DHL erweitert seinen bisherigen Energiezuschlag für Geschäftskunden um eine zusätzliche kurzfristige Komponente. Hintergrund seien geopolitische Krisen, volatile Energiemärkte und steigende Kosten entlang der Transportkette. Die neue Regelung gilt ab dem 1. Juni 2026. Für Privatkunden-Versender ändert sich hingegen nichts.
Wie DHL in einer E-Mail an Geschäftskunden mitteilt, bleibt der bisherige Energiezuschlag zunächst weiterhin stabil. Gleichzeitig führt das Unternehmen jedoch einen zusätzlichen Mechanismus ein, der kurzfristige Marktverwerfungen abbilden soll.
Die neue Komponente wird zusätzlich zum bestehenden Energiezuschlag erhoben. DHL begründet dies damit, dass der bisherige Zuschlag vor allem langfristige und schrittweise Veränderungen bei Diesel-, Strom- und Gaspreisen berücksichtige.
Die aktuelle Marktlage führe jedoch zu weiteren Belastungen, die bislang nicht abgedeckt seien. Genannt werden unter anderem:
- Kapazitätsengpässe im Transportmarkt
- Risikoaufschläge von Transportdienstleistern
- zusätzlicher Dispositions- und Planungsaufwand
- kurzfristig steigende Beschaffungskosten
Damit erweitert DHL den bisherigen Energiezuschlag faktisch um eine Art Krisen- bzw. Marktstabilisierungszuschlag. Die neue Komponente kann deutlich häufiger angepasst werden als der bisherige Energiezuschlag. Laut DHL sind Änderungen künftig jeweils zum 1., zum 11. und zum 21. eines Monats möglich.
Der Zuschlag orientiert sich am Ölpreis der Nordseesorte Brent. Dieser dient DHL nach eigenen Angaben als "Krisenindikator". Die maximale Höhe richtet sich nach dem durchschnittlichen Brent-Preis:
| Brent-Ölpreis | Maximaler Zuschlag |
|---|---|
| bis 70 € | 0% |
| über 70 € bis 75 € | bis zu 1,5% |
| über 75 € bis 80 € | bis zu 2,0% |
| über 80 € bis 85 € | bis zu 2,5% |
| über 85 € | bis zu 3,0% |
DHL betont in der Mitteilung mehrfach, dass das Unternehmen durch Investitionen in Elektromobilität und Dekarbonisierung bereits weniger abhängig von fossilen Energieträgern sei. Gleichzeitig verweist DHL jedoch darauf, dass man kurzfristig weiterhin von den aktuellen Marktverwerfungen betroffen sei.
Für Geschäftskunden bedeutet die Änderung vor allem eine geringere Planbarkeit der Versandkosten. Während DHL Paket Deutschland bislang stabile Energiezuschläge hatte, schafft das Unternehmen nun erstmals einen flexibleren Krisenmechanismus mit mehreren möglichen Anpassungsterminen pro Monat.
Zudem fällt auf: Die neue Komponente soll ausdrücklich nicht nur direkte Energiekosten abdecken, sondern auch indirekte Effekte wie Risikoaufschläge und Kapazitätsprobleme im Transportmarkt.
Damit bewegt sich DHL strukturell näher an dynamische Zuschlagsmodelle heran, wie sie bei UPS, FedEx, GLS oder nun auch DPD bereits üblich sind.
Mehr infos: www.dhl.de/energiezuschlag.
Vielen Dank an Paketda-Leser Taddeo B. für den Hinweis.
Diesel-Aufschläge schnellen hoch: DPD mit Krisenzuschlag
So berichtete Paketda am 13.04.2026
Treibstoffzuschläge bei Paketdiensten erreichen derzeit neue Höhen. Im internationalen Expressgeschäft liegen die Aufpreise bereits bei fast 50 Prozent. Parallel dazu führt DPD einen neuen Dieselzuschlag für außergewöhnliche Marktentwicklungen ein.
Bei internationalen Expresssendungen haben sich die Zuschläge innerhalb weniger Wochen stark erhöht. FedEx verlangt aktuell einen Treibstoffzuschlag von 48,5% auf internationale Sendungen. Rechenbeispiel: Ein Paket mit 100 Euro Basispreis kostet durch den Treibstoffzuschlag 148,50 Euro Porto. Vor Kriegsbeginn waren es lediglich 132,50 Euro (32,5% Treibstoffzuschlag).
Auch UPS liegt inzwischen auf einem ähnlichen Niveau. Für Expresssendungen innerhalb und außerhalb der EU beträgt der aktuelle Zuschlag ebenfalls 48,5%. Bei UPS-Standardpaketen beträgt der Zuschlag 30%.
