Überraschende Kehrtwende bei DHL: Wer online einkauft, kann künftig Pakete ohne vorherige Registrierung an eine Packstation schicken lassen. Was wie ein radikaler Kurswechsel klingt, ist zunächst nur ein begrenzter Testlauf mit rund 20 ausgewählten Onlineshops. Start ist am 7. Juli 2025, und die Testphase soll ein Jahr lang laufen.
Dass DHL das Projekt so vorsichtig anlegt, zeigt: Man will die Registrierungspflicht nicht flächendeckend abschaffen, sondern zunächst Erfahrungen sammeln und Risiken ausloten. Die geringe Zahl der beteiligten Händler (darunter CEWE, j-kinski.de, FarbenFux.de und bike-components.de) deutet auf eine zurückhaltende Haltung auch auf Seiten des Onlinehandels hin. Offenbar besteht weiterhin die Sorge, dass eine registrierungsfreie Abholung Betrügern neue Möglichkeiten eröffnen könnte.
In den letzten Jahren hat DHL die Packstation-Nutzung immer stärker abgesichert, um Betrug zu verhindern. Kunden müssen sich registrieren, ein Post-Ident-Verfahren durchlaufen, ihr Handy bei DHL freischalten und die DHL-App nutzen, um Pakete an der Packstation abzuholen.
Die Paketabholung erfolgt zurzeit über einen wechselnden Matrixcode, der in der DHL-App generiert wird. Dieses Verfahren gilt als sehr sicher, schreckt aber viele Gelegenheitsnutzer ab, etwa weil sie keine App installieren wollen, kein modernes Smartphone besitzen oder keine mobilen Daten buchen wollen.
Im neuen Testverfahren entfällt die Registrierung vollständig. Wer bei einem teilnehmenden Onlineshop bestellt, kann direkt beim Check-out eine beliebige Packstation-Adresse wählen. Es muss keine Postnummer (DHL-Kundennummer) angegeben werden. Sobald der Zusteller das Paket in die Station legt, erhält der Empfänger einen Abholcode per E-Mail. Der Code kann an klassischen Packstationen mit Bildschirm direkt eingescannt werden. Für App-gesteuerte Packstationen bleibt die DHL-App allerdings weiterhin erforderlich.
Das registrierungsfreie Abholverfahren erinnert an das mTan-System, das DHL im Oktober 2012 eingeführt hatte. Damals ersetzte eine einmalige TAN per SMS die klassische PIN-Eingabe an Packstationen. Dies diente der Eindämmung von zunehmendem Betrug. Doch das mTan-Verfahren wurde 2021 abgeschafft, weil Kriminelle sich darauf einstellten und die TANs mittels Phishing ausspähten. Dass DHL jetzt auf ein ähnliches Prinzip mit E-Mail-Codes zurückgreift, zeigt, dass man wieder nach praktikableren Lösungen sucht.
Für Gelegenheitsnutzer ist der Test eine willkommene Vereinfachung. Sie sparen sich die umständliche Registrierung und Gerätebindung. Gleichzeitig können Onlinehändler erstmals auch nicht-registrierten Kunden eine Lieferung an die Packstation ermöglichen.
Ob das neue Verfahren später regulär eingeführt wird, ist unklar. DHL betont ausdrücklich, dass man zunächst Feedback sammeln wolle. Benjamin Rasch, Marketingchef im DHL-Paketbereich, nennt das Ziel, "weitere Hürden abzubauen" und lässt offen, ob das neue System dauerhaft bleibt. Nach Abschluss der Testphase wird DHL zusammen mit den Versenderkunden wohl abwägen, ob die Balance aus Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit eine Ausweitung der registrierungsfreien Nutzung ermöglicht.
Quelle: DHL