Renitente Rentnerin zerlegt DHL-Zermürbungsstrategie


Die 82-jährige Gertraud Leonhardt betreibt eine Reparaturwerkstatt für Puppen und Teddybären (puppenecke-schnelsen.de). Im Jahr 2019 wurde sie von einer Kundin mit der Reparatur einer 70 oder 80 Jahre alten Puppe beauftragt.

Beim Rückversand wurde die frisch reparierte Puppe an der Stirn beschädigt. Die Empfängerin reichte eine Schadenmeldung bei DHL ein. Nach Begutachtung schickte DHL die Puppe wieder zu Gertraud Leonhardt. Dabei entstanden weitere Schäden am Hinterkopf und Arm.

Die Puppenärztin flickte die Puppe mit Ersatzteilen wieder zusammen und stellte DHL dafür Kosten in Höhe von 606 Euro in Rechnung. DHL lehnte Schadenersatz aufgrund unzureichender Verpackung ab. Gertraud Leonhardt verschickt eigenen Angaben zufolge seit 30 Jahren Puppen per Paket. Sie nutzt u.a. Babywindeln als Polstermaterial, und es sei noch nie ein Schaden entstanden.

In ihrer Verzweiflung schrieb Frau Leonhardt mehrere Beschwerden an DHL, schaltete einen Anwalt ein und erreichte im Februar 2021 einen Bericht in der Bild-Zeitung. Doch DHL stellte sich tot und wollte die Angelegenheit aussitzen, ohne zu zahlen.

"Ich habe das Gefühl gehabt, ich werde hier für dumm verkauft", erzählte die Kundin nun gegenüber dem Fernsehsender NDR (Mediathek). Und weiter: "Das finde ich unmöglich. Die sitzen das aus. Aber da kämpfe ich für meine Kunden."

Gegenüber Bild.de erklärte DHL, dass sich Gertraud Leonhardt auf ein Schreiben vom Juli 2020 nicht gemeldet habe und die Angelegenheit deshalb als erledigt betrachtet wurde. Die Puppenärztin widerspricht; ihr Anwalt habe sehr wohl geantwortet.

Als das TV-Team des NDR bei DHL nachhakt, wird die Schuld u.a. auf fehlende Wertnachweise für die Puppe geschoben. Außerdem sei die Forderung inzwischen verjährt.

Dem widerspricht der Rechtsanwalt: "So lange man Verhandlungen betreibt, und hierfür spricht ja, dass man immer wieder neue Beweise und Nachweise angefordert hat, kann die Verjährung nicht eingetreten sein."

Letztendlich war DHL mit der Zermürbungsstrategie nicht erfolgreich. Das Unternehmen beugte sich nun der jahrelangen Gegenwehr von Gertraud Leonhardt und zahlte aus Kulanz 500 Euro.


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