Penpal: Deutsches Unternehmen erfindet kommerzielles Postcrossing


Das in Berlin gegründete Unternehmen MyPostcard ist eigenen Angaben zufolge deutscher Marktführer unter den Postkarten-Versand-Apps. Mit dem Ableger Penpal.me versucht MyPostcard nun, den Verkauf von Postkarten anzukurbeln.

Auf Penpal.me können sich Nutzer registrieren, um weltweit Postkarten zu verschicken und zu empfangen. Genau wie das Vorbild Postcrossing.com ist Penpal.me nur auf Englisch verfügbar.

Alle über Penpal.me versandten Postkarten werden von MyPostcard gedruckt und abgeschickt. Nutzer müssen dafür 1,95 Dollar bezahlen und können optional einen Briefumschlag für 1 Dollar oder XL-Postkarten für 3 Dollar hinzubuchen.


Im Kern handelt es sich also um ein kommerzialisiertes Postcrossing. Nutzer können die Zahlungspflicht nicht umgehen, weil ihnen die Empfängeranschrift nicht angezeigt wird. Teilnehmer sehen online zwar eine Kartenvorschau, aber die genaue Zieladresse bleibt verborgen. Wer bei Postcrossing.com um den Datenschutz besorgt ist, der findet diese Funktion von Penpal.me sicher gut.


Negativ ist, dass keine handgeschriebenen Postkarten möglich sind. Auch Verzierungen wie z.B. Sticker oder Stempel, die einige Postcrossing-Teilnehmer gern nutzen, sind bei Penpal logischerweise nicht möglich. Außerdem fehlen die landestypischen Briefmarken.

MyPostcard produziert die Postkarten nämlich an verschiedenen Standorten weltweit. Ausgewählt wird jeweils der Standort, der sich am nächsten zur Zieladresse befindet. Deutsche Nutzer erhalten immer in Berlin hergestellte Postkarten, auch wenn der Absender z.B. aus China oder Brasilien kommt. Ausländische Briefmarken bekommt man deshalb nicht zu sehen. MyPostcard verfügt über folgende Druckstandorte:

  • Berlin (Deutschland)
  • New York (USA)
  • Melbourne (Australien)
  • Guernsey (Großbritannien)

Der Preis von 1,95 Dollar pro Penpal-Karte ist im Vergleich zu Postcrossing etwas teuer. Wer bei Postcrossing mitmacht, bezahlt als deutscher Nutzer 95 Cent Porto plus den Kaufpreis der Postkarte (im günstigen Fall ca. 50 Cent).

In anderen Ländern kann der Preisvergleich hingegen zu Gunsten von Penpal.me ausfallen. In den USA kostet eine internationale Postkarte beispielsweise 1,30 Dollar Porto, in Schweden ca. 1,60 Euro und in Dänemark sogar 4,80 Euro.

Wer sich bei Penpal.me neu anmeldet (Google-Nutzerkonto erforderlich), erhält 3 Dollar Startguthaben.


Erster Nachtrag: Im Blog von Mypostcard wurde ein Beitrag zum Thema "Postcrossing Vs PenPal" veröffentlicht. Der Beitrag ist angeblich vom 5. Januar 2018. Sehr dubios, denn 2018 gab es PenPal.me noch nicht. Laut Internetarchiv startete PenPal.me Ende 2020. In 2018 stand die Domain für 4500 Dollar zum Verkauf.

Zweiter Nachtrag: Auf der nachfolgenden Grafik sieht man, wie Penpal die Reise einer Postkarte vortäuscht. In Wirklichkeit wurde diese Postkarte nicht innerhalb eines Tages von Australien nach Deutschland transportiert, sondern sie wurde in Deutschland hergestellt und mit der Deutschen Post verschickt.


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