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Internationale Antwortscheine (IRC) werden weltweit abgeschafft

© Fotos: UPU
Designs des ersten (li.) und des letzten Internationalen Antwortscheins

Der Weltpostverein (UPU) hat beschlossen, Internationale Antwortscheine zum 31.12.2026 einzustellen. Einen entsprechenden Antrag hatten Ägypten, Deutschland und Liechtenstein gemeinsam auf dem Weltpostkongress im September 2025 gestellt. Dem Antrag stimmten die Mitgliedsländer des Weltpostvereins zu; es gab lediglich 4 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen.

Demnach wird der Internationale Antwortschein zum 31. Dezember 2026 aus den Regularien des Weltpostvereins gestrichen. Begründet wird die Entscheidung mit tiefgreifenden strukturellen Veränderungen im internationalen Postmarkt sowie extrem niedrigen Nutzungszahlen.

Die Antragsteller verweisen darauf, dass sich der internationale Postverkehr seit Jahren stark von Briefen und Dokumenten hin zu Warensendungen verlagert. Gleichzeitig stünden die UPU und die nationalen Postgesellschaften unter dem Druck, Komplexität und Kosten zu reduzieren, um Ressourcen für zukunftsfähige Aufgaben freizumachen. Dienstleistungen, die ihre praktische Relevanz verloren haben, müssten daher konsequent eingestellt werden. Der Internationale Antwortschein sei zwar eines der ältesten, aber auch eines der am stärksten rückläufigen Produkte im UPU-System.

Konkrete Zahlen aus dem Bericht des Postal Operations Council (POC) verdeutlichen den Bedeutungsverlust: Ende 2024 wurden zwar noch in 84 Ländern Internationale Antwortscheine verkauft, weltweit befanden sich aber nur noch rund 795.000 IRCs im Umlauf. Zwischen September 2021 und Ende 2024 wurden insgesamt 138.934 Antwortscheine eingelöst. Das entspricht im Durchschnitt etwa 42.000 Einlösungen pro Jahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 wurden weltweit über 1,5 Milliarden internationale Briefsendungen verschickt. Der Anteil der per Antwortschein frankierten Sendungen lag damit bei unter 0,003 Prozent des globalen Briefaufkommens.

Hinzu kommt der hohe organisatorische Aufwand: Weltweit betreiben die Postgesellschaften laut UPU-Statistik mehr als 679.000 Postfilialen. Dortige Mitarbeiter müssten theoretisch weiterhin geschult werden, um einen Service bereitzustellen, der nur noch in Ausnahmefällen nachgefragt wird. Ein Vertreter Chinas sagte auf dem Kongress, im ganzen Land seien binnen eines Jahres gerade mal 10 Antwortscheine eingelöst werden.

Auch in Deutschland ist der Rückzug bereits sichtbar. Die Deutsche Post verkauft seit dem 1. Juli 2025 keine Internationalen Antwortscheine mehr und begründet dies ebenfalls mit der sehr geringen Nachfrage. Bis zum Stichtag Ende 2026 müssen Postgesellschaften eingelöste Antwortscheine zwar noch annehmen, doch danach ist das Produkt weltweit eingestellt.

Mit der Entscheidung endet ein Service mit fast 120-jähriger Geschichte. Der erste Antwortschein wurde 1907 verausgabt. Die Portogutscheine waren vor allem bei Brieffreunden und Autogrammjägern beliebt, außerdem laut Wikipedia bei Funkamateuren und Kurzwellenhörern zum Versand von Signalempfangsbestätigungen per Postkarte.



Was sind Internationale Antwortscheine?

Internationale Antwortscheine (International Reply Coupons, IRC) sind ein Produkt des Weltpostvereins, mit dem Absender das Rückporto für einen Auslandsbrief bis 20 Gramm im Voraus bezahlen können. Der Empfänger tauscht den Antwortschein in seinem Land bei der staatlichen Postgesellschaft gegen Briefmarken im Gegenwert eines internationalen Standardbriefs ein.

In Filialen der Österreichischen Post kosten Internationale Antwortscheine 1,90 Euro pro Stück (nicht online erhältlich).



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Alternative: Briefmarken des Ziellandes beilegen

Eine praxistaugliche Alternative zum Antwortschein ist es, dem Empfänger postfrische Briefmarken seines Landes beizulegen. Diese kann er/sie dann zum Frankieren der Rückantwort verwenden. Wer gültige, ausländische Briefmarken benötigt, kann sie z.B. bei frankaturware.com oder gelegentlich bei eBay finden.

Hinweis: Manche Länder verbieten die Einfuhr gültiger Briefmarken. Allerdings fällt es in der Regel niemandem auf, wenn einem Brief ein oder zwei Briefmarken beiliegen.



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Wie viel ist ein Antwortschein wert?

Ein Blick in das offizielle Einlöseformular des Weltpostvereins (Formular CN 03) zeigt: Pro eingelöstem Antwortschein erhält eine Postgesellschaft 0,74 Sonderziehungsrechte (SDR). Das entspricht aktuell rund 0,91 Euro (Stand Juni 2025).

Internationale Antwortscheine haben eine lange Geschichte: Bereits 1878 wurde auf dem ersten Kongress des Weltpostvereins in Paris das Problem international vorfrankierter Rückantworten diskutiert. Damals schlug man eine universelle Briefmarke vor, doch das scheiterte an den schwankenden Wechselkursen.

Stattdessen einigten sich 13 Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, auf sogenannte Prepaid-Postkarten für Rückantworten. Am 1. Juli 1879 trat dieses System in Kraft. Der eigentliche Internationale Antwortschein wurde schließlich am 26. Mai 1906 auf dem Weltpostkongress in Rom beschlossen und 1907 eingeführt. Artikel 11.2 der damaligen UPU-Konvention legte fest, dass Antwortscheine zwischen teilnehmenden Ländern ausgetauscht werden dürfen.

Zwar war der Internationale Antwortschein in den letzten Jahrzehnten ein Nischenprodukt, doch eine kurze Phase weltweiter Aufmerksamkeit erlebte er durch Charles Ponzi - Namensgeber des betrügerischen Ponzi-Schemas.

Im Jahr 1920 versprach Ponzi Anlegern in den USA enorme Renditen von bis zu 50% innerhalb weniger Wochen. Als Geschäftsmodell gab er an, Internationale Antwortscheine günstig im Ausland zu kaufen und in den USA gegen höherwertige Briefmarken einzutauschen, um diese dann gewinnbringend weiterzuverkaufen; eine Art arbitragebasiertes Postwertzeichen-Geschäft.

In der Theorie klang das machbar, weil durch Wechselkursunterschiede kleine Kursgewinne möglich gewesen wären. Doch in der Praxis war die Logistik unmöglich: Um die behaupteten Gewinne zu realisieren, hätte Ponzi Millionen von Antwortscheinen um die Welt bewegen und eintauschen müssen - was faktisch nie geschah. Stattdessen bezahlte er alte Anleger mit dem Geld neuer Anleger und schuf so ein klassisches Schneeballsystem.


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