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Schwere Pakete: SPD arbeitet an Alternative zur Sackkarre


Mit der Postgesetz-Reform werden neue Regeln für schwere Pakete erlassen. Wiegt ein Paket mehr als 20kg, muss es entweder von zwei Personen zugestellt werden oder von einer Person mit Unterstützung eines "geeigneten technischen Hilfsmittels".

Die Paketbranche, Sachverständige und Politiker rätseln seit Monaten, was mit der schwammigen Formulierung gemeint sein könnte. Die meisten denken an eine Sackkarre als technisches Hilfsmittel. Hochmoderne Exoskelette fallen weg, weil sie sehr teuer und in der Zustellung ungeeignet sind.

SPD-Politiker Sebastian Roloff, der am neuen Postgesetz mitgearbeitet hat, überrascht nun mit einer Aussage bei Twitter:

"Bei der Frage 20 Kg regeln wir in der Verordnung ja gerade, was ein geeignetes Hilfsmittel ist und was nicht. Hier wollen wir die Sackkarre gerade ausschließen."

Aus Zustellersicht ist es löblich, Sackkarren per Verordnung auszuschließen. Denn eine Sackkarre stört mehr als dass sie hilft, wenn ein Paket in die 4. Etage befördert werden muss. Ausgenommen vielleicht, wenn die Sackkarre mit einem speziellen Treppensteiger ausgerüstet ist, um sie Stufen hochziehen zu können.

Theoretisch wäre auch denkbar, die Lieferung schwerer Pakete nur noch bis zur ersten verschlossenen Tür beim Empfänger vorzuschreiben, wie es im Speditionsgewerbe üblich ist. Kunden wären dann selbst verantwortlich, schwere Sendungen vom Erdgeschoss in ihre Wohnung zu schleppen.





DHL: Bald wieder rotes Klebeband für schwere Pakete?

So berichtete Paketda im Februar 2024

Am 1. März 2018 wurde eine Regelung aus den DHL-Versandbedingungen gestrichen, wonach Pakete über 20kg mit einem umlaufenden roten Klebeband gekennzeichnet werden mussten. Das galt als Warnsignal für DHL-Mitarbeiter, damit sie sich nicht an unerwartet schweren Paketen verheben.

Das rote Klebeband wurde damals durch einen Hinweis "Achtung! Schweres Paket" ersetzt, der allerdings deutlich kleiner, nicht farbig und leicht übersehbar ist. 2021 monierte die Gewerkschaft DPVKOM, dass die Kennzeichnung schwerer DHL-Pakete nicht klappt und Zusteller mangels Waagen in den Zustellstützpunkten keine Kontrollwiegungen durchführen können.

Das neue Postgesetz soll nun vorschreiben, dass schwere Pakete gut sichtbar und leicht verständlich gekennzeichnet werden müssen. Geplant sind zwei Stufen: Pakete ab 10kg und ab 20kg müssen "deutlich" unterschiedlich markiert werden, also z.B. mit roten und blauen Aufklebern oder Klebeband.

Wird dies tatsächlich im Postgesetz festgeschrieben, gilt die Regelung nicht bloß für DHL, sondern für alle Paketdienste.

Außer bei DHL verfügen Paketshops i.d.R. über keine Waagen. Gibt ein Kunde ein Paket bei Hermes, DPD, GLS oder UPS ab, können die Shopmitarbeiter das Paketgewicht nur schätzen. Exakt gewogen wird erst im Paketzentrum. Deshalb erfolgt die Gewichtskennzeichnung vermutlich nicht in den Paketshops, sondern in den Paketzentren. Das ist gemäß Gesetzestext erlaubt. Die Gewichtskennzeichnung soll nur die Zusteller schützen und nicht die Mitarbeiter in vorgelagerten Tätigkeitsbereichen.



