DHL erwartet signifikant höhere Transportpreise und Treibstoffzuschläge


Bei der Bilanzpressekonferenz von Deutsche Post DHL beantworteten die Vorstände Frank Appel und Melanie Kreis einige Fragen von Journalisten. Vieles drehte sich um die Kriegsauswirkungen.

Melanie Kreis sagte, dass die Bereiche DHL Express und DHL Global Forwarding (Fracht) aufgrund des hohen Luftfrachtanteils stark von Preissteigerungen beim Treibstoff betroffen seien. Das Unternehmen sei dagegen aber abgesichert, weil Versender einen variablen Treibstoffzuschlag bezahlen. Dieser werde zwar erst "mit einem zeitlichem Versatz von 2 Monaten" wirksam, und man müsse abwarten, wie sich die Preise einspielen, aber "es gibt Mechanismen, wie wir das an die Kunden weiterreichen". Aktuelle Treibstoffzuschläge bei: DHL, DPD, GLS.

Außerdem erklärten Frank Appel und Melanie Kreis, dass aufgrund des gesperrten russischen Luftraums Umwege geflogen werden müssen. Die Flugzeuge müssen dadurch mehr Kerosin tanken, so dass weniger Fracht geladen werden kann. Weil russische Airlines kaum noch fliegen, fehlt deren Frachtvolumen auf dem Markt. In Verbindung mit den ohnehin knappen und teuren Luftfrachtkapazitäten (wegen Corona), werden "signifikante Preissteigerungen in den nächsten Wochen" erwartet.

Appels Hauptsorge ist ein Abrutschen der Weltwirtschaft in eine Rezession. In der Ukraine, Russland und Belarus erwirtschaftet Deutsche Post DHL weniger als 1% des Umsatzes. Ein Wegfall dieses Geschäfts hätte für den Postkonzern kaum negative Auswirkungen. Aber die weltweit hohen Spritpreise könnten letztendlich dazu führen, dass Kunden weniger Transporte beauftragen. Appel wörtlich:

"Am Ende wird es zu massiven Preissteigerungen führen, das ist unvermeidbar. Deshalb ist es wichtig, den Energiesektor zu stabilisieren. Da muss sich die Politik genau überlegen: Was bedeutet das im nächsten Winter? Wir sollten vorsichtig sein, die [Energie-] Lieferungen [aus Russland] von unserer Seite aus zu kürzen. Dann wird die Problematik immer schwieriger. Dann wird die Bereitschaft immer geringer, etwas zu transportieren."

Viele Journalisten sprachen den Betriebsstopp von DHL Express in Russland an. Frank Appel und Melanie Kreis sagten, dass die 3.500 DHL-Mitarbeiter in Russland weiterhin bezahlt werden. Sie erklärten aber nicht, dass Export-Sendungen aus Russland noch möglich sind. Der Stopp betrifft nur Importe nach Russland. Auch die Rückfrage eines Journalisten "Was ist mit Domestic?", also Lieferungen innerhalb Russlands, wurde nicht beantwortet.

Im Einzelfall seien auch Exporte nach Russland möglich, sofern diese behördlich genehmigt werden. Schwierige Entscheidungen seien zum Beispiel, ob Krebsmedikamente nach Russland geliefert werden dürfen oder Dokumente an Botschaften.

Auf die Schienenverbindung zwischen China und Europa angesprochen, die durch Russland verläuft, sagte Frank Appel, dass deren Bedeutung nicht relevant sei. Per Zug wird weniger als 1% des Transportvolumens aus Asien befördert.


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