Ein Bericht der Zeitung op-online.de liefert interessante Einblicke in die Regeln der Deutschen Post für Partnerstandorte. Demnach kündigte die Deutsche Post einer langjährigen Partnerfiliale im hessischen Rodgau-Jügesheim den Vertrag, weil im selben Geschäft auch Paketshops von GLS und UPS betrieben wurden.
Besonders bemerkenswert: Ein Postsprecher bestätigte gegenüber der Zeitung ausdrücklich, dass man bei Filialen "selbstverständlich Exklusivität" anstrebe (Quelle). Damit wird erstmals klarer zwischen einem einfachen DHL-Paketshop und einer vollwertigen Postfiliale unterschieden.
Bei Paketda meldeten sich in den vergangenen Jahren mehrfach Leser, die beobachtet hatten, dass DHL plötzlich aus sogenannten Multi-Paketshops verschwand. Gemeint sind Geschäfte, die gleichzeitig mehrere Paketdienste wie DHL, Hermes, DPD, GLS oder UPS anbieten.
Bislang waren die Regeln unklar, wann DHL eine Partnerschaft aufkündigt. Der aktuelle Fall deutet nun darauf hin, dass einfache DHL-Paketshops weiterhin parallel mit Konkurrenzdiensten betrieben werden dürfen, während bei Postfilialen Exklusivität verlangt wird. Dafür sprechen auch Beobachtungen aus der Praxis: In manchen Geschäften laufen Kombinationen aus DHL, Hermes, GLS und UPS problemlos nebeneinander (siehe Foto oben).
Hintergrund dürfte das Partner-Modell der Deutschen Post sein. Neue Ladengeschäfte starten typischerweise zunächst als DHL-Paketshop mit Paketannahme und Paketausgabe. Wer sich bewährt, kann später zu einer vollwertigen Postfiliale hochgestuft werden. Nach Paketda-Beobachtungen dauert das meist mindestens zwei Jahre.
Mit der Hochstufung erweitert sich das Leistungsspektrum einer vollwertigen Postfiliale deutlich: Briefe, Einschreiben, Postident, internationale Expresssendungen, Briefmarkenverkauf oder Postfächer gehören dann ebenfalls dazu.
Im Fall aus Jügesheim zeigen ältere Filialfotos bei Google allerdings, dass der Standort offenbar schon seit mehreren Jahren als vollwertige Postfiliale inklusive Postfächern betrieben wurde. Umso bemerkenswerter ist, dass die Deutsche Post erst jetzt einschritt und laut Zeitungsbericht per Abmahnung verlangte, die Konkurrenz-Paketshops aufzugeben.
Die Betreiberfamilie lehnte dies jedoch ab und erklärte gegenüber der Zeitung selbstbewusst: "Wir haben vor der Post gelebt und wir werden auch nach der Post leben."
Diese Entscheidung überrascht durchaus. Denn Deutsche Post und DHL dürften dem Geschäft aufgrund ihres hohen Marktanteils einen erheblichen Teil der Laufkundschaft sowie entsprechende Provisionseinnahmen gebracht haben. Ob GLS und UPS diesen Wegfall kompensieren können, bleibt fraglich.