DHL-Paketmengen wirklich so hoch wie vor Weihnachten?

Zur Deutschen Presseagentur sagte Deutsche-Post-Vorstandsmitglied Tobias Meyer in der vergangenen Woche, dass die Menge verschickter Pakete "nunmehr schon Vorweihnachtsniveau pro Tag in unserem Netzwerk" erreicht habe. Quelle: rp-online.de.

Zu Beginn der Corona-Krise konnte DHL noch keine steigenden Mengen feststellen. Mittlerweile bestellen aber immer mehr Menschen Waren nach Hause, so dass die Versandmengen laut Meyer "sehr plötzlich" angestiegen seien.

Paketdienste, die stärker auf die Belieferung von Firmenkunden ausgerichtet sind, verzeichnen hingegen sinkende Mengen. Laut Österreichischer Verkehrszeitung gab es bei GLS Austria an einigen Tagen 40 Prozent weniger Firmenpakete im Vergleich zum Vorjahr. In Summe aller Pakete (Firmen- und Privatkunden) betrage das Minus 25 Prozent gegenüber 2019.

Weil auch DHL nicht vollständig von sinkenden Firmenpaketmengen verschont bleibt, stellt sich die Frage, ob die Privatkundenpakete das Minus so stark ausgleichen, dass die Gesamtmenge tatsächlich auf Vorweihnachtsniveau liegt.

Im Paketda-Forum gibt es nämlich keine überdurchschnittlichen Beschwerden über verspätete Pakete, wie sie normalerweise im November und Dezember vorkommen. Je mehr Pakete verschickt werden, desto mehr Verzögerungen gibt es eigentlich und desto mehr Beschwerden von Nutzern.

Das Portal parcello.org hat die Lieferzeiten von rund 35.000 Sendungen von DHL, Hermes, DPD, GLS und UPS ausgewertet und konnte ebenfalls keine Verzögerungen feststellen.


Ein weiterer Indikator für Paketmengen sind die Auslastungs-Infos in der Suchfunktion nach DHL-Packstationen. In Großstädten haben zwar einige Packstationen eine sehr hohe Auslastung, doch die meisten Packstationen sind gering ausgelastet. Untypisch für Paketmengen auf Vorweihnachtsniveau.

Eine mögliche Erklärung des Phänomens ist, dass DHL-Kunden die Packstationen weniger nutzen, weil sie nun immer zu Hause anzutreffen sind. Nachfolgend eine nicht repräsentative Stichprobe der Packstations-Auslastung verschiedener Städte (Innenstadt).

Anzahl der Packstationen mit entsprechendem Auslastungsstatus ...

Stadt geringe Auslastung hohe Auslastung sehr hohe Auslastung
München 13 4 5
Hannover 20 2 0
Dortmund 15 3 0
Berlin 20 6 2
Potsdam 15 2 0
Bremen 17 4 4
Leipzig 25 0 0
Stuttgart 17 4 4
Hamburg 19 4 3
Kassel 17 1 0

Nachtrag vom 07.04.2020: Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel meldet aufgrund der Corona-Pandemie einen "deutlichen Umsatzverlust im Onlinehandel". Einige Kategorien wie Drogieartikel und Lebensmittel werden zwar stark nachgefragt, aber in Summe über alle Produktkategorien gab es im März einen Umsatzeinbruch von 18,1 Prozent. Das Bekleidungssegment stürzte sogar um mehr als 35 Prozent ab. Quelle: www.presseportal.de

Betrachtet man diese Gesamtlage, ist es sehr zweifelhaft, ob DHL wirklich einen Corona-Boom erlebt.


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