Die Modernisierung der Fahrzeugflotte der amerikanischen Post USPS steht auf der Kippe. Nachdem die ersten neuen Lieferwagen des sogenannten "Next Generation Delivery Vehicle" (NGDV) seit Herbst 2024 im Einsatz sind, wächst der politische Widerstand gegen die geplante massive Elektrifizierung der Zustellfahrzeuge.
USPS hat 51.500 NGDVs beim Hersteller Oshkosh Defense bestellt, darunter 35.000 batterieelektrische und 16.500 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Geliefert wurden bis August 2025 nur rund 1.300 Fahrzeuge (Quelle: Wikipedia).
Die Fahrzeuge zeichnen sich durch ein ungewöhnliches Design aus: riesige Windschutzscheibe, Fahrersitz auf rechter Seite für Briefkastenbelieferung, großzügiger Laderaum sowie moderne Sicherheits- und Assistenzsysteme. Eine Klimaanlage gehört erstmals zur Serienausstattung.
Zentraler Streitpunkt ist die staatliche Unterstützung der Elektrifizierung. Die Regierung Biden hatte im Rahmen des Inflation Reduction Act rund 3 Milliarden US-Dollar für die Umstellung der USPS-Flotte bereitgestellt. Republikanische Abgeordnete wollen diese Mittel nun streichen.
Eine Senatorin aus Iowa kritisierte das Projekt und verweist auf verzögerte Auslieferungen, hohe Kosten und Leistungsprobleme bei Kälte. Stattdessen fordern mehrere republikanische Abgeordnete, verstärkt auf Ethanol tankende Verbrenner zu setzen (Quelle: apnews.com).
Ein früherer Versuch, die Finanzierung vollständig rückgängig zu machen, scheiterte im Juni 2025 am Senat, doch der politische Druck bleibt bestehen. Eine neue Gesetzesinitiative zur Rücknahme der Mittel ist bereits angekündigt.
USPS selbst verweist auf ihren langfristigen Modernisierungsplan: Bis 2028 sollen mindestens 66.000 Elektrofahrzeuge im Einsatz sein. Zusätzlich zu den NGDVs wurden bereits über 8.000 Ford E-Transit-Transporter ausgeliefert. Aufgrund der geringen Durchschnittsgeschwindigkeit und der planbaren Routen gelten Elektro-Fahrzeuge als besonders geeignet für USPS, so eine Studie der Universität Michigan (Quelle).
Eine USPS-Sprecherin bezeichnete die Produktionsverzögerungen bei Oshkosh als "moderat und einkalkuliert". Der Hochlauf sei bewusst schrittweise geplant, um Lieferkettenprobleme abzufedern. Die Flotte der in den 1980er-Jahren eingeführten Lieferwagen sei heutzutage überaltert und teilweise brandschutztechnisch bedenklich.
Ob die Elektrifizierungspläne vollständig umgesetzt werden, hängt nun stark von den politischen Mehrheitsverhältnissen in Washington ab. Sollte die Elektro-Förderung gekippt werden, müsste USPS entweder die Elektrifizierung drosseln oder deutlich mehr Eigenmittel aufbringen, was bei einer finanziell ohnehin angespannten Lage des Unternehmens schwierig wäre.
Riesige Scheibe, kleine Schnauze: die neuen USPS-Lieferwagen sind unterwegs
So berichtete Paketda im Januar 2025
Die amerikanische Postgesellschaft USPS hat im Herbst 2024 die ersten komplett neu entwickelten Lieferwagen in Betrieb genommen. Diese Fahrzeuge tragen den Namen "Next Generation Delivery Vehicle" (NGDV). Hersteller ist Oshkosh Defense, ein Unternehmen, das bislang vor allem für Militärfahrzeuge und Flughafenlöschfahrzeuge bekannt war.
Individuelles Design für den Zustellalltag
Das NGDV wurde mit direktem Feedback von USPS-Zustellern entworfen. Besonders auffällig ist die flache Frontpartie mit der riesigen Windschutzscheibe, die eine bessere Sicht auf Hausnummern bietet. Der Fahrersitz befindet sich auf der rechten Seite, sodass Post direkt aus dem Fahrzeug heraus in Briefkästen eingeworfen werden kann. Der Laderaum ist großzügig gestaltet und auf die steigende Paketmenge im E-Commerce ausgerichtet.
Die neuen Lieferwagen verfügen über moderne Assistenzsysteme wie 360-Grad-Kameras, Kollisionswarner und eine verbesserte Klimatisierung, um Komfort und Sicherheit zu erhöhen. Die Fahrerkabine ist besonders hoch gestaltet, damit Zusteller darin aufrecht stehen können, um Sendungen zu sortieren.
Elektrischer oder konventioneller Antrieb
USPS hat eine flexible Bestellung aufgegeben, die zwischen 50.000 und 165.000 Fahrzeuge umfasst, verteilt über zehn Jahre. Ursprünglich sollte nur ein kleiner Teil elektrisch angetrieben werden, doch nach politischem Druck erhöhte USPS den Anteil der Elektrofahrzeuge. Aktuell ist geplant, dass mindestens 60 % der bestellten NGDVs einen Elektroantrieb bekommen.
Die erste Teilbestellung wurde 2022 aufgegeben und umfasste 50.000 Lieferwagen, davon 10.019 Stück mit elektrischem Antrieb. Quelle: greencarcongress.com.
Kritik an der langfristigen Bindung
Branchenexperten sehen die Entscheidung von USPS nicht nur positiv. Der YouTube-Kanal "Last Mile Prophets" kritisiert, dass sich die Postgesellschaft für zehn Jahre an ein spezifisches Fahrzeugmodell bindet, obwohl sich Technologien wie autonomes Fahren in diesem Zeitraum rasant weiterentwickeln könnten. Zudem sei der Gebrauchtmarkt für diese speziellen Fahrzeuge begrenzt, was den Wiederverkaufswert mindern könnte.
Unabhängig von der Kritik markiert die Einführung der NGDVs einen wichtigen Schritt in der Modernisierung der USPS-Flotte. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich die Investition langfristig auszahlt oder ob die Fahrzeuge schneller als erwartet ersetzt werden müssen.
