Britische Regierung plant Zukunft der Postämter
In Großbritannien läuft gerade eine große Beratung darüber, wie die Post Offices in den nächsten Jahren aussehen sollen. Die Filialen gehören nicht Royal Mail, sondern sind ein eigenständiges Unternehmen und kooperieren deshalb auch mit Evri und DPD.
Die Regierung will über 500 Millionen Pfund investieren, um das Netz zu stabilisieren und zu modernisieren. Der Schwerpunkt soll auf eigenbetriebenen Filialen liegen, die viele Dienstleistungen anbieten, von Post und Banking bis zu Behördengängen. Die Subventionen sollen in den Erhalt defizitärer Filialen fließen, um in ländlichen Regionen präsent zu bleiben. Ungefähr 14% der 11.500 Post Offices gelten als "das letzte Geschäft im Dorf".
Dennoch wird diskutiert, ob die bisherige Mindestzahl von 11.500 Filialen bestehen bleibt oder diese starre Grenze durch neue Vorgaben ersetzt wird. Langfristig könnten sogar neue Eigentumsmodelle für Post Office kommen wie z.B. eine Genossenschaft. Bürger können bis 6. Oktober 2025 ihre Meinung abgeben.
Quelle: www.gov.uk
Tschechische Post unter Druck: Ermittlungen und Milliardenkredit
Die Tschechische Post steht im Visier der Wettbewerbsbehörde, die ihr einen möglichen Missbrauch ihrer marktbeherrschenden Stellung vorwirft. Es geht um verweigerte Zustellungen von Zeitungen für einen Konkurrenten und die unterschiedliche Preisgestaltung bei Werbesendungen. Ein Gericht wies die Klage der Post gegen eine Razzia in ihrer Prager Zentrale ab, sodass sichergestellte Unterlagen als Beweismittel genutzt werden dürfen.
Finanziell steckt das Staatsunternehmen in den roten Zahlen. 2024 lag der Verlust bei rund 1,25 Mrd. CZK. Zur Stabilisierung erhielt die Post grünes Licht von der EU für staatliche Ausgleichszahlungen von bis zu 1,5 Mrd. CZK pro Jahr für den Universaldienst in 2023 und 2024; künftig darf der Höchstbetrag auf 2 Mrd. CZK steigen. Zusätzlich vereinbarte die Post mit vier Banken einen Kredit über 4,65 Mrd. CZK (ca. 190 Mio. Euro) und verkauft Immobilien im Wert von rund 930 Mio. CZK. Teil der bis 2026 geplanten Transformation ist die Abspaltung der Paketsparte Balikovna, die an einen strategischen Partner verkauft werden soll.
Quellen: irozhlas.cz | ekonomickydenik.cz | english.radio.cz
Dänemark: PostNord meldet Paketrekord im Juni
Dänemarks Postbetreiber PostNord verzeichnete im Juni 2025 so hohe Paketmengen wie ansonsten am Black Friday. Es wurden rund 25 Prozent mehr Pakete als im Vorjahreszeitraum sortiert.
Grund ist eine ungewöhnlich hohe Online-Kauflaune der Dänen anlässlich des Verfassungstages (5. Juni) und Pfingsten. Acht von zehn Dänen bestellten im Juni 2025 online, oft auch in ausländischen Shops, vor allem in China, Deutschland und Schweden. PostNord reagiert darauf mit dem Ausbau von Paketshops und -boxen sowie Samstags- und Sonntagszustellungen in ausgewählten Gebieten.
Quelle: postnord.dk
Estland: Verlustbringender Universaldienst
In Estland wurden zum 1. Juli die Preise für Briefe und Pakete erhöht. Ein Standardbrief kostet seitdem 1,50 Euro, ein Expressbrief 2,60 Euro und ein Einschreiben 7,70 Euro. Internationale Standardbriefe schlagen mit 3,50 Euro zu Buche und internationale Einschreiben mit 8 Euro.
Die Paketpreise stiegen um rund 20%, abhängig vom Gewicht. Grund für die Preismaßnahme sind laut Omniva steigende Kosten bei gleichzeitig stark rückläufigem Sendungsvolumen. So sank die Briefmenge 2024 um 23% und die Paketmenge sogar um 54%.
Der hohe Rückgang der Paketmenge ist mit der Beliebtheit von Paketautomaten zu erklären. 83% der Esten empfangen und versenden am liebsten via Pakiautomaati. Diese zählen nicht zum verlustbringenden Universaldienst.
Omniva-Chef Martti Kuldma befürchtet, dass die Preiserhöhung nicht ausreichen wird, um schwarze Zahlen zu schreiben. Im letzten Jahr machte Omniva mit dem Universaldienst 1,8 Millionen Euro Verlust. Aktuell läuft ein Rechtsstreit, weil Omniva vom Staat eine ausstehende Gesamtentschädigung in Höhe von 6,2 Millionen Euro einklagt.
Gleichzeitig meldet Omniva für das zweite Quartal 2025 gute Finanzzahlen. Es gab ein Umsatzplus von 6%, einen Betriebsgewinn von 0,8 Mio. Euro (viermal so hoch wie im Vorjahr) und einen Nettogewinn von 0,4 Mio. Euro. Wachstumstreiber war vor allem der internationale Transitverkehr, während der Universalpostdienst weiterhin Verluste bringt. Einsparprogramme zeigen angeblich erste Wirkung.
Quellen: omniva.ee | omnivagroup.com