Lieferzeit-Statistiken aus USA / Zukunft der Citylogistik / Cainiao: Weltweit ab 3 USD versenden


So veränderte Corona die Lieferzeiten von US-Paketdiensten

Das amerikanische Unternehmen ShipBob verpackt und verschickt im Auftrag von Onlinehändlern Pakete (Fulfillment). Dadurch kennt ShipBob die durchschnittlichen Lieferzeiten aller großen Paketdienste, kann sie auswerten und miteinander vergleichen.

Auf der Seite carriers.shipbob.com gibt es ausführliche Statistiken von Januar bis Ende November 2020. Zwar nur für den US-Markt, dennoch ist interessant zu sehen, wie sich die Lieferzeiten im Zuge der Corona-Pandemie verändert haben.

Bei UPS gab es im Frühjahr (erste Corona-Hochphase) erstaunlicherweise kaum Verzögerungen, während die durchschnittliche Lieferzeit bei DHL Express von 2,85 Tagen auf gut 5 Tage anstieg. Im November war es andersrum: Bei UPS verlängerten sich die Lieferzeiten stark, und bei DHL Express blieben sie konstant.

Verglichen wurden übrigens nur "Ground"-Versandarten innerhalb der USA, also die preiswerte Beförderung per LKW auf der Straße und nicht per Luftfracht.



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Experte spricht über Zukunft der Citylogistik

Das Magazin Brand Eins hat ein Interview mit dem niederländischen Logistikexperten Walther Ploos van Amstel geführt. Er kennt sich vor allem mit Citylogistik aus.

Ploos van Amstel wurde gefragt, warum Pakete auf der letzten Meile nicht gebündelt und von einem einzigem Paketdienst ausgeliefert werden. Dem Experten zufolge habe dies keinen großen Spareffekt, weil "von den 2,50 bis drei Euro Transportkosten nur 80 bis 100 Cent in die berühmte letzte Meile" fließen. Diese Aussage ist ungewöhnlich, weil die letzte Meile von anderen Experten immer als der teuerste Abschnitt aller Transportschritte bezeichnet wird.

Überraschend ist auch der Vorschlag Ploos van Amstels, Lieferverkehr in Innenstädten ab 11 Uhr zu verbieten, um die Kooperationsbereitschaft von Lieferdiensten zu steigern. In London soll das funktionieren. Aus Deutschland sind solche Effekte nicht bekannt, obwohl in vielen Fußgängerzonen schon seit Jahren ab 10 oder 11 Uhr ein Fahrverbot besteht. Allerdings können sich Paketdienste Ausnahmegenehmigungen besorgen, wie es z.B. DHL in Paderborn macht (Quelle: westfalen-blatt.de).

Das Fazit des Experten: "Langfristig wird es international nur noch ein paar große Player wie Amazon und DHL geben. Doch auf der lokalen Ebene, auf der wirklich letzten Meile, werden viele kleine Anbieter überleben oder neu dazukommen." Und weiter: "Die individuelle Zustellung wird zunehmend von Paketstationen ersetzt werden. (...) Was ebenfalls zunehmen wird, sind Lösungen, wie sie das Unternehmen Parcls anbietet: örtliche Paketannahme- und Zustelldienste."



Cainiao plant weltweite Lieferungen ab 3 Dollar

Bei Time.com ist ein Bericht über die Ambitionen von Cainiao erschienen. Das Logistikunternehmen gehört zur chinesischen Unternehmensgruppe Alibaba / Aliexpress.

Wie Time berichtet, will Cainiao weltweite Lieferungen mit 3 Tagen Lieferzeit für 3 US-Dollar anbieten (1kg Paket). Als Vergleich wird eine 0,5 kg schwere DHL-Sendung von Shanghai nach London angeführt, die angeblich 100 USD kostet bei 5 Tagen Lieferzeit.

Cainiao versteht sich als offene Logistik-Plattform. 3.000 Logistikunternehmen bieten ihre Leistungen bei Cainiao an, und Kunden können sie buchen. Ein Vorteil von Cainiao ist, dass Postgesellschaften in schwächer entwickelten Ländern gegenüber Industrieländern weniger Porto für internationale Lieferungen bezahlen müssen. Deshalb funktionieren Lieferungen aus Asien in Richtung Westen gut. Fraglich ist aber, ob Cainiao auch einen Kostenvorteil erzielen kann für Lieferungen von z.B. Europa in die USA.


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