Dieser Artikel ist nicht mehr aktuell. UPS Deutschland hat Empfängergebühren nach ca. 1 Woche kommentarlos wieder abgeschaltet. Dass kurzzeitig Gebühren kassiert wurden, war entweder ein Markttest oder ein technischer Fehler.
UPS verlangt in Deutschland erstmals Gebühren direkt von Empfängern für bestimmte Wunschzustellungen. Wer das Lieferdatum oder die Zustelladresse ändern möchte, muss 4,17 Euro pro Paket bezahlen. Damit geht UPS einen Schritt, den sich andere Paketdienste in Deutschland nicht trauen: Empfänger zur Kasse zu bitten.
Kostenpflichtig sind jetzt folgende UPS-MyChoice-Serviceoptionen:
- Änderung des Lieferdatums
- Änderung der Zustelladresse
In der UPS-App werden zunächst 3,50 Euro Gebühren angezeigt. Hinzu kommt aber die gesetzliche Umsatzsteuer, sodass sich ein Endpreis von 4,17 Euro ergibt. Die Gebühr wird nur dann belastet, wenn UPS die gewünschte Änderung tatsächlich umsetzt. Wird beispielsweise ein gebuchter Wunschtag irrtümlich missachtet, erfolgt keine Abbuchung.
Kostenlos bleiben weiterhin folgende Zustelloptionen:
- Zustellung an einen Nachbarn
- Abstellerlaubnis erteilen
- Pakete an einen UPS Access Point (Paketshop oder Paketstation) umleiten
Aus Verbrauchersicht wirkt die Gebühr eher abschreckend und dürfte die Nachfrage nach Wunschzustellungen spürbar senken. Die Folge wären mehr erfolglose Zustellversuche, die für UPS zusätzliche Kosten verursachen. Damit stellt sich die Frage, ob die Strategie wirtschaftlich aufgeht. Es ist denkbar, dass die Folgekosten durch vergebliche Zustellfahrten die zusätzlichen Einnahmen übersteigen.
Möglicherweise wurden die Empfängergebühren vom UPS-Management in den USA für den deutschen Markt "verordnet", ohne lokale Gegebenheiten zu berücksichtigen. In der Vergangenheit haben andere Paketdienste nämlich keine guten Erfahrungen damit gemacht, von Empfängern Geld zu kassieren.
- DHL bot 2011 einen SMS-Service für die Lieferung am Wunschtag an. Der Preis lag bei 1,49 Euro.
- DPD kündigte 2017 eine kostenpflichtige Zeitfensterzustellung für 2,50 Euro an, setzte diese jedoch nie um.
- Auch GLS hatte kostenpflichtige Optionen zeitweise in den AGB vorgesehen, führte sie aber nicht ein.
Der hohe Einstiegspreis von 4,17 Euro könnte ein Indiz dafür sein, dass UPS zunächst die Zahlungsbereitschaft testet. Vielleicht werden die Gebühren alle 1-2 Monate schrittweise gesenkt, um den optimalen Preispunkt zu finden. Aufgrund der hohen Preissensibilität deutscher Kunden könnte sich jedoch herausstellen, dass Empfängergebühren in Deutschland kaum durchsetzbar sind.