ZDF berichtet über Tricks von DHL-Zustellern

Am 17. Oktober 2018 berichtete das TV-Magazin "ZDFzoom" über verschiedene Missstände beim Paketdienst DHL. Die Reportage ist bis September 2019 hier in der ZDF-Mediathek verfügbar. Einen begleitenden Textbericht gibt es unter www.zdf.de/nachrichten/.

Nachdem das ZDF bereits 2017 mehrfach über DHL und die Paketdienst-Branche berichtete, wurde Reporter Arne Lorenz von betroffenen Postkunden, Paketzustellern und Subunternehmern angeschrieben. Mit denen hat sich der Reporter getroffen und dadurch tiefe Einblicke in das System DHL gewonnen. Nachfolgend einige zusammengefasste Themen aus dem TV-Beitrag.

Versandhändler Karsten Groll vertreibt Bücher und Tonträger. Beinahe täglich rufen ihn wütende Kunden an, weil sie ihre Bestellungen nicht erhalten. "Seit Jahren stellen wir fest, dass die Zustellqualität schlechter und schlechter wird.", so Groll. "Ich telefoniere mit den Kunden, warum die Sendungen zurückkommen. Und sie bestätigen mir alle: sie sind weder benachrichtigt worden, sie bestätigen, dass die Adresse stimmt, dass niemand geklingelt hat, obwohl sie zu Hause sind. Das ist in einer Regelmäßigkeit, das ist nicht vorstellbar."

Für den Händler ist besonders ärgerlich, dass viele Kunden die Bestellung bei Lieferproblemen widerrufen. In solchen Fällen bleibt der Händler auf den Portokosten für den Hin- und Rückversand sitzen; macht also Verlust. "Mit den Nerven am Ende, überlegt Groll, rechtliche Schritte einzuleiten.", heißt es im ZDF-Beitrag.

ZDF-Reporter Arne Lorenz durfte geheim bei einem DHL-Zusteller mitfahren und erkundigte sich bei ihm über die Arbeitsbedingungen. Es herrsche großer Zeitdruck aufgrund der Menge der Pakete. "Natürlich lernst du auch ein paar Tricks, zum Beispiel Auslisten mit dem Scanner.", berichtet der Zusteller, der in der Reportage nur anonym in Erscheinung tritt. "Oder du machst einfach ein Paket kaputt, dann geht es auch zurück.", so der Zusteller weiter.

Bei Minute 8 im Beitrag wird anhand eines Praxisbeispiels gezeigt, wie das sogenannte Auslisten funktioniert. Ohne echten Zustellversuch wählt der Bote im Handscanner einen Grund für die Nichtzustellung aus. Ein Etikett wird gedruckt, aufs Paket geklebt und "zack, schon habe ich ein Paket weniger."

Das ZDF hat der Deutschen Post DHL die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben und als Antwort bekommen, dass dem Konzern "weder Tricksereien noch die beschriebenen Verhaltensweisen von Mitarbeitern in der Paketzustellung bekannt" seien.

Indirekt räumt die Deutsche Post das Problem unzustellbarer Sendungen jedoch ein. In einer Pressemitteilung erklärt Petra Weber, Geschäftsführerin von Deutsche Post Direkt: "Unzustellbare Adressen sind für Unternehmen ein echtes Problem, weil sie unnötige Kosten verursachen. Im schlimmsten Falle riskieren sie einen Abbruch der Kundenbeziehung." Das Tochterunternehmen der Deutschen Post verkauft u.a. Adresskorrekturen und hat in einer internen Auswertung festgestellt, dass durchschnittlich 16,4 Prozent der Kundenadressen eines Unternehmens fehlerhaft sind.

Die ZDF-Reportage widmet sich auch dem Thema Subunternehmer (Servicepartner), die Tourenfahrten wiederum an andere Subunternehmer weitergeben. Wenn die Mitarbeiter von Sub-Sub-Unternehmern als Selbstständige arbeiten, sei eine Vergütung unter Mindestlohn möglich. Im ZDF-Beitrag berichtet ein solcher Mitarbeiter, dass ihm sein Chef 7 Euro pro Stunde bar auszahle.

Die Deutsche Post DHL sagt dazu, dass die Verantwortung für die Gestaltung der Arbeitsbedingungen beim Servicepartner und seiner Zuständigkeit als Arbeitgeber liege. Der Konzern verpflichte seine Servicepartner zur Einhaltung aller gesetzlichen Regelungen. Das gelte auch für eingesetzte Nachunternehmer.

Der Screenshot aus der ZDF-Mediathek zeigt, wie ein DHL-Zusteller ein Paket "auslistet" und dafür einen Grund im Handscanner auswählt. Interessant ist der Nichtzustellungsgrund "Beschlagnahme / Postsperre", der im Bild nur halb sichtbar ist. Eine Postsperre kann von einem Insolvenzgericht angeordnet werden, wenn an einen zahlungsunfähigen Schuldner keine Post mehr zugestellt werden soll - sondern stattdessen an einen Insolvenzverwalter. Quelle: Wikipedia.

Nichtzustellungsgründe in einem DHL-Handscanner


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