Selbstfahrendes Zustellfahrzeug aus Estland / Postboten berichten über Hochhaus-Zustellung / Chef von NOX gibt Interview

Selbstfahrendes Zustellfahrzeug des estnischen Herstellers Cleveron

Selbstfahrendes Paketauto aus Estland

Das estnische Unternehmen Cleveron ist bislang hauptsächlich für seine XXL-Paket-Abholstationen bekannt, von denen in Deutschland jeweils ein Exemplar in Nagold und in Ingolstadt steht (Paketda berichtete). Weltweit hat Cleveron eigenen Angaben zufolge 1000 Abholstationen im Einsatz (Quelle). In deren Inneren befindet sich ein Roboter, der 300 oder mehr Lagerplätze verwaltet.

Cleveron hat die Automatisierung nun auf die Spitze getrieben und ein selbstfahrendes Zustellfahrzeug gebaut, das mit einem Roboterarm ausgestattet ist, um Pakete in Paketkästen von Privatkunden einzulegen. Eine von der Zeitschrift Parcel and Postal Technology International eingesetzte Expertenjury vergab dafür kürzlich die Auszeichnung Last Mile Delivery Innovation of the Year.

Cleveron-Chef Arno Kütt erklärt, sein Unternehmen sei mit dieser Idee der Zeit um 10 Jahre voraus und er wisse nicht, ob sie sich jemals durchsetzen werde. In Estland sei die Lieferung an Abholstationen jedoch sehr beliebt; 80% der Esten würden diese Zustellart bevorzugen. Deshalb will Cleveron das selbstfahrende Paketauto ab 2020 in Estland testen.



Postboten in Frankfurts Hochhäusern erzählen von ihrer Arbeit

Im Pressebereich der Deutschen Post kommen ein Briefträger und ein Paketzusteller aus Frankfurt am Main zu Wort. Sie erzählen von den Besonderheiten der Zustellung in Hochhäusern. Schwierig sei, dass nur eine begrenzte Anzahl (Lasten-) Aufzüge zur Verfügung stehe. So könne es passieren, dass ein Postbote für die "Zustellung eines einzigen Briefes in die 60. Etage schon mal 15 bis 20 Minuten benötigt. Das ist rekordverdächtig und so bestimmt in keiner Bemessung drin", schreibt die Post.

Postbote Zbigniew Rozycki erklärt außerdem, wie viele Briefe er täglich in eine Postfachanlage einwirft: "Das sind locker 2.000 bis 2.400 Kurze und 800 bis 1.000 Langholz. Dazu kommen noch etwa 40 bis 50 BüWas täglich". Übersetzung laut Post:

  • "Kurze": Standardbriefe
  • "Langholz": Großbriefe
  • "BüWas": Bücher- und Warensendungen



NOX-Chef kritisiert Großkunden: "Die Sendungen stellen sie Dir ohne Vorwarnung auf den Hof"

Donald Pilz, ehemaliger Manager bei Hermes und inzwischen für NOX Nachtexpress tätig, wurde im Juni von der DVZ interviewt. NOX liefert Sendungen zwischen 2.00 Uhr nachts und 8.00 Uhr morgens aus; meistens nicht durch persönliche Übergabe sondern durch Ablage an vereinbarten Orten. Das vollständige Interview gibt es hier auf dvz.de.

Donald Pilz weist auf sogenannte "Scheinkapazitätsengpässe" hin, unter denen Express-Paketdienste leiden können. Der Trend gehe zu immer späteren Paket-Einlieferungszeiten bei gleichzeitig früheren Zustellzeiten. Durch zu späte Einlieferungen können auf der Transportstrecke in Richtung Zielgebiet Verspätungen entstehen. Dieser Effekt kann bis auf den Zusteller durchschlagen, weil er aufgrund verspätet eingehender Sendungen erst später vom Depot abfahren kann. Dadurch schafft er es evtl. nicht mehr, alle Pakete pünktlich auszuliefern. Ein Scheinkapazitätsengpass bezeichnet laut Pilz das Phänomen, dass prinzipiell Transportkapazität vorhanden ist, aber in den frühen Stunden nicht genutzt wird, weil die Sendungen aufgrund von Verspätungen nicht bereitstehen.

Donald Pilz schlägt deshalb ein neues Preismodell für Großkunden wie Amazon, Otto oder Zalando vor: Ein frühzeitig eingeliefertes Paket soll günstiger sein als ein zu später Uhrzeit eingeliefertes Paket. Außerdem sollen Großkunden die benötigten Kapazitäten mit mehrmonatigem Vorlauf online bei den Paketdiensten einbuchen können.

Aktuell müssten KEP-Dienste häufig als Sündenbock herhalten, weil Großkunden zu später Stunde noch große Mengen Pakete übergeben würden und erwarteten, dass diese am nächsten Tag zugestellt werden. Pilz sagte wörtlich im DVZ-Interview:

"Die Sendungen stellen sie Dir ohne Vorwarnung auf den Hof und erwarten, dass Du damit fertig wirst. Und wenn man dann auch noch Probleme mit der Zustellung bis zum nächsten Tag hat, wird hinterher auch noch vermehrt reklamiert. Dann heißt es: Wo bleibt die versprochene Performance?"


Veröffentlicht am



  Ich will nichts verpassen und den Paketda-Newsletter erhalten
Ich stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse gem. Datenschutzerklärung von Paketda.de genutzt wird.

Mehr Paketdienst-News