Großkunde verklagt DHL wegen Verspätungen / Verbesserungen bei mobiler Briefmarke / Bald mehr Wettbewerb auf dem Briefmarkt?


Großkunde verklagt DHL wegen Verspätungen

Das Unternehmen www.adt-diamantwerkzeuge.de aus Bochum hat bislang rund 70.000 bis 100.000 Pakete pro Jahr mit DHL verschickt. Auf der Website wurde das DHL-Logo jetzt durch GLS ausgetauscht, weil der Firmeninhaber aufgrund von Lieferverzögerungen den Paketdienst gewechselt hat.

Der Zeitung WAZ (Ausgabe vom 16.06., nicht online) erzählte Chef Stefan Klebowski, dass er mit Amazon und eBay Probleme bekommt, sofern seine Pakete zu lange Lieferzeiten haben. Seit März 2021 gebe es Verzögerungen bei DHL. Ein DHL-Fahrer habe ihm erzählt, dass die Pakete nach der Abholung tagelang unbearbeitet im Paketzentrum herumstehen würden. Klebowski zur WAZ: "Hier in Bochum ist ja ein neues Versandzentrum, das müsste ein Vorzeigezentrum sein. Wir haben gehofft, damit geht alles schneller."

Laut ADT hat DHL die Lieferverzögerungen eingeräumt. Gegenüber der WAZ sagte DHL bloß vage, man betreibe noch "Ursachenforschung". Laut Zeitungsbericht will Klebowski gegen DHL vor Gericht ziehen. - Das dürfte aber wohl ins Leere laufen, weil Paketdienste für Standardpakete keine Lieferzeiten garantieren.



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Verbesserungen bei mobiler Briefmarke

Die Smartphone-App von Deutsche Post DHL wurde um neue Funktionen erweitert. Ab sofort können mehrere mobile Briefmarken in einem Vorgang gekauft werden. Früher musste man für jede Marke den Bezahlvorgang separat durchlaufen. Das ist jetzt deutlich komfortabler.

Außerdem werden die gekauften Codes mobiler Briefmarken in der App aufgelistet. Hat man einen Code "verbraucht", also einen Brief damit frankiert, lässt er sich in der App entsprechend markieren. Das verbessert die Übersichtlichkeit, wenn man viele Briefe auf einmal mit mobilen Marken beschriftet.

Quelle: Marco Klass Logistikblog



Bald mehr Wettbewerb auf dem Briefmarkt?

Der Bundesverband Briefdienste, in dem u.a. Citipost, PIN und Postcon organisiert sind, hat ein Gutachten zum Wettbewerb auf dem Postmarkt erstellen lassen. Es ist unter briefdienste-online.de (PDF) herunterladbar. Eine besser verständliche Zusammenfassung des Gutachtens gibt es bei www.faz.net.

Das Gutachten dreht sich um die Frage, warum private Briefdienste in Deutschland bislang nur einen Marktanteil von 14% erreicht haben. Ursache könnte die sogenannte Preis-Kosten-Schere sein. Damit wird eine Verdrängungspreis-Strategie bezeichnet, "bei der kurzfristige Verluste in Kauf genommen werden, um einen oder mehrere Wettbewerber aus dem Markt zu verdrängen." Sprich: Die Deutsche Post bietet Großkunden so günstige Preise an, dass private Briefdienste nicht mithalten können.

Beispiel: Private Briefdienste erhalten Portorabatt, wenn sie Briefe nach PLZ vorsortieren und dann bei der Deutschen Post einliefern. Das wird Konsolidierung genannt. Über die eigene Tochterfirma Deutsche Post InHaus Services GmbH bietet die Post selber Konsolidierungs-Leistungen an (erkennbar am Aufdruck K4000 auf Briefumschlägen). Das Gutachten bezweifelt die postrechtliche Zulässigkeit dieser Eigenkonsolidierung, weil damit die eigentlich beabsichtigte Förderung des Wettbewerbs konterkariert werde.

Laut FAZ bereitet sich die Bundesnetzagentur auf "vertiefte Prüfungen möglicher Preis-Kosten-Scheren" vor. Die Grundlage dafür habe die Postgesetz-Reform im Frühjahr 2021 geliefert. Christian Koenig, Mitautor des Gutachtens, ist positiv gestimmt: "Die neue Norm wird Bewegung in den Markt bringen und könnte endlich einen lebhafteren Wettbewerb entfesseln", sagte er zur FAZ.


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