Risiken einer Abstellerlaubnis

Abgestellte Pakete können leicht geklaut werden


Inhaltsverzeichnis

  1. Ist eine Abstellerlaubnis sicher?
  2. Wer haftet für Schäden?
  3. Müssen Paketdienste das Ablegen nachweisen?
  4. Unberechtigt abgestellten Paketen widersprechen
  5. Zusteller klauten abgestellte Pakete anderer Paketdienste
  6. Polizei warnt vor neuer Diebstahlmasche
  7. Oberbayer klaute in Nachbarschaft 630 abgestellte Sendungen
  8. US-Studie zum Diebstahl abgestellter Pakete
  9. Fragen von Nutzern


Ist eine Abstellerlaubnis sicher?

Erlauben Sie einem Paketdienst, Sendungen am Wunschort abzustellen, geht das Verlust- und Diebstahlrisiko auf Sie als Empfänger/in über. Ist das Paket am Abstellort nicht auffindbar, bleiben Sie auf dem Schaden sitzen. Es sei denn, Sie können beweisen, dass der Zusteller das Paket gar nicht am vereinbarten Ort abgestellt hat (z.B. durch Videoüberwachung).

Wir bei Paketda empfehlen, eine Abstellerlaubnis nur zu erteilen, wenn Sie einen sichtgeschützten Abstellort haben, der von vorbeikommenden Passanten nicht einsehbar ist. Außerdem sollten Sie Ihre/n Paketzusteller/in kennen und als vertrauenswürdig einstufen. In seltenen Fällen kam es bereits vor, dass Pakete als abgestellt eingebucht wurden, obwohl das gar nicht zutraf.

Als Empfänger hat man es extrem schwer, für den Verlust eines abgestellten Pakets jemanden haftbar zu machen. Die meisten Kunden müssen den Schaden selbst tragen. Auch der Absender (Onlineshop o.ä.) ist nicht haftbar, sofern Sie als Empfänger/in die Abstellerlaubnis erteilt haben.

► Eine andere Situation liegt vor, falls ein Paket ohne Ihre Einwilligung abgestellt wurde - also eigenmächtig durch den Zusteller. In diesem Fall können Sie den Paketdienst haftbar machen. Den Verkäufer können Sie haftbar machen, sofern Sie als Privatperson bei einem deutschen Onlineshop eingekauft haben. Dann besteht gesetzlicher Verbraucherschutz.

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Wer haftet für Schäden?

Liegt eine Abstellerlaubnis vor, muss der Empfänger die Schuld des Paketdienstes beweisen, um Schadenersatz für ein beschädigtes oder verschwundenes Paket zu bekommen.

Liegt keine Abstellerlaubnis vor, und kommt das Paket von einem Onlineshop, reklamiert der Kunde am besten beim Shop. Das ist einfacher als eine Reklamation beim Paketdienst. Deutsche Onlineshops tragen nämlich das Transportrisiko und haften gegenüber Privatkunden für Fehler des Paketdienstes. Bei Onlineshops außerhalb der EU besteht dieser gesetzliche Verbraucherschutz nicht.

Liegt keine Abstellerlaubnis vor, und kommt das Paket von einer Privatperson (z.B. eBay-Verkauf), ist eine Reklamation schwieriger, weil der Empfänger das Transportrisiko trägt. Der Empfänger muss dann direkt vom Paketdienst Schadenersatz fordern. Dafür braucht man Durchhaltevermögen. Gegebenenfalls die Schlichtungsstelle bei der Bundesnetzagentur einschalten.

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Müssen Paketdienste das Ablegen nachweisen?

Paketdienste müssen nicht nachweisen, dass ein Paket abgestellt wurde, sofern eine Abstellerlaubnis vorliegt. Das ist tückisch für Empfänger, weil die Beweispflicht im Schaden- und Verlustfall bei ihnen liegt.

