DHL und DB Cargo erweitern ihr gemeinsames Parcel-Intercity-Netz. Seit Mai 2026 sind zwölf zusätzliche Zugfahrten pro Woche hinzugekommen. Damit werden die Nord-Süd-Verkehre zwischen Hamburg, Nürnberg und Kornwestheim gestärkt. Parcel-Intercity-Züge können mit bis zu 140 km/h fahren; einer für Güterzüge vergleichsweise hohen Geschwindigkeit.
Die wichtigste Änderung betrifft die bisherige Übernacht-Verbindung Hamburg - Kornwestheim. Diese wird in ihrer bisherigen Funktion durch die Relation Hamburg - Nürnberg ersetzt. Nürnberg ist damit wieder direkt über Nacht an Hamburg angebunden. Für Pakete auf dieser Strecke bleibt eine schnelle E+1-Laufzeit vorgesehen: Die Sendungen werden am Versandtag verladen, nachts per Bahn transportiert, anschließend sortiert und sollen am nächsten Werktag zugestellt werden.
Die Verbindung Hamburg - Kornwestheim wird seit dem 4. Mai 2026 als sogenannter ergänzender Neuverkehr weitergeführt. Seitdem fahren auf dieser Relation je Richtung fünf Züge pro Woche, jeweils von Dienstag bis Samstag. Ab dem 6. Juni 2026 kommen auch Wochenendverkehre hinzu. Dann sollen sechs Züge je Richtung und Woche unterwegs sein, also von Dienstag bis Sonntag.
Allerdings wird Hamburg - Kornwestheim künftig nicht mehr als E+1-Verkehr, sondern als E+2-Verkehr geführt. Das bedeutet: Die Zustellung erfolgt am übernächsten Werktag nach Versand. DHL und DB Cargo begründen diese längere Laufzeit laut Mitteilung mit "infrastrukturellen Rahmenbedingungen". Der Bahntransport soll stabiler und besser planbar werden, auch wenn er auf dieser Verbindung einen Tag länger dauert.
Ein praktischer Vorteil des Schienentransports ist der Wochenendverkehr. Während LKW an Sonn- und Feiertagen einem Fahrverbot unterliegen, gilt das für Güterzüge nicht. DHL und DB Cargo schreiben, dass durch die zusätzlichen Wochenendverkehre mehr Kapazität für den Hauptlauf von Paketen und weiteren Speditionsgütern entsteht.
Mehrere Paketda-Leser, die DHL-Bahntransport-Pakete regelmäßig mit GPS-Trackern beobachten, berichten allerdings, dass Sendungen trotz gebuchter Bahnoption häufig per LKW befördert werden. Das ist laut DHL auch nicht ausgeschlossen: In der Onlinefrankierung wird darauf hingewiesen, dass bei Auswahl der Bahntransport-Option kein Schienentransport garantiert wird. Das Paket werde lediglich "nach Möglichkeit" per Bahn statt per Lkw transportiert.
Als Briefe mit 200 km/h durch Deutschland fuhren
Der "Post Intercity" war vom 2. Juni 1980 bis zum 31. Mai 1997 nachts auf dem deutschen Schienennetz unterwegs. Die Züge beförderten Briefe und andere Postsendungen mit bis zu 200 km/h. Ein Teil der Sendungen wurde während der Fahrt von Postmitarbeitern sortiert. Strecken und Halte orientierten sich ungefähr am damaligen Intercity-Netz.
Mit der Einführung des weitgehend automatisierten Briefkonzepts "Brief 2000" und der Konzentration auf 83 Briefzentren beendete die Deutsche Post die klassische Bahnpost. Seitdem werden Briefe innerhalb Deutschlands hauptsächlich auf der Straße transportiert. Eine Rückkehr des Post Intercity ist nicht geplant, sagte eine DHL-Sprecherin gegenüber der Zeitschrift DBZ (Ausgabe vom 26.04.2024).
Nach dem Post Intercity gab es später den "Parcel Intercity". Dieses Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Post und DB Cargo startete Anfang 2000 und war ausschließlich für Pakete und andere Fracht bestimmt. Schnelle Güterzüge transportierten Wechselbehälter zunächst auf der Nord-Süd-Achse zwischen Hamburg beziehungsweise Hannover und den Regionen Nürnberg, München und Stuttgart.
Später kam eine Ost-West-Verbindung hinzu. Mitte der 2000er-Jahre beförderte der Parcel Intercity nach Angaben der Deutschen Post rund 280.000 Tonnen Fracht pro Jahr und ersetzte täglich etwa 70 Lkw-Fahrten (Quelle: DHL, PDF, S. 31).