Bei DHL Express stieg der Treibstoffzuschlag Air innerhalb weniger Wochen von 39% (Kalenderwoche 15) auf 47,75% (Kalenderwoche 17) an. Beim Express-Straßentransport gibt es eine Steigerung von 27,5% auf 36,5%. Der Zuschlag gilt übrigens nicht nur für den reinen Transportpreis, sondern er verteuert auch zahlreiche weitere Gebühren, wie z.B. Zusatzhandling, Übergrößenzuschläge oder Samstagszustellungen.
So funktioniert der Emergency Fuel Surcharge bei DPD
DPD kündigte an, ab dem 1. Mai 2026 einen Zuschlag namens "Emergency Fuel Surcharge" (EFS) einzuführen. Dieser Zuschlag wird zusätzlich zum bereits bestehenden DPD-Energiezuschlag fällig. Das Unternehmen begründet ihn wie folgt:
"Geopolitische Konflikte und Krisen führen zunehmend zu kurzfristigen und teilweise erheblichen Schwankungen der Treibstoffpreise. Diese Entwicklungen haben direkte Auswirkungen auf die Kosten in der Transport- und Logistikbranche. Da diese außerhalb des Einflussbereichs von DPD liegen, sind wir gezwungen, unsere Kunden an den Kosten zu beteiligen."
Der EFS-Zuschlag lässt außergewöhnliche Kraftstoff-Preissteigerungen schneller in die Transportpreise einfließen als der bisherige Energiezuschlag. Der EFS-Zuschlag greift, sobald der durchschnittliche Netto-Dieselpreis über 1,35 Euro pro Liter liegt. Grundlage ist der vom ADAC veröffentlichte Durchschnittspreis für Diesel. Für jede weitere Erhöhung des Dieselpreises um fünf Cent steigt der Zuschlag um 0,29125 Prozentpunkte. Ausgangspunkt für die Berechnung ist der Dieselpreis des vorletzten Monats.
DPD veröffentlicht die jeweils gültige Höhe des Zuschlags monatlich im Voraus auf seiner Website. Sollte sich das Preisniveau an den Energiemärkten wieder entspannen, sinkt der Aufschlag automatisch bis auf null Prozent.
Laut Zuschlagstabelle könnte der Aufpreis bei sehr hohen Dieselpreisen auf rund 9,6% steigen. Der Zuschlag wird prozentual auf den Netto-Frachtpreis sowie auf zahlreiche weitere Zuschläge berechnet.
Der Paketdienst GLS hat seinen Energieaufschlag zuletzt ebenfalls erhöht. Während der Zuschlag Anfang 2026 noch bei 22% lag, beträgt er seit April 29,5%. Deutlich niedriger fällt der Energiezuschlag bei DHL Paket Deutschland aus. Dort liegt der Aufschlag derzeit konstant bei 1,25% und hat sich seit Mitte 2025 nicht verändert.
Dieselpreise: Paketdienste fordern Entlastung, kassieren aber Treibstoffzuschläge
So berichtete Paketda am 06.03.2026
Mehrere deutsche Logistikverbände schlagen wegen steigender Kraftstoffpreise Alarm. So fordert u.a. der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX) von der Bundesregierung kurzfristige Maßnahmen zur Entlastung der Branche.
Die Verbände argumentieren, dass hohe Dieselpreise Unternehmen entlang der gesamten Logistikkette stark belasten. Wenn Transportkosten steigen, wirke sich das zwangsläufig auf Preise für Wirtschaft und Verbraucher aus. Gefordert wird deshalb eine zeitlich begrenzte Entlastung. Der Staat solle auf steuerliche Zusatzeinnahmen verzichten.
Allerdings stellt sich die Frage, wie stark Paketdienste tatsächlich von steigenden Dieselpreisen betroffen sind. In der Branche ist es üblich, steigende Energiekosten über variable Zuschläge an Geschäftskunden weiterzugeben.
Wie stark diese Zuschläge ausfallen, hängt vom jeweiligen Berechnungsmodell ab. Ein direkter Vergleich zwischen den Paketdiensten ist schwierig, weil unterschiedliche Basisjahre, Energieindizes und Berechnungsmodelle verwendet werden.
FedEx hat besonders schnell auf die höheren Spritpreise reagiert. Dort wird der Treibstoffzuschlag wöchentlich angepasst und liegt aktuell bei rund 35 Prozent. Ende Februar lag er noch bei 32,5 Prozent (Quelle).
GLS und DPD haben für März noch keinen aktuellen Treibstoffzuschlag veröffentlicht. DHL hat auf seiner Website bereits den Energiezuschlag für April 2026 ausgewiesen; er steht seit einem Jahr unverändert bei 1,25 Prozent.
Gegenüber Geschäftskunden geben alle Paketdienste steigende Energiekosten also über variable Preisbestandteile weiter. Die unmittelbare Mehrbelastung tragen daher die Absender bzw. Versandhändler und nicht die Paketdienste. Vor diesem Hintergrund wirkt der Ruf nach staatlicher Entlastung wenig überzeugend.
Quelle: bpex-ev.de