Sie als Kunde müssen beweisen, dass ein Paket entweder nicht am Abstellort abgestellt wurde, oder am falschen Abstellort, oder dass es im beschädigten Zustand abgestellt wurde. Nach Einschätzung von Paketda ist es ohne Videoüberwachung am Abstellort kaum möglich, diesen Beweis zu erbringen.

Von Amazon ist bekannt, dass Zusteller abgestellte Pakete fotografieren (siehe Screenshot unten). Und DPD speichert die Geo-Koordinaten des Zustellorts. Gegen böswillige Zusteller hilft das jedoch nicht. Sie könnten ein Paket am Abstellort platzieren, fotografieren und anschließend wieder mitnehmen. Ein Risiko sind auch nachfolgende Zusteller: Sie stellen ihr Paket korrekt ab, nehmen aber andere Pakete mit, die sie am Abstellort finden.

Abgestelltes Amazon-Paket mit Fotobeweis

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Unberechtigt abgestellten Paketen widersprechen

Werden bei Ihnen unerlaubt Pakete vor der Haustür, Wohnungstür oder im Hausflur abgestellt? Dann empfiehlt Paketda, jeden Einzelfall beim Paketdienst zu melden, damit für den Zusteller kein Gewohnheitsrecht entsteht. Kontaktdaten hier.

Sollte mal ein abgestelltes Paket verschwunden sein, kann man als Kunde auf die vorherigen Reklamationen verweisen und damit das Fehlverhalten des Zustellers belegen. Reklamieren Sie am besten schriftlich und nicht telefonisch, weil das besser nachweisbar ist.

Noch ein Tipp: Zusteller stellen Pakete häufig notgedrungen ab, weil der Empfänger nicht zu Hause ist und Nachbarn nicht die Tür öffnen. Ist man tagsüber abwesend, sollte man sich gar keine Pakete nach Hause bestellen. Durch eine Lieferung bzw. Paketumleitung zum Paketshop kann man den Ärger mit unerlaubt abgestellten Paketen von vornherein vermeiden.

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Zusteller klauten abgestellte Pakete anderer Paketdienste

In Konstanz wurden im Februar 2021 drei Mitarbeiter eines Paketdienstes festgenommen. Es handelt sich um zwei Zusteller und eine Disponentin. Die Bande soll gezielt Pakete aus Wohnhäusern und Gärten gestohlen haben, die andere Paketdienste dort abgestellt hatten. Die Disponentin gilt laut Polizeimeldung als Anstifterin.

Weil die beiden Zusteller in Arbeitskleidung unterwegs waren, fielen ihre Diebstähle monatelang niemandem auf. Seit Oktober 2020 sind in Konstanz regelmäßig Pakete verschwunden.

Am 2. Februar 2021 flog alles auf. An diesem Tag beobachtete jemand im Peter-Rosegger-Weg in Konstanz, wie ein Zusteller ein Paket mitnahm. Die daraufhin verständigte Polizei kontrollierte den Zusteller und fand das gestohlene Paket (plus weitere) in seinem Fahrzeug.

Daraufhin folgte eine Wohnungsdurchsuchung sowie eine Durchsuchung der Firmenräume in Bayern, wo die Disponentin arbeitete. Der ertappte Zusteller kam in Haft, die beiden anderen Beschuldigten wurden nicht inhaftiert.

Quelle: Pressemeldung der Polizei

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Polizei warnt vor neuer Diebstahlmasche

Dass abgestellte Pakete gelegentlich geklaut werden, ist mittlerweile bekannt. Doch jetzt gibt es eine neue Masche, vor der die Polizei Lüneburg warnt.

Kriminelle bestellen absichtlich Pakete an die Adressen fremder Personen, die über eine Abstellgenehmigung verfügen. Sobald die Lieferung beim Empfänger eintrifft und abgestellt wird, entwendet der Täter das Paket. Das ahnungslose Betrugsopfer bemerkt von alldem nichts und bekommt irgendwann eine Rechnung für die angeblich gelieferte Ware.

