bei den allgemeinen Arbeitsbedingungen kamen wir einen Schritt weiter, im Gegenteil. Aus unserem Blickwinkel zeigt die Arbeitgeberseite kein Interesse, die Arbeitsbedingungen in einem Tarifvertrag zu harmonisieren und transparent zu gestalten, sondern verschleppt trotz vereinbarter Verhandlungsrunden die Diskussion um echte Inhalte."

Am 15.02.2021 ist die sogenannte Friedenspflicht abgelaufen. Die Gewerkschaft könnte ab sofort zu Warnstreiks aufrufen. Diese neue Situation hat bei der Airmail Center Frankfurt GmbH offenbar Verhandlungsbereitschaft bewirkt. In einer Presseinfo vom 18.02.2021 (hier als PDF) teilt Andreas Jung von Verdi mit, dass es "erste Annäherungen" gebe:

"Bei den Regelungen zu Zeitzuschlägen, Urlaubsanspruch und Jahressonderzahlung (Weihnachtsgeld) sind wir uns nähergekommen. Die materiellen Vorstellungen liegen aber noch weit auseinander.

Während die vorigen Verhandlungen zäh, kompromiss- und ziellos und ohne greifbare Ergebnisse abliefen, war die Atmosphäre zur Erzielung von Ergebnissen in dieser Verhandlungsrunde spürbar verbessert, wenn auch noch nicht optimal.

Solange wir den Eindruck haben, dass nicht nur auf Zeit gespielt, sondern - mit unterschiedlichen Positionen - um Lösungen und Ergebnisse gerungen wird, sehen wir keinen Grund, zur Arbeitsniederlegung aufzurufen."


So berichtete Paketda im Januar 2021:

Streikgefahr bedroht Luftpost

Zurzeit sind die festgefahren Tarifverhandlungen zwischen Airmailcenter und Verdi unterbrochen. In einer Pressemitteilung (PDF) der Gewerkschaft heißt es, man erwarte vom Arbeitgeber "endlich einen klar positionierten Gegen- oder Alternativentwurf zum ver.di-Tarifvertragsentwurf".

Für den 9. Dezember 2020 war eigentlich eine Verhandlungsrunde über den Urlaubsanspruch geplant, doch laut Verdi habe der Arbeitgeber nur eine E-Mail geschickt. "Inhaltliche Gespräche wurden abgeblockt, der Arbeitgeber war auch weiter nicht bereit, das Thema für 2021 zu tarifieren", so Andreas Jung. "Wenn es am Verhandlungstisch kein Weiterkommen gibt, wird der Druck auf der Straße stärker aufgebaut werden, erste Warnstreiks ab Februar bei Airmail Center Frankfurt sind nach jetzigem Stand kaum zu vermeiden."

Verantwortliche des Airmailcenters wollten sich auf Anfrage nicht zur Streikgefahr äußern.


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