Postboten vs. Hunde: Diese Gegenmittel hat die Deutsche Post

Postboten lernen den Umgang mit Hunden
Post- und Paketzusteller werden so häufig von Hunden gebissen, dass diese "Betriebsunfälle" in eigenen Statistiken erfasst werden. 2019 wurden deutschlandweit 2.007 Zusteller so schwer gebissen, dass sie einen Tag oder länger nicht arbeiten konnten.

Update: In 2020 verzeichnete die Post "nur noch" 1.831 Hundeangriffe. Davon hatten 1.060 eine Krankmeldung von einem Tag oder länger zur Folge. Quelle: rp-online.de

Im Liefergebiet des Zustellstützpunktes Greifswald gehen 5 Prozent aller Arbeitsausfälle auf aggressive Hunde zurück, berichtet Carola Dettmann von der Deutschen Post. Früher lag die Zahl in ihrem Zuständigkeitsbereich sogar noch höher. Seitdem die Postboten im richtigen Umgang mit Hunden geschult wurden, sei die Zahl rückläufig.

Die Deutsche Post setzt nicht bloß auf Mitareiterschulungen. Die Postboten sind angehalten, Hunde bzw. deren Halter zu melden, wenn es zu kritischen Vorfällen kommt. Besorgniserregend ist für Carola Dettmann der Trend, dass sich Menschen auf dem Land vermehrt kräftige Hunde zulegen. Wenn diese frei herumlaufen, oder wenn sich die Türklingel im Inneren der Umzäunung befindet, besteht Konfliktpotenzial.

Halter aggressiver Hunde werden von der Deutschen Post angeschrieben und aufgefordert, den Postboten besser zu schützen. Doch nicht alle Kunden sind einsichtig. So berichtet Hundetrainerin Cornelia Schumacher in einem Artikel der Ostsee-Zeitung, dass sich ein Hundehalter sogar bei der Post beschwert habe, nachdem sein Hund einen Stapel Briefe zerfetzte, den ihm der Postbote in einer Abwehrreaktion hinhielt. Der Hundehalter meinte, der Postbote habe die Briefe nicht ordnungsgemäß zugestellt.

Falls ein Zusteller nach einem Hundeangriff arbeitsunfähig wird, kann der Hundehalter zur Kasse gebeten werden. Angaben der Deutschen Post zufolge schlägt ein Tag Arbeitsausfall "mit einigen Hundert Euro zu Buche". Die Länge der Arbeitsausfälle liege zwischen 3 Tagen bis zu einem halben Jahr.

Die Berufsgenossenschaft Verkehr stuft Hundebisse als potenziell traumatisches Ereignis ein. Deshalb können Vorgesetzte mittels "Schockfax" (PDF hier) Unterstützung durch Traumatherapeuten anfordern, die den betroffenen Mitarbeiter auf Wunsch besuchen. Die Deutsche Post setzt auch eigene Sozialbetreuer ein, falls ein Zusteller länger ausfällt.

Damit es gar nicht erst zu Hundebissen kommt, meldet die Deutsche Post uneinsichtige Hundehalter dem zuständigen Ordnungsamt. Als letzter Schritt kommt sogar ein Zustellauschluss in Betracht. Falls Postboten einen Kunden trotz aller Bemühungen nicht gefahrlos beliefern können, muss er sich die Post selbst in einer Filiale abholen.

Cornelia Schumacher richtet während des Hundetrainings noch ein Wort an die Zusteller: "Eigentlich müssten nicht Sie hier sitzen, sondern die Hundebesitzer."

Quellen: Deutsche Post DHL Group | Ostsee Zeitung | www.t-online.de


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