Royal Mail: Millionen-Strafe wegen langsamer Briefzustellung
Die britische Regulierungsbehörde Ofcom hat Royal Mail mit einer Geldbuße von 21 Millionen Pfund belegt (ca. 24 Mio. Euro). Der Grund: Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2024/25 seine gesetzlich vorgeschriebenen Zustellquoten deutlich verfehlt.
Statt der geforderten 93% pünktlicher Zustellungen bei First-Class-Briefen erreichte Royal Mail nur 77%, bei Second-Class-Briefen statt 98,5% lediglich 92,5%. Auch unter Berücksichtigung von Extremwetter sah Ofcom keine ausreichende Rechtfertigung.
Die Behörde fordert ein glaubwürdiges Verbesserungsprogramm und hat zusätzlich verschärfte Vorgaben eingeführt: 99% aller Sendungen müssen künftig spätestens zwei Tage nach der planmäßigen Laufzeit zugestellt werden. Damit reagiert Ofcom auf Beschwerden, wonach Briefe teils wochenlang unterwegs waren.
Royal Mail war bereits 2023 und 2024 wegen ähnlicher Verstöße sanktioniert worden. Die jetzt verhängte Strafe ist jedoch die bisher höchste seit 2012. Sollten sich die Zustellzeiten nicht verbessern, drohen weitere Bußgelder.
Quelle: ofcom.org.uk
Royal Mail schreibt wieder Gewinne
Der Royal-Mail-Mutterkonzern IDS (International Distribution Services) hat im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 13,1 Mrd. Pfund erzielt. Das entspricht umgerechnet ca. 15 Mrd. Euro und einem Plus von 4,8% gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte operative Konzerngewinn lag bei 278 Mio. Pfund. Im Vorjahr betrug der Verlust noch 28 Mio. Pfund.
Im Konzernbereich Royal Mail wurde ein Anstieg des Paketvolumens um 6% gemessen und ein Rückgang des Briefvolumens um 4%. Royal Mail erreichte erstmals seit drei Jahren wieder einen bereinigten Betriebsgewinn (ohne Kosten für freiwillige Entlassungen) von 12 Millionen Pfund. Die oben erwähnte Ofcom-Strafe ist hier noch nicht berücksichtigt.
Der ebenfalls zum IDS-Konzern gehörende Paketdienst GLS meldet ein um 2% gestiegenes Paketvolumen. Genauere Zahlen zu einzelnen Ländern wurden nicht veröffentlicht
In einem Nebensatz kündigte IDS an, dass GLS sein Livetracking weiter verbessern will. Zusteller sollen auf der letzten Meile von einer präziseren Navigation profitieren und künftig "bis zum letzten Meter" zum Ziel geführt werden. Originaltext:
"Further scaling and development of GLS' market-leading real-time tracking technology, including more accurate last mile navigation, guiding drivers down to the final metre."
Das deutet darauf hin, dass auch Hauseingänge in Hinterhöfen oder sonstige schwer auffindbare Zustellorte vom Navi erfasst werden. Das könnte Suchzeiten für Zusteller deutlich verkürzen. Sollte GLS diese Technik tatsächlich umsetzen, könnte das bisher führende Livetracking von DPD Konkurrenz bekommen. Ein Manko von GLS bleibt allerdings, dass Livetracking nicht bei jedem Paket angeboten wird.
Quelle: internationaldistributionservices.com
Post Office: Entschädigungen in Milliardenhöhe an Filialbetreiber ausgezahlt
Zwischen 1999 and 2015 wurde in britischen Postfilialen (Post Offices) eine fehlerhaft programmierte Kassensoftware namens Horizon eingesetzt. Infolgedessen wurden tausende Filialbetreiber fälschlicherweise beschuldigt, Gelder veruntreut zu haben. Viele verloren dadurch ihre Existenz, einige wurden sogar strafrechtlich verurteilt.
Im Jahr 2020 setzte Post Office Ltd. ein Entschädigungsprogramm auf, das in Kürze beendet wird. Betroffene Filialbetreiber können noch bis 31.01.2026 einen Antrag auf Entschädigung einreichen. Gezahlt wird entweder eine Pauschalsumme von 75.000 Pfund oder eine individuell berechnete Entschädigung basierend auf einer Einzelfallprüfung.
Bisher wurden rund 1,2 Milliarden Pfund an 9.100 Personen ausgezahlt. Das entspricht durchschnittlich ca. 132.000 Pfund pro Person (ca. 150.000 Euro).
Das fehlerhafte Horizon-System gilt als größter Justiz- und IT-Skandal in der Geschichte des britischen Postwesens. Seit 2012 ist Post Office Ltd. ein eigenständiges Unternehmen und gehört nicht mehr zu Royal Mail.
Quelle: corporate.postoffice.co.uk
Royal Mail bekommt wieder "eigene" Paketshops
Royal Mail hat eine 49-Prozent-Beteiligung an Collect+ übernommen (collectplus.co.uk). Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Einzelhandelsgeschäften, die als Paketshops für verschiedene Dienstleister wie Amazon, DPD, FedEx, UPS, Wish, SF Express und Royal Mail fungieren.
Rund 8.000 Collect+-Standorte sollen künftig unter dem neuen Namen "Royal Mail Shop" auftreten. Kundinnen und Kunden können dort Pakete abgeben, abholen, Retouren versenden und erstmals auch Porto direkt im Shop kaufen. Letzteres ist zurzeit nur an rund 500 Standorten möglich.
Laut Pressemitteilung erhalten die Collect+-Shops künftig ein Royal-Mail-Branding. In der Praxis dürfte dies deutlich dezenter ausfallen als in der von Royal Mail veröffentlichten Fotomontage (siehe unten). Denn Collect+ bleibt ein offenes Paketshop-Netzwerk, das auch von den genannten Wettbewerbern weiter genutzt wird.
Quelle: internationaldistributionservices.com