So beeinflusst Corona den internationalen Postverkehr


Der Weltpostverein hat Statistiken über den internationalen Postverkehr seit Ausbruch der Corona-Pandemie veröffentlicht. Der umfangreiche Bericht ist als PDF unter www.upu.int abrufbar.

Ein Indikator ist die sogenannte "stranded mail ratio". Im Mai 2020 lag das Verhältnis zwischen exportierten Sendungen und importierten Sendungen bei 2,1. Das bedeutet, auf 2,1 exportierte Sendungen wurde im Wochendurchschnitt nur 1 Sendung als "empfangen" verbucht. Anders gesagt: Weniger als die Hälfte der Sendungen hat das Zielland erreicht und ist irgendwo gestrandet.


Interessant ist auch die Entwicklung der Dauer der Zollabfertigung. Das IPZ Frankfurt ist ja berüchtigt dafür, dass internationale Sendungen teilweise wochenlang festhängen. Im internationalen Durchschnitt wurden importierte Standardpakete während der Corona-Pandemie binnen 64 Stunden (2,6 Tage) abgefertigt. Ohne Corona betrug die Dauer nur 2 Stunden. Bei EMS-Paketen verlängerte sich die Dauer von 2 Stunden auf durchschnittlich 34 Stunden (1,4 Tage).


Der Weltpostverein merkt außerdem an, dass aufgrund des eingeschränkten Postverkehrs auch Testsendungen festhängen, die eigentlich zur Qualitätskontrolle eingesetzt werden. Mehr noch: Die mittels Testsendungen festgestellten Lieferzeiten dienen auch internen Abrechnungszwecken der Postgesellschaften. Weil Daten der Testsendungen fehlen, gibt es einen negativen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit des Abrechnungssystems.

In einem Ausblick auf die Zukunft hat der Weltpostverein drei Szenarien entworfen: ein pessimistisches, ein optimistisches und ein realistisches. Bei pessimistischer Erwartung verändert Corona das Einkaufsverhalten so, dass Menschen und Unternehmen störanfällige Transportwege vermeiden wollen und deshalb weniger online kaufen und mehr vor Ort. Sendungsmengen würden sinken.

Im optimistischen Szenario passiert das Gegenteil: Kunden lernten während Corona eine zuverlässige Logistik kennen und bestellen deshalb in Zukunft verstärkt online.

Im realistischen, erwartbaren Szenario geht der Weltpostverein davon aus, dass der gestörte internationale Postverkehr nur einen kurzfristigen Effekt auf das Bestellverhalten der Kunden hat. Wenn Corona vorüber ist, werden die Paketmengen weiterhin ansteigen - aber nur in dem Rahmen, wie sie es ohne Corona auch getan hätten. Langfristig sind keine außergewöhnlich positiven oder negativen Corona-Effekte auf den Postverkehr zu erwarten.


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