Bei der Deutschen Post stehen die nächsten Tarifverhandlungen bevor. Wie die Gewerkschaft Verdi ankündigt, endet am 1. Januar 2027 die Friedenspflicht. Ab dann sind Streiks möglich, die zu Verzögerungen bei Briefen und DHL-Paketen führen könnten.
Zur Vorbereitung der Tarifrunde startet Verdi am heutigen 26. Oktober 2026 eine Mitgliederbefragung. Beschäftigte können dabei ihre Erwartungen an die kommende Lohnforderung einbringen. Über die konkrete Forderung entscheidet eine Tarifkommission am 4. Dezember 2026.
Verdi spricht von "weiterhin niedrigen Einkommen" bei der Deutschen Post. Die Gewerkschaft will die Inflation ausgleichen und erreichen, dass die Beschäftigten am allgemeinen Einkommensfortschritt in Deutschland teilhaben.
Neben höheren Löhnen steht auch die Arbeitsplatzsicherheit auf der Tagesordnung. Der bisherige Ausschluss betriebsbedingter Beendigungs- und Änderungskündigungen endet am 31. März 2027. Verdi kündigt an, spätestens ab dem 1. April über eine Fortsetzung dieser Schutzregelungen zu verhandeln.
Erste Warnstreiks ab Ende Januar denkbar
Das Ende der Friedenspflicht bedeutet nicht, dass sofort ab Anfang Januar gestreikt wird. Zunächst stehen einige Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und DHL an. Der Rückblick auf die letzten beiden Tarifrunden zeigt allerdings, dass erste Warnstreiks schon nach wenigen Wochen möglich sind.
2025 begannen die Verhandlungen am 8. Januar. Nachdem auch die zweite Verhandlungsrunde keine Annäherung gebracht hatte, rief Verdi für den 28. Januar zu ersten Warnstreiks auf. Zwischen Verhandlungsbeginn und Streik lagen somit nur 20 Tage.
2023 ging es noch schneller: Nach dem Verhandlungsauftakt am 6. Januar folgten bereits am 19. Januar erste Arbeitsniederlegungen in Brief- und Paketzentren. Auch damals hatte die zweite Verhandlungsrunde keine Annäherung gebracht.
Nach Paketda-Einschätzung sind deshalb auch 2027 erste Warnstreiks gegen Ende Januar denkbar, sofern die Verhandlungen ähnlich verlaufen. Das ist aktuell jedoch nur Spekulation. Wie sich die Tarifrunde entwickelt und ob es tatsächlich zu Streiks kommt, bleibt abzuwarten.
DHL hat Notfallpläne für Streiks in der Schublade
So berichtete Paketda im Februar 2023
Thomas Ogilvie, Post-Personalvorstand, erklärte in einem Interview mit der Berliner Morgenpost im Hinblick auf drohende Streiks:
"Wir haben Notfallpläne vorbereitet, damit die Beeinträchtigungen für die Kunden so gering wie möglich ausfallen. Es gibt Bereiche, in denen wir mit Drittkräften arbeiten könnten. Bisher haben wir bis Ende Juni die Fremdvergabe der Briefzustellung vertraglich ausgeschlossen. Das steht jetzt auf dem Prüfstand. Für die kommenden Wochen haben wir alle Pläne in der Schublade."
Zuvor zeigte sich Ogilvie verärgert darüber, dass Verdi ein Tarifangebot von DHL abgelehnt hatte. Ogilvie wörtlich:
"Ver.di hat eine historische Chance verspielt, die Zukunft der Deutschen Post in Deutschland zu sichern. Wir sind mit diesem Angebot an die Grenze des finanziell Machbaren gegangen, um besonders diejenigen unserer Beschäftigten zu unterstützen, die am stärksten die Herausforderungen der letzten Monate gespürt haben.
Nach intensiven und bislang konstruktiven Verhandlungen ist es nicht nachvollziehbar, dass die Gewerkschaft die Zukunft des Brief- und Paketgeschäftes und damit auch viele Arbeitsplätze aufs Spiel setzt. Jetzt ist ver.di am Zug, diese Entwicklung noch zu stoppen."