DHL Schweiz beendet das Privatkunden-Angebot dhlparcel.ch

Werbeplakat von DHL Parcel Switzerland im September 2018

Update vom 23. März 2019: Gegenüber NZZ am Sonntag bestätigte DHL-Pressesprecherin Sabine Hartmann die Einstellung des Privatkundenangebots: "DHL bietet in der Schweiz kein Standardpaket-Produkt für Privatkunden mehr an." DHL wolle sich auf "rentables Wachstum" fokussieren und überprüfe deshalb regelmäßig seine Geschäftsaktivitäten.

Im September 2018 trat DHL in das schweizerische Privatkundengeschäft ein und damit in Konkurrenz zur Schweizerischen Post (Paketda berichtete). Das Vorhaben wurde von einer großen Werbekampagne begleitet, in der DHL u.a. die Lieferung bis 20 Uhr bewarb und einen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber der Schweizerischen Post.

Auf der damals eingerichteten Website www.dhlparcel.ch konnten Privatkunden ihre Päckli online frankieren und anschließend in einem DHL-Servicepoint abgeben.

► Die Servicepoints existieren noch (vgl. locator.dhl.com), aber die Website www.dhlparcel.ch wurde vor einigen Tagen abgeschaltet. Privatkunden werden seitdem auf die Website von DHL Express Schweiz umgeleitet und können dort nur die teuren Expresspakete verschicken.

► Damit hat DHL in der Schweiz quasi eine Rolle rückwärts gemacht und den gleichen Zustand wie vor September 2018 geschaffen. Es gibt keine Standardpakete für Privatkunden mehr. DHL bewirbt nur noch den Expressversand.

Das eingestellte DHL-Privatkundenangebot unterschied folgende Preisklassen beim nationalen Versand (berechnet nach der Summe aus längster und kürzester Paketseite):

  • Paket S (bis 60cm): 6,90 Franken
  • Paket M (bis 80cm): 7,90 Franken
  • Paket L (bis 120cm): 11,90 Franken
  • Paket XL (bis 180cm): 19,90 Franken

Der Preisunterschied zur Schweizerischen Post war eventuell zu klein, um genügend Kunden vom DHL-Angebot zu überzeugen. Ein direkter Vergleich mit DHL ist nicht möglich, weil die Schweizerische Post nach Gewicht abrechnet. Dennoch hier die Preisliste der Schweizerischen Post mit Stand 3/2019:

  • Paket bis 2 kg : 7 Franken (Economy) / 9 Franken (Priority)
  • Paket bis 10kg: 9,70 Franken (Economy) / 10,70 Franken (Priority)
  • Paket bis 30kg: 20,50 Franken (Economy) / 23 Franken (Priority)

In der Fußzeile der schweizerischen DHL-Website steht neuerdings die "DHL International GmbH" als Betreiberin. Im Impressum der alten Website dhlparcel.ch war bis Ende Februar 2019 noch die "DHL Parcel (Switzerland) AG" verzeichnet (vgl. Google-Archiv).

Im November 2018 hatte DHL Parcel Switzerland die Inbetriebnahme des ersten eigenen Depots in Winterthur bekanntgegeben. Es handelte sich um ein spezielles Depot für Standardpakete und nicht für Expresspakete (Quelle: itreseller.ch). Laut tagesanzeiger.ch plante DHL angeblich, bis 2020 insgesamt drei neue Logistikzentren in der Schweiz zu bauen.

Die Indizien deuten nun eher auf einen Stopp der Expansionspläne hin. Möglicherweise gliedert DHL die Infrastruktur, die fürs Privatkunden-Geschäft aufgebaut wurde, in das Geschäft von DHL Express ein.

Paketda wird die Anzahl der DHL-Servicepoints in der Schweiz im Auge behalten. Entweder werden die Paketshops in das Netz von DHL Express integriert oder einige von ihnen werden geschlossen. Vor dem Eintritt ins Privatkunden-Segment gab es 400 DHL-Express-Servicepoints in der Schweiz; bis Ende 2018 waren ca. 750 geplant (Quelle: dpdhl.com).

Warum zieht sich DHL nach 6 Monaten wieder aus dem schweizerischen Privatkundenmarkt zurück? Der Grund könnte im Anhang des DHL-Geschäftsberichts 2018 zu finden sein. In der sogenannten Anteilsbesitzliste (hier als PDF) sind die weltweiten Tochtergesellschaften des Deutsche-Post-Konzerns verzeichnet.

In dem Dokument erscheint die DHL Parcel (Switzerland) AG mit einem Verlust von 1,16 Millionen Euro in 2018. Im Gegensatz dazu erwirtschaftete die DHL Express (Schweiz) AG ein Plus von 9,6 Millionen Euro. Angesichts dieser Zahlen hat die Deutsche Post wohl die Hoffnung auf ein ertragreiches Privatkundengeschäft in der Schweiz aufgegeben und besinnt sich zurück auf das Expressgeschäft mit Firmenkunden.

► Interessant: In der Anteilsbesitzliste sind alle europäischen Express-Tochtergesellschaften mit Gewinnen ausgewiesen. Bei den Paket-Tochtergesellschaften, die das europäische Privatkundengeschäft betreiben, gibt es hingegen ein gemischtes Bild. Gewinne erwirtschaften u.a. die Gesellschaften in den Niederlanden, Polen und Österreich. Relativ hohe Verluste gibt es in Belgien (- 5 Mio. Euro) und in der Slowakei (- 3,1 Mio. Euro).

Es bleibt abzuwarten, ob DHL in 2019 weitere Maßnahmen ergreift und verlustbringende Auslandsgeschäfte einstellt oder mit DHL Express zusammenlegt.


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