Was Paketda kürzlich als Gerücht meldete, hat die Deutsche Post nun gegenüber der DPA bestätigt: Wer einen schnellen Brief versenden will, muss ab 2025 die Versandart Einschreiben nutzen.
Das ist mit einem heftigen Preisaufschlag verbunden: Aktuell verlangt die Post für ein Einwurf-Einschreiben 2,35 Euro Aufpreis, so dass ein Standardbrief insgesamt 3,20 Euro Porto kostet. Werden Kunden bereit sein, so viel Geld für eine schnellere Zustellung zu bezahlen? Noch im Oktober 2023 erklärte Vorstandsmitglied Nikola Hagleitner in der Welt am Sonntag:
"Der Prio-Brief müsste höher liegen als das aktuelle Porto, aber wir reden nicht über eine Verdoppelung des Preises."
Doch nun scheint genau das Gegenteil zu passieren. Angenommen, gewöhnliche (langsame) Briefe werden ab kommendem Jahr 95 Cent Porto kosten, dann wäre ein schnelles Einschreiben mindestens drei Mal so teuer! Es sei denn, die Deutsche Post würde das Porto für Einschreiben unerwartet stark absenken. Das ist angesichts des höheren Aufwands bei der Zustellung jedoch unwahrscheinlich.
Die Änderung der Brieflaufzeiten hängt mit dem neuen Postgesetz zusammen. Die Lieferzeit normaler Briefe wird ab 2025 auf 3-4 Werktage verlängert. Eine schnellere Versandart anzubieten, ist eine freiwillige Leistung der Post.
Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass viele Kunden auf teure Versandoptionen verzichten. Dort werden nur 28 Prozent der Briefe als schnelle A-Post verschickt. Die meisten Versender geben sich mit der günstigeren und langsameren B-Post zufrieden.
Sind längere Zustellzeiten zumutbar?
Eine aktuelle, repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Post zeigt, dass viele Kunden längere Zustellzeiten akzeptieren:
- 44 Prozent der Befragten halten eine Zustellung innerhalb von 2 Werktagen für akzeptabel.
- 43 Prozent akzeptieren 3 Werktage.
- 12 Prozent empfinden eine Zustellung von 4 Werktagen als akzeptabel (vor allem jüngere Befragte und Wenigversender)
Interessant ist, dass Selbständige und Vielversender (mehr als 10 Briefe pro Jahr) überdurchschnittlich häufig eine Zustellung innerhalb von maximal 2 Werktagen verlangen. Für diese Zielgruppe dürfte das Einschreiben als schnelle, teure Versandoption ein deutlicher Nachteil sein.
Fazit
Es bleibt abzuwarten, ob die Strategie der Deutschen Post aufgeht, das Einschreiben als schnelle Versandart zu etablieren. Die Kosten werden Vielversender erheblich belasten. Gerade für Unternehmen, die auf schnelle Kommunikation angewiesen sind, könnten die hohen Portokosten ein Anlass sein, ihre Prozesse weiter zu digitalisieren. Zumal ab 2025 die E-Rechnungspflicht zwischen Unternehmen eingeführt wird.