Alternativen zur Warenpost International

Die Versandart Warenpost International wurde zum 1.7.2022 in das DHL-Geschäftskundenportal integriert. Das Produkt kann nur noch von Kunden gebucht werden, die mindestens 200 Pakete pro Jahr verschicken und einen Vertrag mit DHL abgeschlossen haben. Außerdem wurden Haftung, Höchstgewicht und -maße reduziert.

Für Sendungen mit 1 bis 2 kg Gewicht ist DHL Päckchen International eine gute Alternative. Es darf bis 90 cm groß sein (Summe aus Länge, Breite, Höhe).

► Für kleine, leichte Sendungen können sich Firmenkunden bei privaten Briefdiensten nach Möglichkeiten zum internationalen Warenversand erkundigen. Das Berliner Unternehmen PIN Mail arbeitet bei Auslandspost beispielsweise mit Spring GDS zusammen. Preisliste unten auf dieser Website: www.pin-ag.de. Auch in anderen Regionen Deutschlands gibt es private Briefdienste, die evtl. in Kooperation mit einem größeren Netzwerkpartner den Versand ins Ausland ermöglichen.

► Wer im Großraum Köln wohnt, kann vielleicht direkt im Sortierzentrum von Spring GDS in Pulheim einliefern. Infos: spring-gds.com.

► Ein weiterer Anbieter ist Austrian Post International. Versandhändler können ihre Warensendungen in Deutschland einliefern. Anschließend werden sie übers Netzwerk der Österreichischen Post in die Zielländer transportiert. Mindestmenge: 100 Sendungen pro Einlieferung.

► Das Unternehmen Pakajo bietet eigenen Angaben zufolge weiterhin die "alte" Warenpost mit Umlaufmaß 900mm an. Tracking kann optional hinzugebucht werden. Sendungen können bei Pakajo in Hamburg eingeliefert werden oder werden beim Absender abgeholt. Weitere Standorte sollen in Köln/Bonn, Frankfurt und Nürnberg eröffnet werden (Quelle).


Hintergrundinfos zu den Änderungen

Die "neue" Warenpost International wird zwar unter der Marke DHL angeboten, im Hintergrund erfolgt die Beförderung aber wie bisher über die Briefnetze der Deutschen Post und der internationalen Post-Partnergesellschaften.

Gegenüber Stern.de sagte ein Pressesprecher der Post, dass auf die Kritik von Schallplattenhändlern keine Rücksicht genommen werden könne. Die hatten zuvor massive Preissteigerungen beklagt. Auch die Bundesnetzagentur kann gegen die neue Warenpost International nichts unternehmen, weil diese Versandart nicht der gesetzlichen Regulierung unterliegt.


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Kunden verärgert über fehlende Einlieferungs-Scans

Bei sellerforum.de, einem Forum für Onlinehändler, wird seit 1.2.2022 häufig beklagt, dass Warenpost International in Postfilialen nicht mehr gescannt wird.

Der erste Scan von Warenpost International soll im Briefzentrum erfolgen, doch das klappt nicht zuverlässig. Folge: Onlinehändler können gegenüber ihren Kunden den Warenversand nicht nachweisen. Marktplätze wie eBay oder Amazon entscheiden dann im Zweifelsfall zu Gunsten des Kunden und erstatten den Kaufpreis zurück.

Ein Nutzer schrieb an Paketda, dass die Software in Postfilialen keinen Scan mehr ermöglicht. Der Filialmitarbeiter habe versucht, Warenpost International zu scannen, aber es erschien eine Fehlermeldung, dass kein Scan möglich sei.

Bis zum 30.06.2022 existierten zwei verschiedene Warenpost-Varianten nebeneinander: Die alte Variante der Deutschen Post und und die neue Variante von DHL. Eigentlich soll der Einlieferungsbeleg nur bei der neuen DHL-Variante entfallen. Bei der Systemumstellung hat die Post als Kollateralschaden wohl in Kauf genommen, dass auch für die alte Variante keine Scans / Einlieferungsbelege mehr möglich sind.

