Hermes führt derzeit zwei Neuerungen ein: In der Sendungsverfolgung wird erstmals ein Livetracking getestet. Außerdem sollen bundesweit alle Zusteller mit mobilen Mini-Druckern ausgestattet werden.
Hermes bestätigte auf Nachfrage von Paketda, dass das Livetracking in die Sendungsverfolgung auf myhermes.de sowie in die Hermes-App integriert wird. Aktuell ist die Funktion jedoch nur für einen Teil der Empfänger freigeschaltet. Vermutlich erfolgt die Einblendung zufallsbasiert.
In den kommenden Wochen soll das Livetracking für alle Sendungen mit Haustür-Zustellung verfügbar sein. Voraussetzung ist jedoch, dass Hermes eine ausreichend zuverlässige Zustellprognose (Lieferzeitfenster) berechnen kann. Ist dies nicht möglich, wird kein Livetracking angezeigt.
Im Paketda-Test wurde gar kein Zustellzeitfenster angezeigt, sondern lediglich die Anzahl der noch ausstehenden Lieferstopps. Andere Nutzer berichten hingegen, dass bei ihnen ein Zeitfenster eingeblendet wurde.
Zusammen mit UPS gehörte Hermes bislang zu den letzten Paketdiensten in Deutschland ohne Livetracking. DPD führte diese Funktion vor mehr als zehn Jahren ein. Für den Markt ist das Feature daher längst Standard, und Hermes zieht nun mit Verspätung nach.
Neue Mini-Drucker für Hermes-Zusteller
Hermes investiert schätzungsweise mehr als eine Million Euro in mobile Drucker für seine Zusteller. Wie die Hermes-Pressestelle bestätigte, sollen bundesweit alle Zusteller schrittweise mit Geräten des Herstellers Bixolon ausgestattet werden.
Ein Hermes-Zusteller sagte gegenüber Paketda, dass die Drucker im Moment nur Benachrichtigungskarten ausgeben können und (noch) keine Paketaufkleber. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass diese Funktion später ergänzt wird. Dann könnten Zusteller Paketlabel direkt beim Kunden an der Haustür drucken, ohne dass Versender selbst einen Drucker benötigen.
Theoretisch wäre sogar denkbar, dass Hermes künftig einen labelfreien Versand an Paketstationen ermöglicht. Dafür wäre jedoch eine Kooperation mit einem Anbieter offener Paketstationen mit dichtem Standortnetz erforderlich (z.B. Myflexbox und/oder DeinFach). Ein eigenes, flächendeckendes Netz an Hermes-Paketstationen aufzubauen, erscheint angesichts der hohen Investitionskosten unwahrscheinlich.
Die mobilen Drucker von Bixolon kosten im Handel je nach Modell etwa 200 bis 250 Euro netto pro Stück. Hermes beschäftigt rund 10.500 Zusteller in Deutschland, so dass unter Berücksichtigung von Mengenrabatten ein Einkaufspreis von 150 Euro pro Stück möglich erscheint. Daraus ergäbe sich grob überschlagen eine Investitionssumme von 1,6 Millionen Euro. Für die Hermes Germany GmbH, die finanziell seit Jahren unter Druck steht, ist das eine bemerkenswerte Investition.
Anders als beim Livetracking kommt Hermes mit den Mini-Druckern immerhin nicht verspätet. Bislang hat nur DHL alle Zusteller mit solchen Geräten ausgestattet. Bei Wettbewerbern wie DPD, GLS oder UPS sind mobile Drucker bislang nicht im Einsatz.
Insgesamt sind die Neuerungen bei Hermes positiv zu bewerten. In den vergangenen Jahren gab es im Bereich Empfängerservices quasi keine Innovationen bei Hermes. Stattdessen wurde nur die Sendungsverfolgung verschlimmbessert (was inzwischen zum Glück rückgängig gemacht wurde). Das Livetracking und die Einführung mobiler Drucker könnten jetzt ein Zeichen dafür sein, dass Hermes wieder stärker in Service und Technik investiert.
Nachtrag vom 15.04.2026: Hermes hat weitere Infos zu den Druckern veröffentlicht.