DHL hat positive Erfahrungen mit Lieferungen an unregistrierte Packstation-Empfänger gesammelt. Seit einem Jahr läuft ein Pilotversuch in Kooperation mit ausgewählten Onlineshops. DHL-Manager David Krakow sagte nun gegenüber der DVZ, dass diese Option ab 2027 flächendeckend eingeführt wird.
Für Kunden ist das eine spürbare Vereinfachung, denn bislang ist die Nutzung der Packstation vergleichsweise aufwendig. Neben einer Basisregistrierung bei DHL ist eine zusätzliche Verifikation für die Packstation-Freischaltung erforderlich, damit betrügerische Fake-Identitäten ausgeschlossen werden. Außerdem haben Anfänger oft Schwierigkeiten mit der speziellen Adressierungsweise von Packstation-Sendungen.
Mit dem neuen Verfahren entfallen diese Hürden. Kunden wählen während des Bestellprozesses im Onlineshop einfach die gewünschte Packstation aus. Und sobald die Sendung abholbereit ist, erhalten sie eine Benachrichtigung per E-Mail.
Das Betrugsrisiko verlagert sich dadurch allerdings auf den jeweiligen Onlineshop. Wenn Waren ohne vorherige DHL-Identitätsprüfung an eine Packstation geliefert und dort abgeholt werden können, muss der Händler einschätzen, ob er diese Lieferoption für den jeweiligen Kunden zulässt. Denkbar ist, dass Onlineshops die registrierungsfreie Packstation-Zustellung nur für bekannte Bestandskunden anbieten oder bei hochpreisigen Waren deaktivieren.
Offenbar kam es während des Pilotprojekts aber nicht zu größeren Problemfällen. Andernfalls hätte DHL wohl keine flächendeckende Einführung angekündigt. Trotzdem steht das neue Verfahren wahrscheinlich nur gewerblichen Versendern (Onlineshops) offen. Versendet ein Privatkunde ein Paket an eine Packstation, dürfte nach Paketda-Einschätzung auch 2027 eine Registrierung des Empfängers erforderlich bleiben. Das Betrugsrisiko wäre sonst zu hoch.
Fazit: Für DHL ist die Öffnung der Packstation ein wichtiger Schritt, um die Out-of-Home-Zustellung weiter auszubauen. Je einfacher Packstationen genutzt werden können, desto attraktiver werden sie auch für Kunden, die bislang an der Registrierung oder an der korrekten Adressierung gescheitert sind. Und Onlineshops profitieren zudem von rabattierten Versandkosten für an Packstationen adressierte Pakete (Paketda berichtete).
DHL testet Packstation-Empfang ohne Registrierung
So berichtete Paketda im Juli 2025
Wer online einkauft, kann Pakete nun ohne vorherige Registrierung an eine Packstation schicken lassen. Es handelt sich allerdings um einen begrenzten Testlauf mit rund 20 ausgewählten Onlineshops. Start ist am 7. Juli 2025, und die Testphase soll ein Jahr lang laufen.
Dass DHL das Projekt so vorsichtig anlegt, zeigt: Man will die Registrierungspflicht nicht flächendeckend abschaffen, sondern zunächst Erfahrungen sammeln und Risiken ausloten. Die geringe Zahl der beteiligten Händler (darunter CEWE, j-kinski.de, FarbenFux.de und bike-components.de) deutet auf eine zurückhaltende Haltung auch auf Seiten des Onlinehandels hin. Offenbar besteht weiterhin die Sorge, dass eine registrierungsfreie Abholung Betrügern neue Möglichkeiten eröffnen könnte.
In den letzten Jahren hat DHL die Packstation-Nutzung immer stärker abgesichert, um Betrug zu verhindern. Kunden müssen sich registrieren, ein Post-Ident-Verfahren durchlaufen, ihr Handy bei DHL freischalten und die DHL-App nutzen, um Pakete an der Packstation abzuholen.
Die Paketabholung erfolgt zurzeit über einen wechselnden Matrixcode, der in der DHL-App generiert wird. Dieses Verfahren gilt als sehr sicher, schreckt aber viele Gelegenheitsnutzer ab, etwa weil sie keine App installieren wollen, kein modernes Smartphone besitzen oder keine mobilen Daten buchen wollen.
Im neuen Testverfahren entfällt die Registrierung vollständig. Wer bei einem teilnehmenden Onlineshop bestellt, kann direkt beim Check-out eine beliebige Packstation-Adresse wählen. Es muss keine Postnummer (DHL-Kundennummer) angegeben werden. Sobald der Zusteller das Paket in die Station legt, erhält der Empfänger einen Abholcode per E-Mail. Der Code kann an klassischen Packstationen mit Bildschirm direkt eingescannt werden. Für App-gesteuerte Packstationen bleibt die DHL-App allerdings weiterhin erforderlich.
Das registrierungsfreie Abholverfahren erinnert an das mTan-System, das DHL im Oktober 2012 eingeführt hatte. Damals ersetzte eine einmalige TAN per SMS die klassische PIN-Eingabe an Packstationen. Dies diente der Eindämmung von zunehmendem Betrug. Doch das mTan-Verfahren wurde 2021 abgeschafft, weil Kriminelle sich darauf einstellten und die TANs mittels Phishing ausspähten. Dass DHL jetzt auf ein ähnliches Prinzip mit E-Mail-Codes zurückgreift, zeigt, dass man wieder nach praktikableren Lösungen sucht.
Für Gelegenheitsnutzer ist der Test eine willkommene Vereinfachung. Sie sparen sich die umständliche Registrierung und Gerätebindung. Gleichzeitig können Onlinehändler erstmals auch nicht-registrierten Kunden eine Lieferung an die Packstation ermöglichen.
Ob das neue Verfahren später regulär eingeführt wird, ist unklar. DHL betont ausdrücklich, dass man zunächst Feedback sammeln wolle. Benjamin Rasch, Marketingchef im DHL-Paketbereich, nennt das Ziel, "weitere Hürden abzubauen" und lässt offen, ob das neue System dauerhaft bleibt. Nach Abschluss der Testphase wird DHL zusammen mit den Versenderkunden wohl abwägen, ob die Balance aus Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit eine Ausweitung der registrierungsfreien Nutzung ermöglicht.
Quelle: DHL