Sendungsverfolgung Menü

Schweizerische Post: Für 13 verlorene Briefe kommt nur ein Paket dazu

© Schweizerische Post
Filiale der Schweizerischen Post

Die Schweizerische Post hat im Geschäftsjahr 2025 ein Betriebsergebnis in Höhe von 332 Millionen Franken erzielt; es liegt damit 82 Millionen Franken unter dem Vorjahr. Hintergrund sind vor allem strukturelle Veränderungen: Die Briefmengen sinken weiter, während das Paketgeschäft zwar wächst, aber deutlich geringere Margen erzielt.

Im Paketgeschäft verzeichnete die Post erstmals seit drei Jahren wieder ein Wachstum. Insgesamt transportierte sie 186,6 Millionen Pakete, das ist ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Trotz steigender Sendungszahlen kann das Paketgeschäft die Verluste im Briefmarkt wirtschaftlich kaum ausgleichen. CEO Pascal Grieder verdeutlichte die Dimension des Strukturwandels mit einem einfachen Vergleich: "Für 13 Briefe, die wir verlieren, kommt ein Paket dazu."

Zwar wachsen die Paketmengen im Zuge des Onlinehandels, doch die Margen sind deutlich niedriger als im traditionellen Briefgeschäft. Denn Briefe sind einfacher handzuhaben und verursachen weniger Sortier- und Zustellkosten als Pakete. Dementsprechend reicht das Paketwachstum nicht aus, um die sinkenden Erlöse bei Briefen zu kompensieren

© Schweizerische Post
Pascal Grieder, CEO der Schweizerischen Post

Jährlich 85 Millionen Franken weniger Umsatz

Der strukturelle Rückgang im Briefgeschäft belastet die Bilanz zunehmend. 2025 sank die Briefmenge um 4,2 Prozent auf 1,49 Milliarden Sendungen. Gleichzeitig bleiben die Kosten für das Zustellnetz weitgehend konstant.

"Wir verlieren jedes Jahr 85 Millionen Franken Umsatz bei gleichbleibenden Fixkosten", erklärte Grieder. Diese Entwicklung lasse sich eine Zeit lang kompensieren, doch langfristig werde der Druck größer. "Man kann das einmal gut kompensieren, man kann es zweimal gut kompensieren - aber jedes Jahr wird es schwieriger."



Anzeige


Briefmonopol verliert an Bedeutung

Auch das verbliebene Briefmonopol bis 50 Gramm trägt immer weniger zur Finanzierung der Grundversorgung bei. Sein wirtschaftlicher Wert lag 2025 bei rund 60 Millionen Franken. Die Nettokosten der Grundversorgung betragen dagegen etwa 364 Millionen Franken.

Die Post muss daher zunehmend Gewinne aus anderen Geschäftsfeldern nutzen, um die flächendeckende Versorgung mit Postdiensten zu finanzieren.

Gleichzeitig steht das Geschäftsmodell der Post auch politisch zur Diskussion. Laut Geschäftsbericht wird derzeit darüber beraten, den Tätigkeitsbereich des Unternehmens stärker zu begrenzen und strengere Regeln gegen Quersubventionierung einzuführen.

Die Post warnt vor solchen Eingriffen und erklärt: "Es wird derzeit politisch auch darüber diskutiert, den Tätigkeitsbereich der Post einseitig einzuschränken und das Verbot von Quersubventionen zu verschärfen. Die Post lehnt solche isolierten Massnahmen ab. Sie würden das über Jahre austarierte Modell der Grundversorgung und deren Finanzierung über unternehmerisches Handeln stark gefährden."



Anzeige


Preiserhöhungen möglich

Um den finanziellen Druck abzufedern, werde die Post "auch an den Preisen schrauben müssen", sagte Pascal Grieder bei der Präsentation der Jahreszahlen. Der Finanzvorstand weiter: "Kaufkraftbereinigt haben wir zurzeit den billigsten Brief in Europa."

Gleichzeitig kündigte das Management an, die Unternehmensstrategie stärker zu fokussieren. Neue Geschäftsfelder sollen erschlossen werden, sofern sie klare Synergien mit dem Kerngeschäft haben. Außerdem müsse das Unternehmen seine Strukturen verschlanken: "Wir tun aktuell zu viele verschiedene Dinge und haben zu wenig Zeit für das Wesentliche." Grieder erklärte auf Nachfrage, dass ein Stellenabbau nicht in der Zustellung geplant sei, sondern in der Verwaltung. Hier stünde man aber noch am Anfang der Planungen.

Die Schweizerische Post steht damit vor einer Herausforderung, die viele Postunternehmen in Europa betrifft: Während die Briefpost kontinuierlich schrumpft, wächst das Paketgeschäft zwar, doch seine Margen sind deutlich niedriger. Der E-Commerce-Boom kann den wirtschaftlichen Rückgang der klassischen Briefpost bislang nicht ausgleichen.


  Zuletzt aktualisiert am   |   Autor:
Anzeige

Paketda folgen bei: