GLS-Projekt in Berlin: Parcelshuttle wirbt um Studenten als Zusteller

Screenshot der Parcelshuttle-Website


Im September berichtete Paketda über die Aussage von Rico Back (früherer Chef von GLS und jetzt von Royal Mail), dass GLS in Berlin einen Pilotversuch durchführt, um den Personalmangel zu bekämpfen. Wörtlich sagte Back im Interview mit welt.de :

"Dort stellen wir Studenten zum Stundenlohn von zwölf Euro ein, die an einer definierten Stelle in der Stadt einen fertig beladenen Paketwagen abholen und die Pakete zustellen. Die Stundenzahl, die sie arbeiten wollen, ist vorher vereinbart. Alles funktioniert über eine App."

Die Website parcelshuttle.de zeigt nun im Detail, wie GLS die neue Art der Paketzustellung organisiert. Auf der Website können sich Studenten für einen Nebenjob als Zusteller bewerben. Es handelt sich um eine Festanstellung, also um keine selbstständige Tätigkeit als Subunternehmer.

Parcelshuttle erwartet von einem Zusteller im Wochendurchschnitt 2 Schichten à 4 Stunden (oder mehr). Es gibt eine Vormittagsschicht von 11 bis 15 Uhr sowie eine Abendschicht von 16 bis 20 Uhr. Jeder Kurier kann selbst festlegen, zu welchen Zeiten und in welchem Stadtteil Berlins er arbeiten möchte. Die gewünschten Arbeitszeiten müssen mindestens zwei Wochen im Voraus über die Parcelshuttle-Webseite gebucht werden.

Zum Schichtbeginn geht der Zusteller zum Lieferwagen, der im jeweiligen Auslieferbezirk geparkt ist, und öffnet ihn per Smartphone-App. Die Auslieferroute wird vermutlich auf einem im Fahrzeug fest installierten Navigationsgerät angezeigt, das im nachfolgenden Video erkennbar ist.

Laut Parcelshuttle müssen die Zusteller keine schweren und sperrigen Pakete ausliefern. Auch die Lieferwagen haben Normalgröße, so dass kein aufwändiges Eingewöhnen notwendig ist und die Parkplatzsuche nicht erschwert wird.

Parcelshuttle wird von der GLS eCom Lab GmbH betrieben, einem vor zwei Jahren gegründeten Tochterunternehmen der GLS Beteiligungs GmbH (Quelle: northdata.de). Auf der Parcelshuttle-Website wird GLS kaum erwähnt. Das neue Geschäftsmodell soll wohl absichtlich unter neutraler Marke getestet werden, um bei Bewerbern keine Assoziationen zu einem "gewöhnlichen" Paketdienst und dessen Arbeitsbedingungen aufkommen zu lassen.

Offizieller Firmensitz der GLS eCom Lab GmbH ist Neuenstein. Das operative Geschäft wird aber von Berlin aus betrieben. Laut Parcelshuttle-Website werden Zusteller zum Bewerbungsgespräch in ein Büro am Potsdamer Platz eingeladen. Das Liefergebiet ist ebenfalls auf Berlin beschränkt.

Der Interface-Designer Eduard Warkentin veröffentlichte auf seiner Website einige Prototyp-Designs für eine geplante aber offenbar nicht realisierte Parcelshuttle-Website. Auf den Entwürfen kann man erkennen, dass Parcelshuttle gegen Gebühr Pakete aus Paketshops abholen wollte, um sie zur Wunschzeit den Kunden nach Hause zu bringen. Möglicherweise wurde die Idee nicht umgesetzt, weil der Kunde per Fingerunterschrift eine Abholvollmacht erteilen sollte. Paketshops verlangen jedoch normalerweise eine Originalvollmacht auf Papier, bevor sie ein Paket einem Dritten aushändigen.


Auch interessant: Bei einer Googlesuche nach "GLS eCom Lab" erscheint die Website www.packenda.com. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine Sendungsverfolgung für Vielbesteller und Vielversender. Damit lassen sich Pakete vieler unterschiedlicher Paketdienste im Blick behalten.


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