Mehr als ein halbes Jahr nach der Abschaffung der 800-Dollar-Freigrenze für Warenimporte in die USA bleibt der Versand von Standardpaketen aus Deutschland für Privatkunden weiterhin blockiert. Während andere internationale Postgesellschaften inzwischen Lösungen anbieten haben, können Privatkunden mit DHL weiterhin keine Standardpakete in die USA verschicken. Möglich ist lediglich der teurere Versand über DHL Express.
Eine Ausnahme gilt für Geschäftskunden: Seit dem 25. September 2025 können DHL-Vertragskunden wieder Standardpakete in die USA versenden. Für Privatkunden bleibt der Service jedoch ausgesetzt.
DHL versprach schnelle Lösung
Kurz nach Einführung der neuen US-Zollregeln hatte DHL noch eine baldige Lösung in Aussicht gestellt. Im September 2025 erklärte DHL-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner gegenüber der Funke Mediengruppe:
"Momentan gibt es Einschränkungen für alle Geschäftskunden sowie für Privatkunden, die auf dem postalischen Weg Pakete verschicken wollen, deren Inhalt mehr als 100 US-Dollar wert ist", erklärte die DHL-Managerin. Zugleich kündigte Hagleitner eine baldige Rückkehr zum normalen Service an: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen zu dem gewohnten Service zurückkehren können."
Diese Erwartung hat sich jedoch bislang nicht erfüllt. Auch im Frühjahr 2026 ist der Versand von DHL-Standardpaketen in die USA für Privatkunden weiterhin unmöglich.
Während DHL noch an technischen Lösungen arbeitet, haben mehrere Postgesellschaften bereits neue Zollverfahren eingeführt. Ziel dieser Systeme ist es, die Einfuhrabgaben bereits beim Versand zu berechnen und im Voraus an die US-Zollbehörden zu entrichten.
So hat beispielsweise die belgische Post bpost den Versand für Privatkunden bereits im Dezember 2025 wieder aufgenommen. Absender müssen neben dem Porto auch die anfallenden Einfuhrabgaben sowie eine kleine Bearbeitungsgebühr bezahlen. Die Post berechnet und überweist diese Gebühren anschließend an die US-Zollbehörden.
Auch die litauische Post hat Anfang März 2026 den USA-Versand für Privatkunden wieder gestartet. Kunden zahlen dabei eine zusätzliche Zoll-Bearbeitungsgebühr von 2,29 Euro. Voraussetzung ist eine Zustimmung zur Vorauszahlung von Zöllen und Gebühren im Kundenkonto.
Die britische Royal Mail bietet ebenfalls wieder USA-Versand an. Dort werden Porto, Einfuhrabgaben und Bearbeitungsgebühren bereits beim Versand berechnet und online bezahlt.
Auch die spanische Post Correos hat den Versand wieder geöffnet. Absender müssen die Zollinhaltserklärung online ausfüllen und die anfallenden Einfuhrabgaben vorab begleichen.
Neue Technik für Zoll-Vorauszahlung
Eine wichtige Rolle bei diesen Lösungen spielt der Weltpostverein (UPU). Die Organisation hat im Herbst 2025 erstmals eine globale "Delivered Duty Paid"-Lösung (DDP) veröffentlicht. Damit können Postgesellschaften Einfuhrabgaben bereits beim Versand berechnen, vom Absender kassieren und anschließend an die Zollbehörden im Zielland überweisen.
Die Technik ist in das Zollsystem CDS (Customs Declarations System) des Weltpostvereins integriert, das bereits von rund 176 Postgesellschaften genutzt wird. Mehrere Betreiber haben das System bereits implementiert, weitere befinden sich in der Einführungsphase.
Das Ziel: Sendungen sollen künftig ohne Verzögerungen durch den Zoll gehen, weil alle Abgaben bereits vor der Einfuhr bezahlt wurden.
Warum DHL weiterhin blockiert
Warum DHL Privatkunden weiterhin keinen Versand von Standardpaketen in die USA anbietet, bleibt offiziell unklar. Im Herbst 2025 erklärte DHL-Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner, man habe den Versand "nicht eingestellt, weil wir das nicht mehr können, sondern, weil es zu wenig Details gab, wie die Prozesse laufen sollen". Dieses Argument wirkt inzwischen überholt.
Mehrere europäische Postgesellschaften haben Lösungen geschaffen, um Einfuhrabgaben dem Absender in Rechnung zu stellen und das Geld an die US-Zollbehörden zu übermitteln. Deshalb entsteht der Eindruck, dass DHL die Umsetzung für Privatkunden tatsächlich "nicht kann". Für Verbraucher bedeutet das weiterhin eine enorme Einschränkung. Wer ein Paket in die USA verschicken möchte, muss auf deutlich teurere Expressdienste wie DHL Express, UPS oder FedEx ausweichen.