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Einigung in Kanada: DHL Express zahlt 15,75% mehr Lohn

Nach knapp drei Wochen Aussperrung und Streik haben sich DHL Express in Kanada und die Gewerkschaft Unifor auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Mit einer Zustimmung von 72% ratifizierten die rund 2.100 betroffenen Beschäftigten am 28. Juni 2025 ein vierjähriges Abkommen. Der Betrieb wird laut DHL ab dem 30. Juni schrittweise wieder aufgenommen.

Der neue Tarifvertrag sieht eine Lohnerhöhung um insgesamt 15,75% vor (Unifor hatte ursprünglich 22% gefordert). Zudem profitieren die Mitarbeiter von Verbesserungen bei Rentenansprüchen, Krankenversicherungsleistungen, mentaler Gesundheitsvorsorge sowie neuen Regelungen zum Umgang mit KI und Automatisierung. Für selbstständige Fahrer wurde ein neues Vergütungsmodell eingeführt.

Der Arbeitskonflikt war der erste große Praxistest für das neue kanadische Gesetz Bill C58, das während eines Streiks den Einsatz von Ersatzarbeitskräften untersagt. Dadurch war DHL Express gezwungen, den Betrieb in Kanada komplett einzustellen. Die Unifor-Gewerkschaft wertet die jetzt erzielte Einigung als "historisch" und sieht darin ein starkes Signal für die Wirksamkeit des neuen Arbeitsrechts.

Pakete, die sich während des Streiks angestaut haben, sollen in den kommenden Tagen abgearbeitet werden. Unifor dankte der Öffentlichkeit für die Geduld.



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Kanada: DHL Express stoppt Betrieb im ganzen Land

So berichtete Paketda am 17.06.2025

© Unifor, x.com
Streikende bei DHL Express in Kanada

DHL Express stellt ab dem 20. Juni 2025 den Betrieb in Kanada ein. Bereits ab dem 17. Juni um 21:00 Uhr nimmt DHL Express keine neuen Sendungen mehr für das Land an. Hintergrund ist ein Arbeitskampf mit der kanadischen Gewerkschaft Unifor und ein neues Gesetz, das den Einsatz von Ersatzpersonal während eines Streiks verbietet.

Die Gewerkschaft Unifor vertritt bei DHL Express Canada rund 2.100 Beschäftigte, darunter festangestellte Fahrer, Lagerpersonal, Bürokräfte sowie selbstständige Fahrer mit eigenen Fahrzeugen. Die Tarifverhandlungen mit DHL laufen bereits seit Oktober 2024 und blieben bislang ohne Einigung.

Unifor fordert:

  • 22% mehr Lohn für angestellte Fahrer
  • 42% höhere Vergütung für Owner-Operator-Fahrer (Selbstständige)
  • Verbesserte Arbeitsbedingungen, etwa Zugang zu Sanitäranlagen, Schutz vor automatisierter Überwachung und faire Subunternehmer-Regelungen

DHL legte ein Gegenangebot mit 15% Lohnerhöhung über fünf Jahre vor, was die Gewerkschaft jedoch ablehnte. Anfang Juni rief DHL seinerseits eine Aussperrung aus: Unifor-Mitglieder wurden ab dem 8. Juni 2025 von der Arbeit ausgeschlossen. Die Gewerkschaft reagierte mit einem offiziellen Streik.

Die Eskalation in Form einer Betriebsunterbrechung folgte durch das neue kanadische Gesetz Bill C58. Es verbietet Arbeitgebern in bundesregulierten Branchen (auch DHL Express gehört dazu), während eines legalen Streiks oder einer Aussperrung Ersatzkräfte einzusetzen (z.B. Zeitarbeiter, Subunternehmer).

Bislang hatte DHL Express den Betrieb mit Ersatzpersonal weitergeführt, doch das ist ab dem 20. Juni nicht mehr möglich. Es drohen Bußgelder von bis zu 100.000 kanadischen Dollar pro Tag. Um sich rechtskonform zu verhalten, stoppt das Unternehmen daher die Express-Sparte. Nicht betroffen sind die Konzernsparten DHL Global Forwarding, DHL Supply Chain und DHL eCommerce Solutions.

Auch DHL-Standardpakete nach Kanada sind weiterhin möglich, weil die Zustellung durch Canada Post erfolgt. Allerdings steckt Canada Post auch in schwierigen Tarifverhandlungen und spürt zurzeit die Auswirkungen eines Überstundenverbots. Kein Mitarbeiter darf mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Laut eigenen Angaben verzeichnete Canada Post einen Rückgang der Paketmengen um 65%, weil Kunden aufgrund der unsicheren Streiklage auf andere Dienstleister ausweichen.

Laut einem Bericht der Industrial Inquiry Commission (IIC) steht Canada Post kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Faktisch sei das Unternehmen insolvent oder bankrott. Ohne sofortige, schrittweise und durchdachte Reformen werde sich die finanzielle Lage weiter verschlechtern.

Die IIC wurde im Dezember 2024 vom kanadischen Arbeitsminister eingesetzt. Ziel der Kommission ist es, den Tarifkonflikt zwischen Canada Post und der Gewerkschaft CUPW aufzuarbeiten.


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