Österreichische Post verzeichnet 66% weniger Zollsendungen

Briefzentrum Wien
Die Tageszeitung Der Standard veröffentlichte bereits im August 2021 einen Artikel über die Auswirkungen des EU-weiten Wegfalls der Zollfreigrenze. Seit dem 1.7.2021 müssen Onlineshopper in Österreich 20% Umsatzsteuer bezahlen, wenn die Lieferung aus einem Land außerhalb der EU kommt.

Die Redakteurin von "Der Standard" besuchte das Briefzentrum Wien (Foto oben) der Österreichischen Post; genauer gesagt die Zollabfertigung von Nicht-EU-Sendungen. Dort erklärte ihr Gruppenleiter Josef Rühringer, dass das Arbeitspensum derzeit zwei Drittel unter den monatlichen Erwartungen liege.

Die Ursache für den Mengenrückgang ist unklar. Laut Rühringer könne es an den neuen Steuervorschriften liegen oder Zufall sein. In der jüngeren Vergangenheit gab es bei Auslandssendungen nach Österreich kein Sommerloch. Die Mengen waren von Ende Juni bis Mitte September genauso hoch wie zu anderen Jahreszeiten, erklärt Rühringer. Doch in diesem Sommer nicht.

Ein Mengenrückgang um zwei Drittel ist ungewöhnlich stark. Liegt es vielleicht an teuren Zollabfertigungsgebühren der Österreichischen Post? Auf den ersten Blick nicht, denn die Gebühren (sog. Importtarif) sind mit 5 Euro sogar günstiger als die 6 Euro Auslagepauschale von Deutsche Post DHL. Bei Importen > 150 Euro betragen die Gebühren der Österreichischen Post 10 Euro. Für IOSS-Sendungen werden keine Gebühren berechnet (Quelle).

Im Bericht von "Der Standard" wird noch eine andere Gebühr erwähnt, und zwar 24 Euro Lagerentgelt. Das müssen Kunden zusätzlich zum Importtarif bezahlen, wenn Zöllner eine Sendung als verdächtig einstufen und vom Empfänger einen Wertnachweis (Rechnung, Zahlungsbeleg) anfordern. Das betrifft täglich ca. 400 Sendungen. Die Hälfte der Kunden reagiert laut Zeitungsbericht nicht und lässt die Ware zurückgehen. Wahrscheinlich aufgrund der hohen Kosten.

Ob die Sendungsmengen aus dem Ausland wieder zulegen, lässt sich aktuell nicht sagen. Gruppenleiter Rühringer traut sich eine verlässliche Aussage zu den Ursachen erst Ende 2021 zu.


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