Die Deutsche Post dominiert den Briefmarkt mit einem Anteil von rund 85 Prozent. Nur etwa 15 Prozent der Sendungen werden von privaten Briefdiensten abgewickelt. Dennoch schaffen es die Wettbewerber gelegentlich, so große Mengen zu bewegen, dass dies für die Deutsche Post problematisch wird.
Da private Briefdienste nicht in allen Regionen Deutschlands aktiv sind, übergeben sie ihre Sendungen in Gebiete ohne eigenen Dienst an die Deutsche Post.
Tobias Meyer, Vorstandschef der DHL Group, äußert sich im Rahmen eines Statements zum neuen Postgesetz kritisch darüber, dass Wettbewerber erhöhte Sendungsmengen nicht im Voraus ankündigen. In einer Pressemitteilung erklärt Meyer:
"Der deutsche Sonderweg der Wettbewerbsförderung im schrumpfenden Briefmarkt wird zu einer Verteuerung der Universaldienstleistungen führen. Und er gefährdet die Qualität, da Wettbewerber oftmals ohne Ankündigung die Sendungen in das Netz der Deutschen Post einspeisen, wodurch die Zustellung schwerer planbar und damit schwieriger und teurer wird."
Diese deutliche Aussage und Kritik seitens der Deutschen Post AG ist überraschend. Angesichts stetig sinkender Briefmengen müsste es in den Sortierzentren ausreichend freie Kapazitäten geben, um die Sendungen der Wettbewerber zu verarbeiten. Oder es liegt am knappen Personal, so dass nicht technische, sondern menschliche Faktoren die Kapazität beschränken.
In jedem Fall ist es bemerkenswert, dass Wettbewerber trotz ihres geringen Marktanteils die Deutsche Post derart ins Schwitzen bringen können, dass sich der Vorstandsvorsitzende persönlich um das Thema kümmert.
Nachtrag
Auf der Website für Dialogpost weist die Deutsche Post auf neue Regeln für die Einlieferung hoher Sendungsmengen hin. Früher akzeptiere die Post Mengen unter 50.000 ohne elektronische Vorankündigung. Ab sofort müssen Geschäftskunden bereits ab 5.000 Sendungen eine Vorankündigung einreichen, damit sich die Deutsche Post darauf vorbereiten kann.