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DHL fragt Empfänger: Porto sparen durch spätere Zustellung?

Screenshot aus der DHL-Umfrage

DHL lotet in einer aktuellen Umfrage unter Kunden aus, wie offen sie für veränderte Zustellbedingungen sind. Insbesondere, wenn sich dadurch Versandkosten sparen lassen. Die Fragen deuten darauf hin, dass DHL über neue Preismodelle und flexiblere Lieferzeiten nachdenkt.

Ein zentrales Thema der Umfrage ist folgender Tauschhandel: längere Lieferzeit gegen geringere Versandkosten. So fragt DHL anfangs, ob es akzeptabel wäre, wenn eine Sendung "länger unterwegs" sei und dafür die Versandkosten günstiger ausfallen. Wird die Frage bejaht, wird abgefragt, welche maximale Versanddauer für Kunden akzeptabel wäre. Zur Auswahl stehen Optionen von 2 bis über 5 Tage.

Diese Überlegungen erinnern an Pilotversuche von UPS und FedEx in den USA (siehe Artikel unten). Durch das absichtliche Verzögern von Paketen wird eine Bündelung von Einzelsendungen erreicht und dadurch Kosteneinsparungen pro Zustellstopp.

Screenshot aus der DHL-Umfrage

Ein weiterer Aspekt der DHL-Umfrage bezieht sich auf die Zustellung an alternative Orte wie Filialen, Packstationen oder Ablageorte. Ebenfalls verbunden mit dem Hinweis, dass dies zu günstigeren Versandkosten führen könnte. Nutzer sollen in diesem Szenario bewerten, welche Kriterien ihnen besonders wichtig sind: z.B. die Fußwegentfernung, Wahl des Zustellorts oder die Möglichkeit, gegen Aufpreis dennoch eine Haustürzustellung zu erhalten.

Bei der Umfrage dürfte es sich um ein Instrument der frühen Marktanalyse handeln. DHL möchte damit abschätzen, wie viel Flexibilität Verbraucher akzeptieren, wenn sie im Gegenzug sparen können - und welche Einschränkungen potenziell auf Ablehnung stoßen.

Ein grundlegendes Problem bleibt jedoch bestehen: Die Versandkosten zahlt in der Regel der Versender, nicht der Empfänger. Damit ein Preisanreiz für längere Laufzeiten oder alternative Zustellorte überhaupt wirkt, müssten Onlinehändler den Kostenvorteil aktiv an ihre Kunden weitergeben. Das wiederum erfordert nicht nur Bereitschaft auf Händlerseite, sondern auch technische Anpassungen in den Shopsystemen.

Zudem müsste der Preisnachlass vermutlich über 50 Cent liegen, um einen Effekt zu erzielen. Gerade im margenschwachen Paketgeschäft in Deutschland könnten das womöglich zu viel sein. Dennoch macht die DHL-Umfrage deutlich, dass sich der Markt in Bewegung befindet. Branchenexperten prophezeien bereits seit Jahren, dass die Zustellung an Paketshops zum neuen Standard wird, während die Haustürzustellung nur noch gegen Aufpreis erfolgt, quasi als Service-Luxus. Dieses Szenario scheint ein Stück realistischer geworden zu sein.



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Pilotversuche: UPS und FedEx wollen Pakete gezielt verzögern

So berichtete Paketda im September 2024

© Foto: UPS
UPS-Lieferwagen in den USA

Um ihre Zustellkosten zu senken, erproben sowohl UPS als auch FedEx in den USA ein ähnliches Prinzip: Pakete werden nicht sofort ausgeliefert, sondern absichtlich verzögert und zurückgehalten. Ziel ist es, die Stopp-Dichte zu erhöhen, also pro Zustellstopp möglichst viele Sendungen abzuliefern. Umgekehrt gilt: Die Anzahl der Kunden, die lediglich ein einzelnes Paket zugestellt bekommen, soll reduziert werden.

Bereits im Jahr 2022 startete UPS in den USA ein Pilotprogramm zur Kostenoptimierung. Dabei wurde mit ausgewählten Großkunden vereinbart, dass ihre Pakete verzögert zugestellt werden dürfen, sofern eine Zustellung am Folgetag effizienter ist. UPS nennt dieses Konzept "Virtual Hold".

Ein Beispiel: Statt Montag und Dienstag jeweils ein Paket an dieselbe Adresse zuzustellen, erfolgt eine gebündelte Lieferung mit zwei Paketen am Dienstag. Das spart Aufwand, denn laut UPS-Chefin Carol B. Tomé kostet ein einzelner Zustellstopp rund 5,50 US-Dollar, jedes zusätzliche Paket beim selben Stopp jedoch nur 60 Cent (Quelle: supplychaindive.com).

Die Verzögerung erfolgt innerhalb eines mit dem Absender vertraglich definierten Zeitfensters. Tomé erklärte 2022, dass die Kosteneinsparungen teilweise an die Versender weitergegeben werden. Je größer der erlaubte Verzögerungsspielraum, desto größer die Ersparnis.

Im September 2024 kündigte FedEx-CEO Raj Subramaniam ein ähnliches Programm an, das bereits erfolgreich pilotiert wurde: "Hold-to-Match". Dabei werden Pakete gezielt zurückgehalten, wenn ein weiteres Paket für dieselbe Adresse am nächsten Tag erwartet wird (Quelle).

Subramaniam betonte, dass Hold-to-Match die Zustellkosten pro Paket senken und die Stopp-Dichte erhöhen soll. Das neue System werde schrittweise ausgerollt. Parallel läuft bei FedEx das Großprojekt Network 2.0, das Express- und Ground-Dienste zusammenführt, sowie das Sparprogramm DRIVE. In Märkten mit vollständigem Network-2.0-Rollout habe man laut FedEx 10% geringere Kosten bei Abholung und Zustellung erzielt.

Beide Pilotprogramme zeigen einen klaren Trend: Statt auf maximale Geschwindigkeit setzen Paketdienste zunehmend auf intelligente Effizienz. Durch gezieltes Zusammenführen von Sendungen sinken die Stückkosten deutlich, wenn dadurch Zustellstopps eingespart werden können.

Die Herausforderung liegt in der Balance: Kunden sollen keine echten Lieferverzögerungen spüren. Die Bündelung muss innerhalb bestehender Servicelevel erfolgen. Wenn das gelingt, profitieren alle Beteiligten: Versandhändler durch günstigere Tarife, Paketdienste durch geringere Kosten und idealerweise auch die Umwelt durch weniger Fahrten auf der letzten Meile.


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