Im Paketda-Forum meldete sich außerdem eine Kundin, weil ein von ihr gekauftes DHL Päckchen XS EU mit Nachweis in der Filiale nicht gescannt wurde. Das Päckchen-Label ähnelt dem Warenpost-Label, weil sich vor dem Strichcode ein großes L befindet.

Bei einem Paketda-Test wurde ein DHL Päckchen XS EU in der Filiale problemlos gescannt. Im Briefzentrum erfolgte jedoch kein Scan. Ein gleichzeitig versandtes DHL Päckchen XS Welt wurde in der Filiale und im BriefPaketzentrum gescannt; es trug ein R vor dem Strichcode.



Verschlechterungen bei Warenpost International

Auf der DHL-Website heißt es, dass die neue Warenpost International maximal 35,3 x 25 x 10 cm groß sein darf. Das Höchstgewicht wurde auf 1kg reduziert.

Die "alte" Warenpost International der Deutschen Post ermöglichte Sendungen bis max. 2 kg sowie Länge + Breite + Höhe bis 90 cm (Quelle). Das ist noch bis 30.06.2022 möglich. Anschließend müssen sich Kunden auf folgende Situation einstellen:

  • Starke Preiserhöhung für Sendungen unter 500 Gramm und über 35,3 x 25 x 10 cm, da DHL Päckchen oder DHL Paket gewählt werden muss.
  • Kein Versand mit Zustellung gegen Unterschrift ("Einschreiben").
  • Daher auch nur noch Haftung bei Warenpost International Premium (=Tracked) bis max. 20 EUR zzgl. Versandkosten.
  • Tracked mit Haftung nur in ausgewählte Länder verfügbar.
  • In andere Länder ist gar kein Versand mit Haftung mehr möglich, da "Warenpost mit Unterschrift" nicht mehr angeboten wird. Nur bei Warenpost mit Unterschrift wurde für Versand in alle Länder gehaftet.
  • Rücksendungen werden kostenpflichtig.

Außerdem entfällt die Option "Wert" für Warenpost International, weil nicht mehr "mit Unterschrift" möglich. Deutsche Post DHL bietet keine Höherversicherung für warentragende, briefartige Sendungen mehr an. Wertvolle Sendungen können nicht mehr kostengünstig im Briefstrom befördert werden, da keine entsprechende Versicherung angeboten wird.

Es ist nicht mal eine Zustellung gegen Unterschrift möglich. Das hat den Anschein, als wolle sich die Deutsche Post im großen Stile Haftungsrisiken entziehen.

Die Post bietet ab 1.7. generell keinen Warenversand mehr in bestimmte Länder in briefartigen Sendungen gegen Unterschrift an, weder für Privatkunden noch ab 1.7. für Geschäftskunden. Denn das klassische DHL-Päckchen International mit Versicherung ist insbesondere in der EU meistens nur Tracked und nicht gegen Unterschrift.

Noch unklar ist die Preisgestaltung der neuen DHL Warenpost International. Vielleicht gibt es Ländergruppen wie bei DHL Paket, so dass kein Einheitspreis gilt. Die Deutsche Post könnte dadurch höhere Kosten der Zielpostgesellschaft, wie z.B. beim Versand in die USA, an die Absender weitergeben.


Fazit

Unterm Strich bedeutet die Abschaffung der alten Warenpost International, dass die Deutsche Post die Tarifstrukturen für Privatkunden (Päckchenversand EU M notwendig bei Sendungen über Länge 35,3 cm, Breite 25,0 cm) nun auch bei Geschäftskunden durchdrücken will. Ein Päckchen EU M kostet wesentlich mehr als ein Brief bis 500 Gramm oder Warenpost S.

Geschäftskunden bekommen dabei "kulanterweise" eine Höhe von 10 cm eingeräumt, weil 3cm wie beim Päckchen XS für Geschäftskunden nicht praxistauglich wären.

Weil es sich um Geschäftskundenprodukte handelt, und der Warenversand in gewöhnlichen Briefen verboten ist, entzieht sich Deutsche Post DHL auch komplett der Preisregulierung durch die Regulierungsbehörde für den Warenversand im Briefstrom. Ausnahme: Nur DHL Päckchen bietet noch einen Preisbestandsschutz.


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