Seit 2022 ist ein DHL-Postschiff auf der Spree unterwegs, jetzt plant das Unternehmen eine zweite Route im Südosten der Hauptstadt. Noch im Jahr 2026 soll ein weiteres Solarschiff Pakete zwischen Köpenick und dem Osthafen transportieren.
Das Projekt knüpft an den bestehenden Wassertransport zwischen dem Südhafen Spandau und dem Westhafen an. Dort fährt seit Oktober 2022 täglich ein solarbetriebenes DHL-Boot und beliefert Packstationen entlang der Route. DHL zufolge wurden bereits mehr als 300.000 Pakete transportiert.
Laut DHL wird das neue Schiff deutlich größer sein als das bisher eingesetzte Boot. Dadurch könnten künftig mehr Pakete pro Fahrt transportiert werden. Laut Berliner Morgenpost gibt es zurzeit offenbar Schwierigkeiten mit der Genehmigung von Packstationen in Uferbereichen, weil solche öffentlichen Grünanlagen nicht gewerblichen Zwecken dienen sollen.
Details zum ersten Berliner DHL-Postschiff
Das Boot ist 10,50 Meter lang, 2,50 Meter breit und fährt bis zu 12 km/h. Scheint gerade keine Sonne, kommt der Antriebsstrom aus Batteriespeichern. Mit Sonne ist die Fahrtdauer unbegrenzt, ohne Sonne kann das Schiff sechs bis acht Stunden fahren.
Die bis zu 250 Pakete werden jeden Morgen vom Paketzentrum Börnicke angeliefert. Der Transport auf dem Wasserweg vom Südhafen bis zum Westhafen dauert laut DHL ca. 1 Stunde und 40 Minuten. Mit dem Auto würde die Strecke laut Google Maps ca. 30 Minuten dauern. In der Rushhour ein paar Minuten länger.
Ein Hindernis ist das Verladen der Pakete aufs Schiff, weil an der Kaimauer ein Niveauunterschied von 2 Metern überbrückt werden muss. Die Zeitung BZ schreibt, dass der Be- bzw. Entladevorgang jeweils 25 Minuten Zeit kostet.
Sven Goerke, Niederlassungsleiter bei der Deutschen Post, skizzierte in einem Radiointerview folgende Zukunftsvision:
"Wir können uns vorstellen, an den Wasserweg 50, 60 Packstationen zu stellen. Auf diesen Weg zu versorgen. Dass es letztendlich dann auch effizient wird."
Im Mai 2023 berichtete deutschlandfunknova.de über das DHL-Solarboot in Berlin. Ein DHL-Manager sagte, dass das Projekt auch einen PR-Effekt für DHL habe.
DHL will auch Wasserwege in Hamburg nutzen
So berichtete Paketda im August 2023
Bei Linkedin kündigte DHL-Freight-Manager Holger Schneemann den Start eines DHL-Schiffs in Hamburg an. Schneemann ist zudem Vorstandsmitglied der Logistik-Initiative Hamburg e.V.
Laut floatmagazin.de unter Berufung auf DHL, werde das Projekt in Hamburg "aber erst in einigen Jahren anlaufen".
Im Februar 2022 sagte Stefan Eckelmann, Chef der Deutsche-Post-Niederlassung in Hamburg, dass eine Wasserstraße vom Industriegebiet Billbrook im Südosten Hamburgs bis in die Hamburger City genutzt werden soll. Dafür muss ein Zugang vom Paketzentrum zum Wasser geschaffen werden. Ebenso wie in Berlin soll in Hamburg ein Schiff mit E-Antrieb zum Einsatz kommen.
Dass DHL die Schiffsprojekte ausweitet, kommt überraschend. Eigentlich hatte der Konzern angekündigt, hart aufs Sparpedal zu drücken und Investitionen in den Klimaschutz zurückzufahren. Im Oktober 2022 sagte Sven Goerke, Leiter der Berliner DHL Niederlassung, dass sich der Transport auf dem Wasser noch nicht rechnet (Quelle: Tagesspiegel).
Machbarkeitsstudie benennt Schwierigkeiten
Das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen (FCML) hat eine Machbarkeitsstudie erstellt, um den wirtschaftlichen Betrieb eines Paketschiffs (Water Cargo Barge / WaCaBa) zu untersuchen (Quelle: hamburg.de).
Das Fazit der Studie ist durchwachsen. Die Wissenschaftler bemängeln, dass die Liefergeschwindigkeit auf dem Wasserweg durch "die Schleusenöffnungszeiten und die geringe Reisegeschwindigkeit der WaCaBa" kaum schneller sei als die eines im Stau befindlichen LKW.
DHL-Niederlassungsleiter Eckelmann: "In Venedig oder London gibt es ja schon kleine DHL-Boote, die Lieferungen an zentrale Stellen in der Stadt bringen. (...) Wir müssen aber auch ehrlich sein und uns überlegen, wie so etwas überhaupt wirtschaftlich rentabel umgesetzt werden könnte."
Die Machbarkeitsstudie geht davon aus, dass für den wirtschaftlichen Betrieb der WaCaBa eine Fahrt für ca. 1.000 Euro verkauft werden muss bei 460 Fahrten im Jahr. Die von FCML befragten Paketdienste GLS, DPD, UPS und Hermes äußerten sich zurückhaltend, so dass von lediglich 230 Fahrten im Jahr ausgegangen wird, was nicht wettbewerbsfähig im Vergleich zu LKW wäre.
Ein Manko ist auch die schlechte Volumeneffizienz des Lastschiffs. Großvolumige Pakete nehmen zu viel Platz weg. Aufgrund der niedrigen Brücken im Hamburger Stadtgebiet ist die Ladehöhe auf 2,5 Meter begrenzt. Fazit der Machbarkeitsstudie: "Insgesamt wird durch die Analyse deutlich, dass die WaCaBa insbesondere bei dem in dieser Studie favorisierten Szenario, der Anbindung von Billbrook mit seinen KEP-Dienstleistern und der Hamburger Innenstadt, deutlich weniger LKW ersetzen kann, als wenn sie z.B. mit einem Massengut (z.B. Kaffee, Baumaterialien) fahren würde."
Einen Vorteil könnte das Schiff hingegen in der Innenstadt ausspielen, weil dort Lagerflächen knapp sind. Die WaCaBa könnte eventuell als "schwimmendes Mikrodepot" eingesetzt werden. In den Paketzentren könnten Wechselcontainer vorgepackt werden, die anschließend in der City vom Schiff auf Lastenräder verladen werden.
Weitere Informationen: fraunhofer.de | hamburg-logistik.net | abendblatt.de | dpdhl.com
Im April 2022 gab UPS bekannt, im Hafen von New York den Transport von LKW-Trailern auf einer Barge zu testen.
