Die Masche mit italienischer Urlaubspost via San Marino

Mit GPS in Italien abgeschickte Postkarte, die in San Marino gestempelt wurde
Das Porto für eine Postkarte aus Italien nach Deutschland kostet zurzeit 1,15 Euro (Quelle). Doch viele Touristen bezahlen aus Unwissenheit zu viel, wenn sie in einem beliebten Urlaubsort wie Rom, Venedig oder Florenz Briefmarken kaufen.

Denn in diesen Urlaubshochburgen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, in Kiosken nicht die offiziellen Briefmarken von Poste Italiane zu bekommen sondern Briefmarken des privaten Postunternehmens "Globe Postal Service". Der GPS abgekürzte Postdienst berechnet 1,30 Euro für innereuropäische Sendungen und wirbt mit mehr als 2.000 Annahmestellen in Italien. Wie gesagt hauptsächlich in Touristen-Hochburgen.

► Zum Vergleich: In Venedig verfügt die Poste Italiane über 10 Verkaufsstellen, von denen die Hälfte nur vormittags geöffnet hat. GPS hat hingegen mehr als 80 Annahmestellen. Quelle: globepostalservice.com.

Mutmaßlich erhalten die Ladeninhaber, die GPS-Briefmarken verkaufen, eine höhere Provision als beim Markenverkauf für die staatliche italienische Post. GPS-Marken für den innereuropäischen Versand kosten 1,30 Euro Porto. Vor einigen Jahren war der Preisunterschied noch krasser: Da berechnete die italienische Post nur 95 Cent für eine EU-Postkarte und GPS damals schon 1,30 Euro.

Und nun kommt Trick 17, denn GPS hat quasi kein eigenes Beförderungsnetz. Die logistische Eigenleistung besteht im Leeren der GPS-Postkästen, die sich in jeder Verkaufsstelle befinden, dem Bündeln der Postkarten und dem Transport in den Zwergstaat San Marino (30.000 Einwohner). In San Marino übergibt GPS die gesammelten Sendungen an die dortige Poste San Marino, die sie wiederum an die Postgesellschaften der jeweiligen Zielländer weiterleitet.

Die Poste San Marino kann recht kosteneffizient arbeiten, weil für ein Staatsgebiet von 61 Quadratkilometern keine große postalische Infrastruktur benötigt wird. Das schlägt sich dann in preiswertem Porto nieder, von dem die GPS-Post mutmaßlich profitiert.

Dem Preiskalkalkulator unter www.poste.sm zufolge kostet eine internationale Postkarte der Poste San Marino im Tarif "Posta Economy (Estero)" nur 39 Cent. Voraussetzung ist eine Mindestversandmenge von 500 Stück.

Dass GPS bei der Poste San Marino Mengenrabatte erhält, lässt sich auch aufgrund der langen Lieferzeiten vermuten. Im Paketda-Selbstversuch betrug die Lieferzeit ca. 3 Wochen. In Onlineforen berichten andere Nutzer von ähnlich langen Lieferzeiten (siehe z.B. philaseiten.de und abenteuereuropa.de). GPS sammelt die Sendungen mutmaßlich solange, bis die rabattierte Mindestmenge für Großversender erreicht ist.

Postkasten von GPS in Italien
Jede GPS-Briefmarke verfügt über eine Sendungsnummer mit aufgedrucktem QR-Code. Der Sendungsstatus lässt sich angeblich mit einer Smartphone-App oder auf der GPS-Website abfragen. Andere Nutzer bemängeln, dass dies nicht funktioniert. Im Paketda-Selbstversuch gab es zwar drei Statusmeldungen, die sind aber bis aufs Bearbeitungsdatum ohne jede Aussagekraft.

Tracking der italienischen GPS-Post
GPS hat außerdem damit zu kämpfen, dass einige Kunden ihre Karten fälschlicherweise in Kästen von Poste Italiane einwerfen. Im Jahr 2014 erwirkte GPS deshalb einen Beschluss bei der italienischen Post-Aufsichtsbehörde (AgCom), wodurch Poste Italiane zur Rückgabe falsch eingeworfener Sendungen an GPS verpflichtet wurde. Quelle: www.agcom.it.


► Fazit: Wer nicht möchte, dass Empfänger ewig und 3 Tage auf Urlaubspost aus Italien warten müssen, sollte keine GPS-Briefmarken verwenden. Auch die mäßige Sendungsverfolgung rechtfertigt den Preisaufschlag nicht. Zugutehalten kann man GPS nur das sehr dichte Netz von Verkaufsstellen und Briefkästen. Postämter und Postkästen von Poste Italiane sind in Urlaubsorten deutlich in Unterzahl und haben zudem oft nur vormittags geöffnet.

Der WDR beleuchtet das Phänomen in einem vergleichbaren Fall aus Spanien und warnt vor den privaten Postunternehmen EASY POST, FRIENDPOST und Post By Me.


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