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Merkwürdige Machenschaften usbekischer und russischer Post in Deutschland

© Screenshot BILD
Usbekische Sendungsnummer auf RusPost-Zollformular

Aktuelle Recherchen von BILD decken auf, dass Postpakete offenbar mittels eines "Etikettenschwindels" von Deutschland nach Russland gelangen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die usbekische Post, die ihre Sendungsnummern zur Verfügung stellt und mit einer Logistikfirma in Schönefeld kooperiert. Die vollständige BILD-Recherche ist auf YouTube abrufbar.

Im Rahmen einer Undercover-Recherche verschickte eine Reporterin insgesamt fünf Testpakete von Berlin nach Moskau und Sankt Petersburg. Die Einlieferung erfolgte in russischen Supermärkten in Berlin. Interessant dabei: Die Kunden mussten dort weiterhin Zollinhaltserklärungen von RusPost ausfüllen (die deutsche Niederlassung der russischen Post). Auf den Paketen selbst klebte jedoch ein Label mit einer usbekischen Sendungsnummer, wie etwa CT314165008UZ.

Mittels versteckter GPS-Tracker konnte der Weg der Sendungen nachverfolgt werden: Die Route führte von Berlin über Polen und Belarus direkt nach Russland. Usbekistan wurde zu keinem Zeitpunkt berührt. Die Testpakete enthielten zudem elektronische Bauteile, die aufgrund aktueller EU-Sanktionen einem Exportverbot unterliegen. Dennoch passierten alle Sendungen die EU-Außengrenze, ohne vom Zoll entdeckt und gestoppt zu werden.

Hintergrund zu den Testpaketen: Laut BILD wurden die elektronischen Bauteile vor dem Versand unbrauchbar gemacht. Dennoch stellt bereits der Versand der GPS-Tracker einen Verstoß dar. Geräte zur Funknavigation (Zolltarifnummer 852691) unterliegen einem Exportverbot nach Russland (Quelle: PDF).

Wenige Stunden nach Veröffentlichung der BILD-Recherchen wurden alle Inhalte auf der Website von RusPost gelöscht (ruspost.eu).



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Usbekisches Geister-Postamt in Berlin?

Nach den Regeln des Weltpostvereins (UPU) dürfen Postgesellschaften in einem fremden Land nur dann Briefe und Pakete mit eigenen Labels einsammeln, wenn sie dort ein sogenanntes ETOE (Extra-Territorial Office of Exchange) registriert haben. Voraussetzung hierfür ist die Genehmigung des Gastgeberlandes.

Ein Blick in das offizielle UPU-Verzeichnis mit Stand Dezember 2025 zeigt: Die usbekische Post betreibt nur zwei registrierte ETOEs in den USA (JFK Airport) und in den Niederlanden (Amsterdam). In Deutschland existiert kein ETOE der usbekischen Post. Auf Anfrage von BILD sagte die Bundesnetzagentur, dass der Fall aktuell überprüft werde.

Laut Einblendung im Video von BILD werden die Pakete über das Unternehmen Logistics Solution in Schönefeld abgewickelt. Dazu passt, dass die Sendungsverfolgung mit usbekischer Sendungsnummer auf deren Website funktioniert. Die Geschäftsführerin erklärte gegenüber BILD, dass sie Verträge mit der usbekischen Post habe und sie dachte, dass alles genehmigt sei. Schriftlich erklärte sie außerdem, dass Pakete mit verbotenen Inhalten nicht transportiert werden, man jedoch vor Falschdeklarationen, wie BILD sie bei den Testpaketen vornahm, nicht gefeit sei.



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Hintergrund: RusPost in Deutschland unter Druck

Im Januar 2025 berichtete Paketda bereits über den "Wirtschaftskrimi" rund um die RusPost GmbH, die deutsche Tochter der russischen Staatspost. Die RusPost GmbH geriet 2024 ins Visier der Generalzolldirektion (Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung). Der Vorwurf lautete: Die Firma habe keine wirksamen Kontrollen implementiert, um den Versand sanktionierter Güter nach Russland zu verhindern. In 62 Fällen klagte die Staatsanwaltschaft Berlin den damaligen Geschäftsführer wegen Sanktionsverstößen an. Es ging u.a. um Luxusgüter und Elektronikbauteile.

Das Verwaltungsgericht Köln bestätigte in einem Beschluss, dass rund 37 Millionen Euro auf den Konten der RusPost GmbH eingefroren bleiben. Bei Durchsuchungen in der Buckower Chaussee fanden Ermittler außerdem 300.000 Euro Bargeld in Blech- und Keksdosen sowie 875 Silbermünzen in einem Schrank der IT-Abteilung. Das Gericht sah darin eine konkrete Gefahr, dass diese Werte illegal nach Russland geschleust werden sollten.

Vermutung: Weil die RusPost GmbH durch eingefrorene Konten und behördliche Überwachung gelähmt ist, wurde ein neuer Weg gefunden, um weiterhin Pakete von Deutschland nach Russland zu transportieren. Durch Zwischenschaltung der usbekischen Post konnte das System mutmaßlich weiterlaufen wie bisher. Die BILD-Recherchen wecken den Verdacht, dass der ehemalige RusPost-Deutschlandchef im Hintergrund weiterhin die Fäden zieht, weil sein Fahrzeug mehrmals bei "Logistics Solution" in Schönefeld geparkt hat. Bewiesen ist eine Verstrickung jedoch nicht. Offiziell wird das Unternehmen von einer anderen Person geführt.


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