Diese Masche ereignete sich bereits mehrmals im Landkreis Uelzen. Aufgeflogen ist sie, weil einige Personen zu Hause waren und die Pakete nicht abgestellt wurden. Die Menschen wunderten sich über Pakete, die sie gar nicht bestellt hatten. Laut Polizei handelt es sich um eine seit März 2021 andauernde Serie mit mehr als einem Dutzend Fällen.

Quelle: Pressemeldung Polizei

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Oberbayer klaute in Nachbarschaft 630 abgestellte Sendungen

Ein 50-jähriger Mann aus Pöcking (Landkreis Starnberg) hat in seiner Region 630 Brief- und Paketsendungen geklaut, die er in Vorgärten und an anderen Abstellorten vorfand. Der Mann nutzte dabei seine Tätigkeit als Zeitungszusteller, um auf fremden Grundstücken nach abgestellten Sendungen Ausschau zu halten. Viele der Sendungen wurden von der Polizei originalverschlossen sichergestellt und jetzt den Kunden ausgehändigt.

► Der Diebstahl flog nur auf, weil ein 36-Jähriger zufällig im Flur seines Vermieters (des Täters) ein Paket entdeckte, das er schon lange Zeit vermisste. Die ganze Geschichte gibt es bei der Süddeutschen Zeitung zum Nachlesen.

Gegenüber der Zeitung erklärte ein Pressesprecher, dass DHL keine Auffälligkeiten festgestellt habe. In diesem Fall ist DHL auch kein Vorwurf zu machen. Der Dieb war kein Postmitarbeiter und die Empfänger hatten wahrscheinlich eine Abstellerlaubnis erteilt. Paketda empfiehlt deshalb, mit Abstellgenehmigungen vorsichtig zu sein. Der Abstellort muss blickgeschützt sein. Missachtet ein Zusteller den Abstellort, sollte die Genehmigung widerrufen werden.

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US-Studie zum Diebstahl abgestellter Pakete

Ein Team um den US-Wissenschaftler Dr. Ben Stickle hat anhand von 67 Youtube-Videos den Diebstahl abgestellter Pakete untersucht. Es wurden Aufnahmen von Türkameras ausgewertet, die in den USA sehr verbreitet sind. Die Untersuchung ist nicht repräsentativ ("a little bit biased"), zeigt aber die unterschiedlichen Herangehensweisen von Paketdieben.

Es gibt Gelegenheitsdiebe und Täter, die geplant vorgehen. Ein Profi-Dieb trug sogar die Uniform eines Paketdienstes und hatte Dummy-Pakete dabei. Damit ging er zum Haus des Opfers, so dass Nachbarn annehmen würden, es fände eine Lieferung statt. Tatsächlich schnappte sich der uniformierte Täter aber ein abgestelltes Paket von der Veranda und verschwand damit.

► Die Mehrheit der Paketdiebe sind laut Dr. Stickle Gelegenheitsdiebe. Beispielsweise Passanten oder Schulkinder, die an einem Grundstück vorbeikommen, zufällig ein abgestelltes Paket entdecken und es mitnehmen. Am häufigsten werden mittelgroße Pakete gestohlen (48%), gefolgt von kleinen Paketen (40%). Auf 46% der geklauten Pakete war ein Logo / Markenname aufgedruckt. Je kürzer der Weg von der Straße zum abgestellten Paket, desto höher die Diebstahlwahrscheinlichkeit.

Als Maßnahme gegen Paketdiebe schlägt Dr. Stickle vor, einen von der Straße aus uneinsehbaren Abstellort zu wählen. Es genüge schon, Pakete beispielsweise hinter einem Gegenstand zu verstecken. Am besten sind natürlich Paketkästen oder Paketsäcke. Sie sind zwar auch knackbar, aber mit höherem Zeitaufwand und somit einem höheren Entdeckungsrisiko für die Diebe.

Quellen: www.thepostalhub.com | www.benstickle.com | www.tandfonline.com

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