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Arbeitsminister will Paketgewicht auf 20kg begrenzen

So berichtete Paketda im April 2023

Arbeitsminister Hubertus Heil fordert verbesserte Arbeitsbedingungen für Paketzusteller durch eine Reduzierung des Höchstgewichts auf 20kg pro Karton.

In einem Interview mit der Bild am Sonntag sagte Heil:

"Hier geht es um die Gesundheit von Menschen, die mit ihrer Arbeit unseren Alltag erleichtern und das Land am Laufen halten. Viele der Paketboten werden Bandscheibenvorfälle bekommen. Deshalb will ich durchsetzen, dass Pakete, die mehr als 20 Kilogramm wiegen, nicht mehr von einem allein geschleppt werden müssen."

Hubertus Heil

@hubertus_heil

Der Minister schlägt vor, dass Pakete über 20kg durch Speditionen mit zwei Zustellern zugestellt werden. Das ist aufgrund der hohen Kosten jedoch fraglich, denn Speditionslieferungen kosten ab 30 Euro. Realistischer scheint die Vermutung, dass schwere Pakete in mehrere leichte Pakete aufgeteilt werden, zum Beispiel 2 x 15kg anstelle eines 30kg-Pakets. Für Endkunden bedeutet das steigende Portokosten.

Komplett neu wäre eine Gewichtsbeschränkung auf 20kg nicht: Das 31,5kg-Paket führte DHL erst am 2. Oktober 2006 ein - damals kostete es 13,90 Euro. Vor 2006 betrug das Höchstgewicht bei DHL 20kg.

Von einem reduzierten Höchstgewicht wäre der Reifenversand besonders stark betroffen. "Die meisten Kompletträder wiegen mehr als 20kg. Nur für Kleinwagen wie Fiat wiegen sie etwa 19 kg", sagte ein Branchenkenner gegenüber Paketda. Reifen und Felgen können zwar getrennt verschickt werden, das verursacht beim Empfänger jedoch Mehrkosten aufgrund des Portos und zusätzlichen Montageaufwands.

Bei einer Abstimmung am 12. Mai 2023 im Deutschen Bundesrat fand sich keine Mehrheit für eine Gewichtsbegrenzung und auch nicht für eine Kennzeichnungspflicht schwerer Pakete.

Im September 2023 sagte DHL gegenüber der Westfalenpost, dass "der Anteil der Sendungen über 20 Kilogramm derzeit 1,7 Prozent" beträgt.






Gewerkschaft: Kennzeichnung schwerer DHL-Pakete klappt nicht

So berichtete Paketda im September 2021

Ausschnitt aus DPVKOM-Magazin
Die Postgewerkschaft DPVKOM hat Aktionstage an Zustellstützpunkten und Zustellbasen von Deutsche Post DHL durchgeführt. Bei dieser Gelegenheit bemängelten viele Zusteller eine fehlende Kennzeichnung schwerer Pakete. Im aktuellen DPVKOM-Magazin (www.dpvkom.de) heißt es, dass schwere Pakete "zu einer hohen körperlichen aber auch psychischen Belastung durch den Zeitdruck beim Nachladen" führen.

Eigentlich müssen DHL-Versender Pakete mit einem Gewicht ab 20kg mit dem Aufdruck "Achtung schweres Paket" kennzeichnen oder mit einem roten Aufkleber "bis 31,5 kg". Das ist in den DHL-Versandbedingungen vorgeschrieben.

DHL Vermerk: Achtung schweres Paket
Laut DPVKOM unterbleibt diese Kennzeichnung in vielen Fällen. Auch Postfilialen und Paketshops seien für das Thema nicht sensibilisiert und würden Absender nicht auf die fehlende Kennzeichnung hinweisen.

Die Gewerkschaft will das Problem bei der Deutschen Post DHL ansprechen und erreichen, dass alle Zustellstützpunkte und Zustellbasen mit Waagen ausgestattet werden. Nur dann sei es möglich, im ersten Schritt überhaupt die Anzahl schwerer Pakete korrekt zu ermitteln.


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