Noch im Mai 2024 befand sich die US-Gewerkschaft Teamsters in einer scharfen Auseinandersetzung mit DHL. Auf der DHL-Hauptversammlung in Bonn prangerten aus Amerika eingeflogene Gewerkschaftsmitglieder öffentlich die schlechten Arbeitsbedingungen bei DHL USA an. Es wurde kritisiert, dass amerikanische DHL-Beschäftigte deutlich schlechter behandelt würden als ihre deutschen Kollegen.
Überraschenderweise hat sich die Lage nun geändert: Im August 2024 erreichten Teamsters und DHL eine wichtige Einigung. Mehr als 1.300 Sortierarbeiter am DHL-Hub Cincinnati (CVG) traten Teamsters bei.
DHL erkennt freiwillig das Recht der Arbeiter auf Tarifverhandlungen an. Die Arbeiter profitieren nun von einem Tarifvertrag, der auch für über 1.100 CVG-Rampen- und Schlepperarbeiter gilt, die bereits im letzten Jahr Teamsters beigetreten waren.
Teamsters-Präsident Sean M. O'Brien lobte DHL für den Respekt, den das Unternehmen in dieser Angelegenheit gezeigt habe - eine Haltung, die die Gewerkschaft bei Amazon stark vermisst. Einer Pressemitteilung zufolge versucht Amazon, seine Mitarbeiter davon abzuhalten, sich Teamsters anzuschließen.
In Amazons benachbartem Luftfrachtdrehkreuz KCVG haben angeblich über 4.000 Beschäftigte seit Monaten Schwierigkeiten, grundlegende Gewerkschaftsrechte durchzusetzen. Teamsters-Präsident Sean M. O'Brien sparte bei der Bekanntgabe der DHL-Einigung nicht mit Seitenhieben gegen Amazon:
"Korrupte Amazon-Führungskräfte versuchen weiterhin, die Bemühungen der Arbeiter, sich gewerkschaftlich zu organisieren, zu verhindern, aber durch Solidarität und Entschlossenheit werden die Arbeiter am Ende immer gewinnen. Teamsters applaudiert DHL dafür, dass es seine Belegschaft in dieser Kampagne respektiert."
US-Gewerkschaft fliegt nach Deutschland, um gegen DHL zu demonstrieren
So berichtete Paketda im Mai 2024
Die DHL-Hauptversammlung in der vergangenen Woche nutzten Mitglieder der größten US-Gewerkschaft Teamsters, um in Bonn auf Missstände bei DHL USA aufmerksam zu machen. Teamsters kritisiert, dass amerikanische DHL-Mitarbeiter schlechter behandelt würden als ihre Kollegen in Deutschland.
Teamsters reichte auf der DHL-Hauptversammlung einen Antrag ein, "um die beschämenden Beschäftigungspraktiken von DHL, die Verletzung von Arbeitnehmerrechten und den Missbrauch des US-Arbeitsrechts durch das Unternehmen aufzuzeigen". Am DHL-Hub in Cincinnati (CVG) dürfen Sortierarbeiter die Toilette angeblich "nicht ohne Erlaubnis der Geschäftsleitung" benutzen. Außerdem kritisiert Teamsters die Regelungen zu Arbeitszeiten und Pausen.
Die Vorwürfe sind überraschend, denn eigentlich gelang Teamsters im Januar 2024 ein großer Erfolg. Für die Mitarbeiter am CVG-Hub wurde nach einem langen Streik erstmals ein Tarifvertrag abgeschlossen. Darin wurden Lohnerhöhungen vereinbart sowie höhere Renten- und Gesundheitsbeitragszahlungen durch DHL. Außerdem wurde ein Ausschuss für Arbeitssicherheit eingerichtet.
Trotzdem teilt Teamsters weiterhin scharf gegen DHL aus und bezeichnet es als "unethisches Unternehmen, das keinen Respekt vor den Arbeitern hat, die seine Führungskräfte so reich machen." Bill Hamilton von Teamsters: "Die Spitzenmanager von DHL in Deutschland ignorieren die Ausbeutung amerikanischer Arbeiter aus Profitgründen."
Schockierend war ein Fall vom April 2023. Damals berichteten internationale Medien über Ryan Doyen, einen DHL-Mitarbeiter in Cincinnati, der ein Gespräch zweier Manager mitbekam. Die Manager sollen das Hub als "Gefängnis" bezeichnet haben, die Mitarbeiter als "Insassen" und sich selbst als "Wärter", die das Gefängnis von den Insassen zurückerobert hätten. - DHL wollte diese Berichte weder bestätigen noch dementieren.
Ende April 2024 hat DHL Express in Chicago einer Zahlung von 8,7 Mio. US-Dollar zugestimmt, um einen seit 2010 schwelenden Rechtsstreit bezüglich der Diskriminierung schwarzer Mitarbeiter beizulegen. DHL soll ihnen absichtlich schwerere Pakete und gefährlichere Ausliefertouren (durch Viertel mit hoher Kriminalitätsräte) zugeteilt haben als weißen Mitarbeitern. Ein DHL-Sprecher sagte gegenüber Reuters, das Unternehmen nehme Diskriminierungsvorwürfe ernst und verfüge über Richtlinien, um dagegen vorzugehen, jedoch bestreitet DHL ein Fehlverhalten.
Quellen: Teamsters Pressemitteilung | theguardian.com | teamster.org | teamster.org | reuters.com